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24 Januar, 2017 - 08:28
 

Tobende Kinder, Ratlose Eltern – Vom Umgang mit der Trotzphase

Die ersten zwölf Monate im Leben eines Kindes sind in der Regel von Harmonie und grenzenlosem Vertrauen zu den Eltern geprägt. Dann stellt das Kind plötzlich fest, dass es durchaus nicht immer mit den Eltern einer Meinung ist. Dies ist zwar noch nicht unbedingt der Beginn der Trotzphase, gibt den Eltern jedoch bereits eine Ahnung von dem, was noch auf sie zukommen wird.

© Ramona Heim - Fotolia.com

Das Trotzalter kann eine extrem aufreibende und anstrengende Zeit sein, mit der viele Eltern nur schwer umgehen können. Hilfreich ist, wenn man die Vorgänge im Kind innerhalb dieser Phase versteht und richtig einordnet. Je älter das Kind wird, desto mehr bekommt es das Bewusstsein für seine eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Es sieht sich allmählich als von den Eltern getrennte Person und entwickelt dieses Gefühl weiter, in erster Linie dadurch, dass es eigene Entscheidungen trifft, die sich von dem, was die Eltern wollen, unterscheiden. Dieser so wichtige Schritt zum eigenen Willen äußert sich bei den meisten Kindern ziemlich ausgeprägt. Sie wollen alles alleine machen und vor allem so, wie sie es für richtig halten. Sie lehnen Hilfe ab und werden extrem wütend, wenn die Dinge nicht so verlaufen, wie sie es sich vorstellen.

Die Trotzphase ist ein bedeutsamer Entwicklungsschritt des Kindes. Es bekommt ein Bewusstsein für das eigene Ich. Mit diesem Bewusstsein ist allerdings auch die Erkenntnis verbunden, dass die Eltern plötzlich nicht mehr alles gutheißen, was das Kind tut. Die Verzweiflung, in die ein Kind durch dieses Dilemma gerät, äußert sich dann eben in – aus der Sicht der Eltern oft unmotivierten - Wutanfällen, die mit kratzen, beißen, schreien, umsichschlagen und auf den Boden werfen verbunden sind.


Wann beginnt die Trotzphase und wie lange dauert sie?

In der Regel beginnt das klassische Trotzalter am Ende des 2. Lebensjahres und endet mit dem 4. Lebensjahr. Manche Kinder beginnen aber bereits früher mit den unkontrollierten Wutanfällen, bei anderen entfällt die Trotzphase in diesem Alter ganz, stellt sich dann jedoch in der Regel mit dem Schulbeginn ein.


Ratschläge für den Umgang mit dem Kind im Trotzalter

Eltern sollten die Trotzphase des Kindes keinesfalls persönlich nehmen. So aufreibend diese Zeit auch ist, es geht nicht um einen dramatischen Eltern-Kind-Konflikt, sondern um einen Entwicklungsprozess des Kindes und es gibt verschiedene Strategien, mit denen Eltern und Kinder die Trotzphase so entspannt wie möglich überleben können:


Bleiben Sie sensibel für die Bedürfnisse des Kindes
Gerade in der Trotzphase prallen die Bedürfnisse von Eltern und Kindern aufeinander. Der Vater hat es eilig und will schnell los, das Kind möchte seine Schuhe unbedingt selbst anziehen. Ein klassischer Aufhänger für einen Wutanfall. Respektieren Sie hier die Bedürfnisse Ihres Kindes, meist kommt es auf fünf Minuten im Leben nicht an und eigenhändig angezogene Schuhe sind für Kinder ein Erfolgserlebnis.


Wenn Ihr Kind traurig ist oder sich ärgert, braucht es Trost – keine Vorwürfe oder Ratschläge
In der Trotzphase kochen die Emotionen beim Kind blitzschnell über. Indem Sie es dann trösten und ihm versuchen zu helfen, anstatt es zu schimpfen, leben Sie vor, wie man mit Gefühlen angemessen umgeht, wie man sie reguliert. Das ist ein Lernprozess für das Kind, das in diesem Alter noch viel durch Nachahmen lernt. Zusätzlich gibt das Gefühl der emotionalen Geborgenheit dem Kind Sicherheit und es lernt leichter, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen.


Vorausschauendes Handeln kann so manchen Wutanfall vermeiden
Planen Sie vor allem morgens genug Zeit ein, damit Ihr Kind bestimmte Dinge, wie zum Beispiel das Anziehen, selbst erledigen kann. Versuchen Sie in jeder Situation dem Kind irgendeine Art von Mithilfe zu ermöglichen. So kann es beim Einkaufen zum Beispiel die Sachen in den Einkaufswagen und später auf die Kasse legen. Hat das Kind in einer bestimmten Situation einen Trotzanfall bekommen, überlegen Sie, was Sie das nächste Mal verändern können, um ein Ausflippen des Kindes zu verhindern.


Weniger ist mehr – Regeln und Verbote
Klarheit und Konsequenz sind gerade in der Trotzphase wichtige Wegweiser und Ankerpunkte für das Kind. Führen Sie gerade jetzt keine neuen Regeln ein und überlegen Sie, ob manche Verbote im Trotzalter eventuell aufgehoben werden könnten, um Reibungspunkte zu vermeiden. Für die Entwicklung des Kindes ist nicht die Art und Anzahl der Verbote und Regeln entscheidend, sondern nur die Einhaltung einmal aufgestellter Vorgaben.


Strafe nein – Auszeit ja
Bestrafungen sind im Trotzalter absolut kontraproduktiv und sinnlos. Sie verstärken nur die Anfälle des Kindes und stören die Eltern-Kind-Beziehung, da das Kind ja nicht aus Bösartigkeit trotzt, sondern aufgrund seiner psychischen Entwicklung. Um die Situation zu entspannen, kann es aber helfen, das Kind für eine Zeit in sein Zimmer zu schicken. Das tut auch den Eltern gut und der Moment des Durchatmens bringt wieder Ruhe in die Situation. Bei Kindern hat diese Maßnahme oft einen wundersamen Effekt: Sie kommen nach wenigen Minuten wie ausgewechselt und als wäre nichts geschehen zurück.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de