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8 Dezember, 2016 - 09:07
 

Vom Instinkt zur Selbstkontrolle – Entwicklung beim Kleinkind

Unsere Kleinen leben im Hier und Jetzt und sind in den ersten Lebensjahren instinkt- und gefühlsgesteuert. Erst mit der Zeit lernen die Kinder das, was in unserer Gesellschaft so eine große Rolle spielt: Angepasstes Verhalten und Selbstkontrolle. Der Weg dahin ist ganz schön lang!

© S.Kobold - Fotolia.com

Spontaneität ist das, was wir an unseren Jüngsten so lieben, was uns aber ebenso zum Wahnsinn oder den Angstschweiß auf die Stirn treiben kann. Auch Peinlichkeiten bleiben nicht aus, denn Kleinkinder sagen was sie denken – und zwar ohne zu überlegen, welche Konsequenzen das haben könnte. Bis ein Kind die sogenannte Impulskontrolle verinnerlicht hat, braucht es jede Menge Übung, Zeit für Einsichten und eine behutsame aber klare Anleitung der Eltern.


Impulskontrolle – lernen ein Leben lang

Impulskontrolle ist das Gegenteil von schnellem und spontanen Handeln ohne nachzudenken. In der Psychologie bedeutet dieser Begriff die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Affekte bewusst zu steuern. Gelingt dies dauerhaft nicht, dann liegt bei größeren Kindern und Erwachsenen eine Störung vor, die Betroffene durchaus bemerken und darunter leiden. Die Kontrolle der Impulse ist im Alltag wichtig, wenn es darum geht, unangenehme Aufgaben zu erledigen und ganz allgemein im Umgang mit schwierigen Menschen oder Situationen. Je besser die Impulskontrolle ausgeprägt ist, umso gelassener reagiert eine Person auf Druck und Spannungszustände.


Das Kind – alles ist Impuls

Ein Kleinkind ist von einer Impulskontrolle so weit entfernt, wie man es sich nur vorstellen kann. Es handelt ganz nach Gefühl – wird es wütend, schreit es oder tritt den Spielgefährten oder auch den Eltern vors Schienbein. Hat es Angst, versteckt es sich, hat es Hunger oder Durst, verlangt es lautstark danach. Die fehlende Impulskontrolle macht sich häufig besonders eindrucksvoll in der Trotzphase bemerkbar. Das Kind schreit und tobt, ganz gleichgültig gegen eventuelle Sanktionen von Seiten der Eltern oder gegen andere Konsequenzen. Etwa nach der Trotzphase zeigen die Kinder meist die ersten Anzeichen von Selbstkontrolle. Sie lernen, auf etwas zu warten, sich und ihre Impulse und Gefühle zu beherrschen. Anfangs dauert diese Kontrolle nur wenige Momente, mit steigendem Alter steigt auch die Einsicht und der Verstand des Kindes erlangt immer mehr Macht über seine Gefühle.


Selbstkontrolle trainieren?

Die Impulskontrolle ist nötig, damit Menschen in einer Gesellschaft funktionieren und sich eingliedern können. Dazu braucht es Empathie - die Fähigkeit, auf etwas warten zu können oder gar zu verzichten. Ebenso ist Selbstkontrolle nötig, um in der Schule zu sitzen und später am Arbeitsplatz zu verharren, auch wenn es schwierig oder unangenehm ist. Und das will gelernt sein! Dass Kinder überhaupt in die Situation kommen, sich selbst zu kontrollieren, beginnt mit den Grenzen, die die Eltern setzen. Dort reiben sich die Kleinen, denn sie wollen meist etwas anderes, als die Eltern sich das vorstellen. Um Regeln einhalten zu können, ist Fremd-, aber auch Eigenkontrolle nötig. Und die trainiert ein Kind am besten, wenn es auf einerseits spürbare, andererseits aber auch verständliche Grenzen stößt.

Während bei einigen Kindern die Selbstkontrolle fast wie von selbst immer mehr zunimmt, brauchen andere Kinder Hilfe und Training. Kinder, die sich selbst spüren können, haben es leichter, aufwallende Gefühle zu erkennen und nach und nach zu kontrollieren. Die sogenannten Wildfänge sind mitunter so lebhaft und nach außen gewandt, dass sie wenig Kontakt zu ihrem Inneren haben – und dementsprechend spät oder gar nicht spüren, wenn Gefühle aufwallen und sich Bahn brechen wollen. Solche Kinder können durch sanftes und verständnisvolles Üben gut unterstützt werden. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, seine eigenen Gefühle früh wahrzunehmen. Das geht zum einen dadurch, dass sie mit ihm über das reden, was es bewegt und darüber sprechen, wie sich Wut, Freude oder Traurigkeit im Körper anfühlen. Noch wichtiger ist es allerdings – und das gilt für alle Kinder – sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Bedürfnisse als richtig anzusehen. Je sicherer ein Kind sich seiner eigenen Gefühle sein darf, umso sicherer kann es diese auch kontrollieren, denn es wird mit der Zeit lernen, was die verschiedenen Emotionen ihm sagen wollen.

Dass Kinder sich impulsiv verhalten, ist bis zu einem gewissen Alter ganz natürlich und entspricht der kindlichen Entwicklung. Machen Sie sich also nicht allzu viele Sorgen, wenn Ihr Nachwuchs mal wieder „durchdreht“. Auch das ist, wie so vieles im Leben, eine weitere Phase. Was Sie nicht tun sollten ist, ein Kleinkind wegen seines impulsiven Verhaltens zu tadeln oder gar zu bestrafen. Es kann nicht anders!
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de