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16 Oktober, 2015 - 08:19
 

Krippe oder Grippe? Virenschleuder Kinderkrippe als Herausforderung für arbeitende Eltern

Endlich ein Platz in der Kinderkrippe. Das Kind ist nun für ein paar Stunden am Tag versorgt und man kann diese Zeit als Elternteil anderweitig verplanen und wieder in den Beruf einsteigen. Denkt man. Doch aus der Krippe bringen Kinder neben neuen Erfahrungen auch eine ganze Menge Krankheitserreger mit sich, wie unser Autor leidvoll erfahren musste.

© Joanna Zielinska - Fotolia.com

Am Anfang ganz einfach

Als unser Sohn geboren wurde, mussten meine Frau und ich nicht lange überlegen, wie wir unser Familienleben im Anschluss organisieren würden. Da ich ohnehin von zu Hause aus arbeite und meine Frau gern wieder in den Beruf zurück wollte, stand schnell fest, dass ich mich am Nachmittag um den Kleinen kümmern würde. Nachdem unser Sohn ein Jahr alt wurde, setzten wir unseren Plan dann in die Tat um. Jeden morgen fuhr ich meinen Sohn dann in die Krippe. Von acht bis vierzehn Uhr konnte ich dann zu Hause arbeiten, bevor ich ihn wieder abholte und wir den Nachmittag gemeinsam verbrachten.


Können Sie Noah bitte abholen?

Es war dann im vergangenen Oktober, als mich seine Erzieherin zum ersten Mal anrief und mir mitteilte, dass mein Sohn offenbar krank sei. Er hätte Durchfall und ich sollte ihn doch bitte abholen. Gut, dachte ich, das kann passieren. Schnell rief ich also noch den Kunden an, mit dem ich eigentlich noch sprechen wollte, und sagte ab. Er hatte natürlich Verständnis. Ein Kind, das kann passieren. Doch ich ahnte nicht, wie oft ich noch diesen Anruf aus der Krippe bekommen würde. Kaum näherte sich das Jahr dem Ende, der erste Schnee fiel und es wurde nasskalt, jagten die Erkältungen durch die Krippe. Nach vier Wochen blickte ich auf eine Zeit zurück in der Noah kaum einmal zwei Tage am Stück in die Krippe gegangen war. Oft brachte ich ihn morgens hin und sah schon den Anrufbeantworter blinken, wenn ich nach Hause kam. „Können Sie Noah bitte abholen?“, sprach ich nach wenigen Wochen schon auswendig mit. Also wieder zurück und das kränkelnde Kind zu Hause versorgen.


Die Arbeit wächst und wächst

Währenddessen wuchs meine Arbeit zu bedenklichen Stapeln an. Der Post-Eingangskorb drohte bereits umzufallen, der Rechnungseingang nahm bedrohliche Formen an und auf dem AB fanden sich zunehmend Nachrichten aus denen Unverständnis und leichter Vorwurf sprachen. „Wo stecken Sie denn?“, „Sind Sie eigentlich noch tätig?“, „Wann bekomme ich denn meinen Text?“ Während ich beim Kinderarzt saß, Zäpfchen verabreichte und verschmutze Wäsche wusch, wählten sich die Kunden die Finger wund. Ich wusste, dass das nicht lange gutgehen konnte. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Kunden abspringen würden. Doch, was tun? Meine Frau hatte gerade angefangen zu arbeiten, ein Gehalt allein reichte nicht. Ich musste arbeiten. Aber wann? Anfangs schob ich viel auf den Abend, doch nach einem ganzen Tag mit krankem Kind war meine Motivation am Abend auf dem Tiefpunkt. Blieben also nur die Stunden des Mittagsschlafes. Da musste nun alles abgearbeitet werden, was liegen geblieben war. Doch wie sollte man in zwei Stunden die Arbeit eines ganzen Tages schaffen? Es ging nicht.


Keine Lösung in Sicht

Um es vorwegzunehmen: Wir haben bis heute keine Lösung für das Problem gefunden. Kinder werden krank und Krippenkinder ganz besonders häufig, weil sie noch viel in den Mund nehmen. Auf der anderen Seite muss ich arbeiten und kann mich nicht immer um Noah kümmern. Das Frühjahr hat uns nun ein wenig Erleichterung gebracht und die Krankentage werden weniger. Dennoch haben meine Frau und ich bereits besprochen, dass wir eine Lösung für das nächste Jahr finden müssen und die kann wohl nur lauten, dass wir beide weniger arbeiten, damit wir gegenseitig für den jeweils anderen einspringen können. So geht es auf jeden Fall nicht weiter. Wenn Sie nun meinen, dass dies enttäuscht klingt, so haben Sie nicht ganz unrecht. Natürlich hatten wir gehofft, dass alles so wunderbar funktionieren wird, aber es ist durchaus heilsam, wenn man aufgezeigt bekommt, dass im Leben eben nicht alles immer gleichzeitig zu bewerkstelligen ist. Glänzende Karriere und Kind - das funktioniert wohl nur in Hollywood. 

 

Christian Mörken, 39 Jahre, lebt als freier Autor, Redakteur und Texter mit seiner Frau Gabriela und seinen beiden Kindern in Pfronten.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de