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30 März, 2014 - 10:12
 

Eltern als Schultaxi – hilfreich oder kontraproduktiv?

Früher war es gang und gäbe, dass Kinder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Schule gelangten. Eine Erscheinung der Neuzeit ist das Elterntaxi – die Kinder werden in die Schule gebracht und wieder abgeholt. Tut man seinen Kindern damit einen Gefallen oder schadet man ihnen eher?

© Gina Sanders - Fotolia.com

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Die Ruhr-Universität Bochum hat in der Studie „Selbstständige Mobilität von Kindern“ ermittelt, dass immer mehr Kinder von den Eltern in die Schule gebracht werden. Hintergrund für die Entscheidung der Eltern, ihr Kind mit dem Auto zur Schule zu bringen, ist meist die wachsende Besorgnis um die Sicherheit des eigenen Kindes. Die Auswirkungen sind nicht ausschließlich positiv: Das Elterntaxi geht zu Lasten der Selbstständigkeit und damit auch auf Kosten des Selbstbewusstseins unserer Kinder.

Schulwege haben sich verändert – Die kindliche Mobilität hat sich gewandelt

Der Trend zur Mobilität macht auch vor unseren Kindern nicht halt. Lange Schulwege sind nichts Ungewöhnliches mehr. Das liegt in hohem Maße daran, dass viele Schulen aufgrund mangelnder Schülerzahlen schließen oder Eltern ganz bestimmte Vorstellungen haben, welche Schule ihr Kind besuchen soll. In der Regel ist die Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gesichert, dennoch bringen viele Eltern ihr Kind lieber selbst in die Schule. Sei es, weil sie ihrem Kind extrem lange Wegezeiten ersparen wollen oder weil sie Angst haben, dass ihr Kind sich im Straßenverkehr nicht zurecht findet. Manchmal hat das Elterntaxi einfach auch praktische Gründe, wenn die Schule auf dem Arbeitsweg der Eltern liegt. Fakt ist: Die selbstständige Mobilität der Kinder findet kaum noch statt. Diese Entwicklung begann in den 1970er Jahren und verstärkt sich seitdem immer mehr.

Auswirkungen auf die Kinder

Auch wenn der verstärkte Einsatz des Schultaxis sich auf einige statistische Werte positiv ausgewirkt hat – so geschehen zum Beispiel weniger Unfälle auf dem Schulweg – sind die Auswirkungen auf die Kinder doch enorm. Selbstständiges und eigenverantwortliches Handeln gehört zur Entwicklung eines Kindes, insbesondere auch zur Stärkung des kindlichen Selbstwertgefühls. Kinder, die sich im Straßenverkehr allein bewegen müssen, sind gefordert. Sie tragen Verantwortung für sich und müssen eigene Entscheidungen treffen. Das macht stark und sicher. Die Fahrt im Elterntaxi zwingt das Kind dagegen zur Passivität. Es kann den Umgang mit dem Straßenverkehr nicht üben, lernt nicht, sich eigenständig zu orientieren und sich zurechtzufinden.

Unsichere Schulwege – So helfen Sie Ihrem Kind

 

Um dem Kind die Fähigkeiten mitzugeben, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen und um die eigenen Ängste zu beruhigen, können Eltern viel tun. Das Zauberwort heißt Üben. Schon vor dem Schuleintritt können Sie mit Ihrem Kind trainieren, wie es sich im Straßenverkehr verhalten muss, um sicher zur Schule zu kommen. Der Schulweg  selbst – sei es zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus – kann ebenfalls eingeübt werden. Weitere Unterstützung geben Reflektoren an Kleidung und Schulmappe. Als Eltern sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Kind genug Zeit für den Weg zur Schule hat, denn Hektik stört die Konzentration auf das Wesentliche. Kann Ihr (Grundschul-) Kind zu Fuß zur Schule gehen, können Sie, zusammen mit anderen Eltern, das sogenannte Laufbusmodell einführen. Dabei gehen die Kinder gemeinsam zur Schule, auf dem Weg gibt es Sammelpunkte, an dem andere Kinder sich anschließen. Anfangs können ein oder zwei Erwachsene den Laufbus begleiten, später können die Kinder allein gehen. Durch die Gruppenbildung entsteht Sicherheit und die Risiken werden minimiert.

Elterntaxi – Muttersöhnchen

Neben allen anderen Aspekten kann das Elterntaxi auch zur Ausgrenzung von Kindern führen. Gehen alle anderen Kinder selbstständig zur Schule, verpasst Ihr Kind ein Stück Sozialisation und Eingliederung, wenn es isoliert im Auto in die Schule gelangt. Auf dem gemeinsamen Schulweg werden Freundschaften geschlossen und es finden Gespräche und Verabredungen statt. Bekommt Ihr Kind dies alles nicht mit, weil es im Auto zur Schule gebracht wird, kann es sogar zum Außenseiter werden. Hänseleien und Mobbing können die Folge sein.

Loslassen ist eine der wichtigsten Aufgaben in der Erziehung. Dazu gehört auch, das Kind eigene Wege gehen zu lassen. Sicherheit können Sie daraus beziehen, dass Sie Ihr Kind gut auf den Schulweg vorbereitet und ihm wichtige Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben haben.

 

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