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19 Februar, 2016 - 09:55
 

Leistungsverweigerung bei Kindern und Jugendlichen – was tun?

Kein Bock auf Schule – wir müssen nur ein paar Jahre zurückdenken und werden uns ganz sicher daran erinnern, dass wir dieses Gefühl auch schon kannten. Doch die Rollen verändern sich. Wer heute Kinder hat, sieht das Ganze aus einer anderen Perspektive. Und bekommt Angst davor, was für Auswirkungen Leistungsverweigerung haben kann. Wann ist sie der Teil eines normalen Entwicklungsprozesses und wann wird sie wirklich gefährlich?

© Irina Fischer - Fotolia.com

Schulverweigerer, Leistungsverweigerer oder auch Minderleister, es handelt sich um Begriffe, um der Problematik einen Namen zu geben. Doch was steckt eigentlich dahinter und wie verhält man sich als Vater, wenn dem eigenen Nachwuchs unterstellt wird, er sei ein Verweigerer?


Die psychologische Sicht

Die Psychologie unterscheidet zwischen vorübergehender Schulunlust und Leistungsverweigerung. Diese Differenzierung ist auch für Väter mehr als sinnvoll, denn Unlust vergeht in aller Regel. Gespräche mit dem Kind lassen meist schnell erkennen, dass es die Bedeutung von Schule im Grunde kennt und bereit ist, sich selbst schnell wieder aus diesem kurzzeitigen Tief zu ziehen. Wichtig ist dieses Gespräch jedoch allemal. Zum einen, damit der Jugendliche auf seine Unlust und die Folgen aufmerksam wird. Zum anderen, um heraus zu bekommen, ob mehr dahintersteckt. Das ist der Fall, wenn die Schulmüdigkeit sich immer mehr als Gefühl des Kindes etabliert, wenn aus zeitweisem Fehlen regelmäßiges Schwänzen wird. Das Problem eskaliert, wenn sich ein regelrechter Lernstreik entwickelt und gipfelt im schlimmsten Fall darin, dass es zu keinem Schulabschluss mehr kommt. Handlungsbedarf besteht natürlich weit vorher.


Sie müssen zum Forscher werden, um die Gründe zu finden

Jede Handlung hat eine Ursache, das gilt für die Schulverweigerung ganz besonders. Das Gespräch mit dem Kind ist wichtig, es muss jedoch so aufgebaut sein, dass Sie den Gründen für das Verhalten näherkommen. Im Prinzip trifft es schon die Zusammensetzung von „Schule“ und „Verweigerung“. Was genau es auch sein mag, das Kind flüchtet vor etwas, dem es sich nicht aussetzen will. Das kann etwas Lästiges sein, aber auch etwas, das Angst macht oder am Selbstwertgefühl des jungen Menschen rüttelt. Genau hier liegt die Herausforderung für Eltern, die versuchen müssen, die Gründe für die Flucht zu erkennen. Es hilft allerdings, wenn Sie sich innerlich von dem Begriff der Schulverweigerung distanzieren. Er schafft nur zu leicht eine Bewertung, die für den weiteren Weg hinderlich ist. Erkennen Sie dagegen an, dass Ihr Kind vor etwas flieht, begeben Sie sich auf eine andere Ebene. Und werden voraussichtlich erfolgreicher sein.


Zahlreiche mögliche Ursachen für Leistungsverweigerung

Vielleicht war Ihr Kind noch nicht so weit, als es eingeschult wurde. Das ist immer wieder der Grund für Schulverweigerungen. Die betroffenen Kinder hatten von Beginn an Schwierigkeiten, dem Stoff in der erwarteten Zeit zu folgen und sind so immer weiter hinein geraten in die Spirale aus Angst und dem Versuch des Rückzugs. Es ist nur nachvollziehbar, dass Menschen Situationen aus dem Weg gehen wollen, die sie überfordern und ihnen Angst machen. Bei Kindern, die zu früh eingeschult wurden, baut sich diese Angst langsam, aber eben sehr stetig auf. Hinzu kommen Versagensängste, die sich über kurz oder lang in einer aggressiven Verweigerungshaltung manifestieren können. Doch es gibt noch zahlreiche weitere Ursachen, die zum Teil sehr viel leichter zu erklären sind. Eine davon ist der bevorstehende Schulwechsel. Wenn Ihr Kind vor diesem große Angst hat, kann sich das auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Damit umzugehen, ist gar nicht so schwer:

  • Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Kind über den geplanten Schulwechsel. Nehmen Sie der neuen Situation den Schrecken und versuchen Sie, Ihr Kind neugierig auf den neuen Schulbetrieb zu machen.
  • Wenn es geht, schließen Sie sich mit Eltern eines guten Freundes kurz. Der Schulwechsel ist schließlich etwas, das nicht nur Ihr Kind alleine betrifft. Es kann helfen, wenn der Nachwuchs weiß, dass er in der neuen Klasse nicht alleine ist.
  • Bremsen Sie übermäßige Erwartungshaltungen bei Ihrem Kind. Nicht selten machen Kinder sich selbst schon lange vor der neuen Schulsituation so viel Druck, dass sie später damit nicht umgehen können. Wenn Ihr Kind bisher kaum Probleme in der Schule hatte, muss sich das nicht ändern. Bestärken Sie also Ihr Kind darin, was es bisher alles geschafft hat.


Minderleistung durch Hochbegabung

Auch wenn Überforderung häufig der Grund für Schulverweigerung ist, es kann auch das genaue Gegenteil sein, zumindest was den schulischen Stoff angeht. Die Rede ist von Kindern mit einer Hochbegabung. Sie haben eine ganz besondere Problematik, der eine ebenso besondere Beachtung gewidmet werden muss. Hochbegabte Kinder kommen aus ganz unterschiedlichen Gründen in der Schule nicht zurecht und brauchen eine Förderung, die auf sie zugeschnitten ist. Davor steht jedoch eine umfassende Diagnose, denn mit der Hochbegabung ist es ein wenig wie mit der Diagnose ADS oder ADHS. Beides wird immer wieder fälschlich unterstellt, ohne wirkliche Gewissheit zu haben. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Eltern nach einer Erklärung für die Schwierigkeiten suchen und diese in der vermeintlichen Diagnose finden. Geholfen wird dadurch jedoch weder dem Kind noch den Eltern. Wenn Sie den Eindruck haben, Ihr Kind ist hochbegabt, lassen Sie es testen, dann haben Sie Gewissheit und können mit gezielter Förderung ansetzen. Dies ist in diesem Fall umso dringender, denn die Schulen sind kaum mit ausreichend Wissen und Instrumenten ausgestattet, um Hochbegabung angemessen fördern zu können.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de