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29 März, 2010 - 22:46
 

Achtung Baby – Michael Mittermeier im Interview, Teil 1

Deutschlands erfolgreichster Comedian ist Vater geworden – und er hat auch gleich ein Buch darüber geschrieben. „Achtung Baby“ schoss sofort auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Im Interview mit Vaterfreuden.de berichtet er von seinen ganz persönlichen Erfahrungen als Vater. Im heutigen ersten Teil spricht er unter anderem darüber, wie er und seine Frau es schaffen, Kind, Partnerschaft und Karriere unter einen Hut zu bringen.

Vaterfreuden.de:

Was ist furchteinflößender für Sie gewesen, Herr Mittermeier – das Gebrüll eines Löwen auf Ihrer Safari oder das Geschrei Ihrer vierwöchigen Tochter?

 

Michael Mittermeier:

Ja, man ist sich nicht ganz sicher manchmal. Wie es mir ein Vater ins Gästebuch geschrieben hat – er erinnert sich immer an einen Ausdruck, wenn er seinen Sohn schreien hört – NAZGUL.
Manchmal ist es der Löwe, wo sie Angst hat, aber manchmal ist es dann ein Schreien, wo sofort der Papa funktioniert, weil er weiß „oh, mein Gott, sie hat Aua, sie hat weh“ und dann ist es nicht schrecklich, sondern dann überkommt einen nur Liebe. Man nimmt sie in den Arm und tröstet sie. Es ist ja ein Unterschied, ob sie (Kinder) sich auf den Boden werfen und schreien, weil sie etwas haben wollen, weil sie gerade austesten wollen, wie laut man im Hause sein kann oder ob es wirklich ein Schreien ist, weil sie Hunger haben oder krank sind.

 

Vaterfreuden.de:

Aber gerade bei kleinen Kindern weiß man es ja noch nicht immer, was häufig ganz besonders schlimm ist, da man sich am Anfang hilflos fühlt.

 

Michael Mittermeier:

Ja, aber man checkt immer alles ab, die ganzen Basics: Hunger, Durst, Kaka, Piesel, was weiß ich alles. Und wenn das nichts geholfen hat, dann ist man eben kilometerweit rumgegangen mit der Kleinen.

 

Vaterfreuden.de:

Warum sind Sie erst so spät Vater geworden und das trotz einer sehr langen Beziehung zu Ihrer Partnerin Gudrun?

 

Michael Mittermeier:

Wir haben immer gewusst, dass wir Kinder haben werden und wollen, aber wir haben uns eigentlich immer gesagt „nein, wir wollen warten“. Und dann wartet man mal länger und es ist ja auch nicht so, dass es sofort klappt beim ersten Zeugungsversuch und ja, deswegen bin ich jetzt ein Vater im greisen Alter von 41 geworden.

 

 

Bei manchen wäre ein eingebauter Deppenstopp schon schön

 

 

Vaterfreuden.de:

Wie lange haben Sie es probiert, bis es mit der Schwangerschaft geklappt hat?

 

Michael Mittermeier:

Ich habe keine genaue Zeitangabe, aber es hat länger gedauert, wie es einem im Fernsehen vorexerziert wird.

 

Vaterfreuden.de:

Wie sie auch im Buch schreiben – bei den Arschlocheltern geht es relativ schnell mitunter.

 

Michael Mittermeier:

Ja, nicht nur mitunter, sondern meistens. Bei manchen wäre es schon schön, wenn man einen Deppenstopp einbauen könnte.

 

Vaterfreuden.de:

Sehen Sie nun eher die Vorteile des späten Vater-werdens oder denken Sie ab und zu „früher Vater zu werden wäre schon besser gewesen“?

 

Michael Mittermeier:

Wenn ich ehrlich bin nicht. Mit ist es eigentlich total egal, weil ich keiner bin, der in der Vergangenheit lebt und sich jetzt überlegt, ob es besser gewesen wäre. Von meinem Gefühl her glaube ich, dass es jetzt für mich schöner und intensiver ist. Vor 10 oder 15 Jahren hätte ich vielleicht auch gar nicht so die Ruhe gehabt. Als bei mir dann der Erfolg losging, da fährt man rum, da ist man so viel unterwegs. Jetzt ist auch ein Zeitpunkt in meinem Leben, wo ich sagen kann „hey, ich tour ein bisschen weniger, ich mach ein bisschen weniger, ich gebe mir ein bisschen mehr Raum und bin nicht so ein Tour-Papa, der alle paar Wochen nach Hause kommt und dann sagt „ach stimmt, wir haben ja  ein Kind“.

 

Vaterfreuden.de:

Wäre vielleicht ihre Karriere anders verlaufen, wenn Sie früher Vater geworden wären? Viele Männer werden ein wenig vorsichtiger, wenn sie für eine Familie sorgen müssen.

 

Michael Mittermeier:

Ich weiß es nicht. Es wäre sicher schwieriger geworden. Es gab einfach Zeiten, wo ich extremst viel unterwegs war. Das hält eine Beziehung schon aus. Da kann man sich unterwegs auch mal treffen, wenn man weiß, das ist jetzt der Beruf. Aber wenn da noch ein kleines Kind am Start ist – ich glaub, das wäre schon eng geworden. Was immer sich daraus ergeben hätte, keine Ahnung, wahrscheinlich wäre es ähnlich weitergegangen, aber mit mehr Stress. Die Frage ist ja dann – schafft man zu zweit auch den Weg zu zweit weiter? Es macht ja auch keinen Sinn, wenn man ein Kind in einer Zeit kriegt, wo die Eltern noch völlig auf einer anderen Spur hängen. Dann wird es ja doppelt schwierig.

 

 

Zwei Karrieren und Kind unter einen Hut bringen - dafür braucht es Unterstützung

 

 

Vaterfreuden.de:

Begleitet Sie Ihre Familie eigentlich ab und zu auf Tour? Haben Sie Ihren Tourplan umgestellt wegen der Familie?

 

Michael Mittermeier:

Die Familie ist nicht auf Tour dabei, weil es zu anstrengend ist. Das macht einfach keinen Sinn. Wenn meine Frau – sie ist ja Sängerin – mal wieder auf Tour geht, dann wird es sicher so sein, dass die Kleine und wahrscheinlich auch ich mitfahren werden. Die Mama wird sich nicht von der Kleinen trennen. Da ist es eher anders. Gudrun war einmal in Berlin, um ihre Platte zu produzieren. Da waren wir dann eben zwei Wochen in Berlin – ich mit dabei mit der Kleinen.
Selbst toure ich weniger. Ich spiele halt weniger Termine und, was auch schön ist, wenn man mal besondere Tourdinge hat: letztes Jahr habe ich eine Woche in Südafrika gespielt und dann haben wir noch zwei Wochen gedreht. Da waren die zwei dann mit dabei. Das war eine ganz tolle Zeit, die war intensiv und trotzdem haben wir gearbeitet.

 

Vaterfreuden.de:

Sie haben es gerade angesprochen – Ihre Frau, die Sängerin Somersault,  arbeitet ja auch. Wie vereinbaren Sie Ihre zwei Karrieren? Wer kümmert sich um Ihr Kind? Haben sie Unterstützung bei der Kinderbetreuung?

 

Michael Mittermeier:

Ja, wir haben ganz früh – ab dem dritten Monat, glaube ich - angefangen, eine Babysitterin zu nehmen. Und zwar nicht nur eine Elfjährige, die da sitzt und die Eltern anruft, wenn das Kind schreit, sondern schon auch jemand, die das Kind fordert. Damit es kein „Abgeben“ ist, wo sie alleine spielt und einer schaut halt zu. Das hat gut geklappt und die Kleine hat das immer geliebt und das ist auch im Moment so. Jetzt fängt es auch an, dass die Kleine in die Spielgruppe geht, zweimal die Woche so für drei Stunden. Und dann haben wir noch Oma und Opa. Wir haben immer versucht, eine Mischung zu machen. Aber eines ist immer klar – es ist für die Frau schwieriger als für den Mann. Da können Männer noch so rumtönen „ich helfe und wie toll und ich bin Wahnsinn.“ Ich helfe glaub ich auch viel, aber trotzdem bleibt an der Frau immer mehr hängen. Es ist so, da können wir uns vormachen, was wir wollen. Da ist der Karriereknick ein anderer. Es hat für meine Frau sehr viel länger gedauert, wieder Fuß zu fassen. Die kann nicht so wie ich sagen „jetzt bin ich ein paar Wochen wieder mehr auf Tour“. Das funktioniert so nicht so ganz. Sie würde es auch nicht machen wollen, weil sie einfach für die Kleine mehr da sein will.

 

 

Engagierter Vater und dazu erfolgreich im Beruf - möglich dank verbesserter Organisation

 

 

Vaterfreuden.de:

Thema Vereinbarkeit Familie und Beruf – arbeiten Sie auch zu Hause und wie trennen Sie beides?

 

Michael Mittermeier:

Ich arbeite auch viel daheim, klar, wenn ich schreibe oder im Büro arbeite, Mails schreibe, Shows vorbereite. Konzentriert habe ich da ein paar Stunden, wo ich arbeite – dann ist die Babysitterin da oder meine Frau passt auf die Kleine auf. Anschließend bin ich halt wieder dran oder wir machen irgendetwas zusammen mit der Kleinen. Jetzt zum Beispiel beim Schreiben von dem Buch, das war eine ganz tolle Zeit, weil ich da über drei Monate eigentlich nur zu Hause war. Das kann man super verquicken. Beim Schreiben brauche ich natürlich Stille. Das habe ich eigentlich immer gut gemacht. Morgens aufgestanden mit der Kleinen und nachdem wir dann Kaffee getrunken haben, habe ich mich für drei Stunden hingehockt und intensiv geschrieben. Weil es Sommer war sind wir anschließend rausgefahren, an den See, und haben etwas mit der Familie gemacht. Am Abend sind wir heimgekommen, haben die Kleine ins Bett gebracht dann habe ich noch zwei, drei oder vier Stunden gearbeitet. So habe ich über Monate hinweg sechs bis sieben Stunden pro Tag geschrieben -  vielleicht auch mehr – und trotzdem habe ich einen Familientag verbracht. Das war ganz toll.

 

Vaterfreuden.de:

Aber man muss sich wahrscheinlich besser organisieren.

 

Michael Mittermeier:

Man muss sich besser organisieren und ich kann schon schnell umschalten. Wenn ich mich dann in meinem Büro hinsetze, Musik auf dem Kopfhörer, und anfange, zu schreiben, dann bin ich ganz schnell in dieser Welt und kann immer schnell switchen mittlerweile.

 

 

Die gute alte Jesus-Schule

 

 

Vaterfreuden.de:

Wenn man Vater wird, dann reflektiert man häufiger. Welche Werte würden Sie Ihrer Tochter gerne vermitteln?

 

Michael Mittermeier:

Ich bin da kein großer Vergleicher. Man hat Werte, die man für sich selber verfolgt. Da glaubt man ja auch, dass man die gerne weitergibt. Da ist vor allen Dingen Respekt. Meine Frau und ich wollen unserer Kleinen beibringen, dass sie Respekt hat. Respekt vor dem Leben, Respekt vor den Menschen, vor der Umwelt, Respekt davor, was passieren kann, Respekt vor Glück, vor Unglück. Mach auch nichts, was du selber nicht erfahren willst. Also die gute alte Jesus-Schule, die hat schon großen Bestand bei uns im Haus.

Wir versuchen auch, dass sie „normal“ aufwächst. Wir sind kein Promi-Paar, das die Kleine durch Talkshows schleift und fotografieren lässt. Das Buch mag zwar persönlich sein, aber ein Buch ist auch immer eine Kunstform. Da bin ich der Comedian, der Satiriker, der dieses Buch schreibt und über dieses Buch hinaus ist halt die Grenze. Es gibt bei uns keine Home-Stories, die Boulevard-Presse macht bei uns keine Bilder. Das ist ein ganz anderer Schnackser.

 

Vaterfreuden.de:

Inwieweit haben Sie sich durch Ihre Tochter verändert?

 

Michael Mittermeier:

Innerlich verändert man sich natürlich. Es kommt ja nochmal diese riesige Liebes-Flutwelle und die Verantwortung – und das meine ich positiv. Verantwortung hat ja oft so einen negativen Touch, wenn man zum Beispiel sagt „oh, ich habe jetzt so viel Verantwortung.“ Aber es ist auch ganz toll. Man weiß, man ich jetzt für dieses Wesen, diesen Menschen, verantwortlich und das ist etwas wirklich Schönes. Das ist das Innere.

Das Äußere ist, dass ich mich besser strukturiere. Ich bin nun besser aufgestellt, als je zuvor in meinem Leben. Ich glaube, das hätte ich zum Beispiel mit 25 nicht geschafft. Ich versuche, meine Zeit besser einzuteilen und habe das Gefühl, ich schaffe mehr, obwohl sie (die Tochter, Anmerkung der Red.) da ist, als weniger. Es gibt Dinge, die macht man effektiver und über andere regt man sich auch nicht mehr auf. Manche Dinge nerven einen nicht mehr so. Es erscheint einem so unwichtig. Da hat man ein Kind, eine Tochter, und damit andere Prioritäten.

 

 

Kein Autistenkind heranziehen

 

 

Vaterfreuden.de:

Gibt es irgendetwas, das Sie aus Ihrem kinderlosen Leben vermissen?

 

Michael Mittermeier:

Ja mei, was heisst vermissen? Das einzige, was ab und zu schön wäre, ist dieses Spontane. Wenn wir zu zweit sagen – lass uns mal zwei Tage in eine Stadt fahren und es uns gut gehen lassen, dann muss das jetzt alles natürlich viel besser organisiert werden. Man kann auch nicht, wenn man einmal eine Woche mit viel Arbeit und wenig Schlaf hatte, am Wochenende sagen „so, jetzt pennen wir elf Stunden“. Das sind aber eigentlich Kleinigkeiten. Natürlich können wir jetzt nicht mehr Backpacker-Urlaube nach Thailand machen, aber es gibt andere Urlaube und die sind auch sehr schön. Die Kleine ist eh ganz reiseaffin. Wir waren ein paar Wochen in Spanien, wir waren in Südafrika, wir waren auf Mauritius. Die lässt sich gut mitnehmen. Und sie liebt andere Menschen. Sie mag es, wenn sie unter Leute kommt. Es war uns aber auch von Anfang an wichtig, dass wir da nicht so ein Autistenkind heranziehen. Es gibt ja Eltern, die ihre Kinder behüten und betütteln, die die ersten zwei Jahre kaum rauskommen. Kein Babysitter, kaum unter Kinder. Ja und dann sind die Kinder dann gestört. Wenn ich mir dann so Schwachsinn anhöre von Politikern wie der Frau vom Lafontaine, die über KiTas sagt, dass sie Kinder geistig vergewaltigen und es eine geistige Beschneidung ist. Also Entschuldigung, wer hier einen Dachschaden hat, das möchte ich an dieser Stelle mal ganz stark sagen. Da leiden die Kinder drunter. Wenn du den Kindern die Sozialisation wegnimmst – das heißt auch umzugehen mit der Menschheit da draußen, der Umwelt – dann kriegen die nen Schaden und nicht, weil sie zweimal die Woche in der KiTa sind. Was soll denn der Scheiß? Da muss man schon echt krank in der Birne sein, wenn man so etwas von sich gibt. Da bin ich auch wirklich ganz straight, weil diese Frauen gar nicht genau wissen, was sie sie sagen.

 

Hier geht es mit dem zweiten Teil des Interviews weiter.

 

Darin spricht Michael Mittermeier unter anderem über die Schwierigkeit, in Deutschland einen Kindergartenplatz zu bekommen, sowie darüber, dass es von Anfang an klar war, dass er ein Programm über sein Vater-werden und Vater-sein macht. Außerdem verrät er, wie Eltern merken, dass sie kein Arschlochkind haben.
 

 

Weitere Informationen:

Website Michael Mittermeier (auch mit witzigen Videoclips):
www.mittermeier.de

Buch „Achtung Baby“ bei Amazon.de:
 http://www.amazon.de/Achtung-Baby-Michael-Mittermeier/dp/3462042025/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1269879684&sr=8-1

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Redaktion Vaterfreuden.de
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