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13 November, 2016 - 11:33
 

Nächtliches Bettnässen – Ursachen und was man dagegen tun kann

In der Regel sind Kinder spätestens im Alter von vier bis fünf Jahren auch nachts die Windeln los. Oft läuft diese Entwicklung ganz automatisch ab. In einigen Fällen brauchen Kinder allerdings erheblich länger, um nachts ohne Windel auszukommen. Dies ist erst mal kein Grund zur Beunruhigung.

© stuchin - Fotolia.com

In verschiedenen Studien hat sich ergeben, dass ungefähr zehn Prozent aller Kinder zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr nachts noch einnässen. Zum Großteil sind das Jungen. Mit steigendem Alter sinkt die Prozentzahl, allerdings machen noch ein Prozent der Jugendlichen ebenfalls nachts immer mal wieder ins Bett.


Ursachen für nächtliches Bettnässen

Ursachen gibt es viele und wenn Ihr Kind mit vier oder fünf Jahren nachts noch ins Bett macht, sollten Sie zuallererst einen Kinderarzt konsultieren, um organische Gründe auszuschließen beziehungsweise festzustellen. Erst dann kann entschieden werden, ob es sich lediglich um eine Entwicklungsverzögerung handelt oder ob Handlungsbedarf besteht.

Man unterscheidet zwischen sogenannter primärer Enuresis, bei der das Kind noch nie trocken war und sekundärer Enuresis, bei der das Kind nach einer trockenen Phase wieder anfängt, nachts ins Bett zu machen.


Ursachen für die primäre Enuresis können sein:

  • Vererbte Veranlagung: War ein Elternteil ebenfalls Bettnässer, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder nachts noch lange einnässen auf 45%.
  •  Reifeverzögerung: Nervenstrukturen für die Weiterleitung der Information, dass die Blase voll ist, sind noch nicht ausgereift. Die Kinder schlafen so tief, dass der Reiz der gefüllten Blase sie nicht aufweckt.
  • ADHS: Auch Kinder mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung sind häufig Bettnässer.
  • Hormonmangel: Das ADH-Hormon, dass den Wasserhaushalt steuert und den Urin nachts konzentriert, wird noch nicht in ausreichender Menge gebildet.
  • Falsche Trinkgewohnheiten: Das Kind trinkt vormittags zu wenig und abends dann zu viel. Dieser Rhythmus erschwert das nächtliche Trockenwerden.
  • In sehr seltenen Fällen kann auch eine angeborene Deformation der Blase, der Harnröhre oder der Blasenschließmuskel vorliegen, die durch eine Operation behoben werden muss.

 

Bei der sekundären Enuresis (erneutes Bettnässen nach einer trockenen Phase) kommen folgende Ursachen in Frage:

  • Psychischer oder emotionaler Stress in der Familie oder in der Schule
  • Harnwegsentzündung
  • Nierenprobleme

 

Umgang mit dem Bettnässen

Häufig wird das Bettnässen als Tabuthema behandelt. Grund dafür ist, dass viele Eltern meinen, sie und ihr Kind ständen mit diesem Problem allein dar. Statistisch gesehen sieht die Sache jedoch anders aus:

  • 15% aller Kindergartenkinder sind Bettnässer.
  • In der ersten Klasse gibt es noch knapp 12% Kinder, die nachts nicht trocken sind.
  • Zwei bis drei Kinder, die an Enuresis leiden, finden sich in der 4. Klasse.

http://www.initiative-trockene-nacht.de/bettnaessen/statistiken.html

 

Diese Statistiken können Eltern trösten, zeigen sie doch, dass das vermeintliche Tabuthema in vielen Familien Tatsache ist.

Eltern und auch Kinder schämen sich häufig fürs Bettnässen und halten dieses Problem streng geheim. Der psychische Druck der dadurch aufgebaut wird, verstärkt das Problem doch eher, als dass es gelöst wird. Wichtig für Eltern ist es, sich klar zu machen, dass ihr Kind nicht aus Faulheit ins Bett macht, sondern dass eine der obigen Ursachen der Grund dafür ist. Wichtig ist, dass Eltern und Kinder mit dem Problem des nächtlichen Bettnässens offen umgehen und gemeinsam über Maßnahmen entscheiden – natürlich in einem kindgerechten Gespräch.

Um mit dem Bettnässen möglichst stressfrei umzugehen, bietet sich für kleinere Kinder eine nächtliche Windel an. Bei größeren Kindern, die keine Windeln mehr tragen wollen, helfen eine wasserundurchlässige Moltoneinlage und bereitliegende Ersatzbettwäsche, um die nächtlichen Störungen so gering wie möglich zu halten.

Immer aber gilt: Ruhe bewahren, vor allem nachts. Machen Sie das Bettnässen nicht zum ständigen Reiz- und Streitthema in der Familie.


Diagnose und Therapie


Um eine Enuresis wirkungsvoll behandeln zu können, sind verschiedene diagnostische Schritte nötig:

  • Anamnese: Die Krankengeschichte wird vom Kinderarzt aufgenommen.
  • Blasentagebuch: So verschafft man sich einen Überblick über das nächtliche Bettnässen.
  • Klinische Untersuchung: Untersuchung auf organische Ursachen.
  • Harndiagnostik: Der Urin wird untersucht.
  • Ultraschalluntersuchung: Weitere Untersuchung auf körperliche Ursachen.

Die Entscheidung, ob man auf ein spontanes nächtliches Trockenwerden wartet oder eine Therapie einleitet, sollten Sie gemeinsam mit dem Kinderarzt treffen. In der Regel sagt man, dass bei Kindern über fünf Jahren ein weiteres Abwarten nicht sinnvoll ist. In Einzelfällen kann aber durchaus auch eine andere Entscheidung getroffen werden. Die Therapie richtet sich nach der erfolgten Diagnose. Grundsätzlich können drei Arten von Behandlungsmethoden unterschieden werden:

Bei der Urotherapie wird ein Verhaltenstraining durchgeführt, bei dem das Kind lernen soll, die Kontrolle über die Blase zu erlangen. Hauptelemente der Therapie sind ein Blasentagebuch, ein Trink- und Toilettenplan und die entsprechende Motivation durch die Eltern. Die Behandlung führen am besten ausgebildete Urotherapeuten durch.

Bei der medikamentösen Therapie werden je nach Diagnose Hormone (Desmopressin) oder Medikamente zur Blasenvergrößerung oder –beruhigung (Anticholinergika) eingesetzt. Die Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva sollte heute nicht mehr vorgenommen werden, da sie viele, teils gefährliche Nebenwirkungen auslösen kann.

Die Alarmtherapie wird eingesetzt, wenn das Blasenvolumen zu gering ist. Sie verlangt sehr viel Engagement von Eltern und Kinder. Dabei wird mit einer sogenannten Klingelhose gearbeitet, die anfängt zu läuten, sobald die ersten Urintropfen austreten. Ertönt der Alarmton, geht das Kind entweder selbständig zur Toilette oder wird von den Eltern geweckt und hingebracht. Die Therapie ist anstrengend und kann zur Müdigkeit am Tage führen.


Unverzichtbarer Bestandteil jeder Blasentherapie ist die Motivation des Kindes. Eltern müssen für eine positive und konstruktive Stimmung sorgen und gemeinsam mit dem Kind das Problem nächtliches Bettnässen anpacken.

 


Zum Weiterlesen:
http://www.initiative-trockene-nacht.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Enuresis
http://www.netdoktor.de/Gesund-Leben/Baby+Kind/Ratgeber/Bettnaessen-bei-Kindern-1056.html
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de