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23 Januar, 2013 - 09:26
 

Hausaufgaben: Tauchen Eltern besser ab?

Hausaufgaben können die einfachste Sache der ganzen Welt sein. Oder aber sie werden zur Familientragödie. So wie jedes Kind anders ist, reagiert der Nachwuchs auch unterschiedlich auf die Anforderungen von Hausaufgaben. Waren vor 20 oder 30 Jahren die Eltern ganz selbstverständlich mit dabei, wenn es um die Hausaufgaben ging, gibt es heute ganz andere Ansätze. 

© photophonie - Fotolia.com

Beispiel Fin:

Wenn Fin nach Hause kommt, muss ihn seine Mutter erst einmal überreden, zuerst Mittag zu essen. Fin hat kaum Jacke und Schuhe ausgezogen, da will er sich schon an die Hausaufgaben machen. Klingt verrückt, klingt unglaubwürdig? Stimmt aber trotzdem. Die Sache wird schlüssiger, wenn man Fins Begründung für seinen Enthusiasmus hört. Fin lebt nach dem Motto „Je eher daran, desto schneller davon“. Mit anderen Worten: er will das notwendige Übel so schnell wie möglich beenden, um sich den schönen Dingen des Lebens zuwenden zu können. Solche Sorgen wünschen sich manch andere Eltern. Zum Beispiel die von Leon.

 

Beispiel Leon:

Bei Leon läuft es anders. Auch er schwingt sich schnell aus der Jacke und streift die Schuhe ab. Aber nur, um dann so schnell wie möglich in seinem Zimmer zu verschwinden. Selbst zum Mittagessen muss er überredet werden – ähnlich wie Fin, aber eben mit einem anderen Hintergrund -, denn er weiß, was danach kommt. Hausaufgaben. Das Schlimmste überhaupt. Eher hungert der Junge, als sich nach der Schule über Textaufgaben, Deutschaufsätze oder Englisch-Übungen zu hocken. Leons Mutter quält sich mit ihrem Sohn durch den Nachmittag. So lange, bis die Hausaufgaben erledigt sind. Erledigt sind auch die beiden danach, Leon und seine Mutter. 

 

Raushalten?

Schon seit längerer Zeit gibt es Stimmen, die dafür eintreten, die Kinder die Hausaufgaben allein machen zu lassen. Doch das ist leichter gesagt, als getan. Wenn der Nachwuchs sich nun einmal strikt weigert, kann der Weg wohl kaum der sein, ihn gewähren zu lassen. Andererseits stellt sich zunächst immer die Frage, woher die Unlust bei Kindern kommt. Natürlich, jedes Kind ist anders. Aber es drängt sich dennoch die Frage auf, wann es mit den Hausaufgaben funktioniert und wann nicht. Georgine Müller, Leiterin und Lehrerin am Münchner Schulamt, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen. Es beginnt, so Müller, bei der inneren Einstellung der Eltern, die sich unweigerlich auf das Kind überträgt. Wenn Eltern eine gewisse Gelassenheit ausstrahlen, überträgt die sich schnell auf die Kinder, sie gehen mit der Pflicht der Hausaufgaben entspannter um. Andere Eltern dagegen fangen schon in der ersten Klasse damit an, Druck aufzubauen und auf das Kind zu übertragen. Beispielsweise bemängeln sie, die Aufgaben seien nicht ordentlich genug gemacht worden. Das, so Müller, sollte aber besser der Lehrkraft überlassen werden. Klingt schlüssig, denn schließlich lässt sich an einer Hand abzählen, was es für ein Kind bedeutet, wenn es befürchtet, die Hausaufgaben nicht ordentlich erledigt zu haben. Es hat bereits Angst vor der Reaktion des Lehrers, bevor dieser überhaupt Kritik geäußert hat (und diese womöglich auch gar nicht äußern wird). Hinzu kommt, dass selbst nach der Erledigung der Hausaufgaben kein zufriedenes Gefühl beim Kind entstehen kann. Also besser raushalten aus dieser ganzen Hausaufgaben-Sache?

 

Der weiche Mittelweg 

Georgine Müller rät nicht dazu, sich vollständig zurückzuziehen. Die Pädagogin empfiehlt, bei Schwierigkeiten dem Kind hilfreich zur Seite zu stehen, sich dann aber auch schnell wieder zurückzunehmen. Außerdem findet Müller, dass Kinder ruhig Fehler bei den Aufgaben zu Hause machen dürfen. Es reicht aus, wenn die Lehrkraft die Fehler benennt und mit dem Kind zusammen verbessert. Der Anspruch, dass Hausaufgaben immer bis ins letzte Detail perfekt gemacht werden müssen, erhöht den Druck und wirkt sich negativ auf die Motivation aus. Wie viel Hilfe oder Nicht-Hilfe die richtige Dosis ist, sollte am besten mit der Lehrkraft besprochen werden. Eine Selbstverständlichkeit spricht Müller ebenfalls an. Radio oder gar Fernseher dürfen natürlich nicht laufen, während die Hausaufgaben erledigt werden. 

 

Der richtige Zeitpunkt

Die meisten Eltern möchten wissen, wann die Hausaufgaben am besten erledigt werden. Müller sagt, dass in jedem Fall zunächst zu Mittag gegessen werden sollte. Nicht nur wegen der Nahrungsaufnahme, sondern auch, weil Kinder in dieser Zeit vom Tag erzählen und so einen Teil dessen verarbeiten können. Ob danach sofort mit den Hausaufgaben begonnen oder noch etwas gewartet wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. In jedem Fall sollten die Aufgaben eine längere Zeitspanne von dem Schlafengehen erledigt werden, damit das Kind mit einem freien Kopf ins Bett geht. 

 

Und wenn die Lehrkräfte zu viel aufgeben?

„Das ist unmöglich zu schaffen, das ist viel zu viel!“

Diesen Vorwurf müssen sich Lehrer immer wieder gefallen lassen. Müller äußert sich dazu recht klar und sagt, dass für Erst- und Zweitklässler die Hausaufgaben in maximal einer halben Stunde abgehakt sein müssen. Dauern sie deutlich länger, weil zu viel aufgegeben wurde, empfinden Kinder dies als Strafe. Man muss kein Genie sein, um sich auszurechnen, wie demotivierend solch ein Grundgefühl wirkt. Wie man im Fall des Falles allerdings der Lehrkraft klar macht, dass sie weniger Hausaufgaben aufgeben soll, steht auf einem anderen Blatt – und ist einen vollständig neuen Artikel über dieses Thema wert. 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de