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1 September, 2017 - 20:11
 

Schlüsselkinder

Der Begriff wurde in den 1960ern von einem deutschen Pädagogen geprägt und meint Kinder, die nach der Schule einige Stunden allein zuhause verbringen, weil die Eltern noch arbeiten. Wenn mit dieser Situation achtsam und liebevoll umgegangen wird, nehmen die Kinder keinen Schaden, sondern können die Vorzüge sogar genießen.

© Dragos Iliescu - Fotolia.com

Das Wort ist bei uns oft negativ besetzt und spricht von Vernachlässigung und Verantwortungslosigkeit, da die Kinder einen Teil der Zeit ohne Betreuung und Aufsicht verbringen. Erziehungswissenschaftler gehen davon aus, dass Schlüsselkinder schlechtere Schulnoten haben und das Risiko der Straffälligkeit steigt. Allerdings hat die PISA Studie 2000 ergeben, dass es keine aussagekräftigen Leistungsunterschiede zwischen Kindern, bei denen ein Elternteil zuhause ist und Schlüsselkindern gibt. Wichtig sind allerdings verschiedene Verhaltensweisen, Regeln und Vorkehrungen für die Zeit, die das Kind allein verbringt.


Ab wann kann ein Kind Schlüsselkind sein?

 Damit Kinder über mehrere Stunden alleine zuhause bleiben können, müssen sie verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten haben. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Kinder frühestens mit 8 Jahren über längere Zeit für sich selbst sorgen können. Denn dann können sie sich selbstständig und eigenverantwortlich etwas zu essen machen, sind in der Lage zu telefonieren, können die Uhr lesen, zuverlässig Regeln befolgen und sich ihre Zeit einteilen. Aber selbst dann sollten Kinder, die jünger als zehn sind, nur wenige Stunden in der Woche alleine sein. Wichtig ist, bei jedem Kind individuell zu sehen, wie viel Alleinsein es verkraften kann und die Nachmittage dementsprechend zu organisieren.


Regeln sind wichtig!

 Das gilt für Schlüsselkinder ganz besonders. Legen Sie – am besten gemeinsam mit dem Kind fest – was erlaubt ist und was nicht bzw. wann die Eltern um Erlaubnis gefragt werden müssen. Mögliche Fragen, die geklärt werden müssen, sind zum Beispiel folgende:

  • Dürfen Freunde mit nach Hause gebracht werden?
  • Darf sich das Kind mit anderen verabreden und sie besuchen oder gemeinsam etwas unternehmen?
  • Darf das Kind fernsehen und wenn ja, wie lange?
  • Kann der Herd oder die Mikrowelle benutzt werden oder gibt es nur kalte Küche?

Neben den individuell zu klärenden Fragen sollte unbedingt verabredet werden, dass das Kind immer Bescheid sagt, wenn es die Wohnung verlässt. Das erfordert, dass mindestens ein Elternteil ständig für das Kind erreichbar ist. Dies sollte ohnehin der Fall sein, damit das Kind Sie als Ansprechpartner hat, wenn ein Problem auftritt. Schließlich sollten Sie auch noch verabreden, wann das Kind seine Hausaufgaben macht: Gleich nach dem Essen oder erst nach einer ausgedehnten Pause. Kinder ab 8 Jahren können in der Regel die Uhr lesen, so dass hier feste Zeiten vereinbart werden können.


Vorbereitung aufs Alleinsein

 Zuhause allein zu sein, ist für ein Kind zunächst eine ungewohnte Situation, an die es sich erst gewöhnen muss. Bereiten Sie Ihr Kind darauf vor, indem Sie es in Ihrem Beisein die Aufgaben ausführen lassen, die es später alleine durchführen muss. Dazu gehört zum Beispiel das Aufschließen der Haustüre, die Bedienung des Telefons, das Aufwärmen des Mittagessens, aber auch nicht so gewöhnliche Tätigkeiten wie das Befüllen einer Wärmflasche, falls Ihr Kind in Ihrer Abwesenheit Bauchschmerzen bekommt. Wenn das Kind die wichtigsten Aufgaben mühelos beherrscht wird es sich sicher fühlen und weniger Angst vor dem Alleinsein haben.

Wichtig ist ebenso eine langsame Gewöhnung ans Alleinsein selbst. Gehen Sie erst nur für kurze Zeit außer Haus, zum Beispiel zum Einkaufen. Von dort können Sie das Kind anrufen oder sich anrufen lassen, um auch diese Situation vorab zu üben. Nach und nach können die Zeiträume auf mehrere Stunden ausgedehnt werden, bis sich das Kind wohl und sicher fühlt.


Was ist die beste Lösung?

 Wenn ein Kind die Anforderungen, die sich ihm als Schlüsselkind stellen, nicht bewältigen kann oder die Situation sehr kurzfristig auftritt, sollten Sie nach anderen Lösungswegen suchen. Vielleicht kann Ihr Kind die Nachmittage vorerst bei einem Freund verbringen, alternativ kommen Nachbarn, Verwandte oder Freunde in Frage. Oft gibt es in der Stadt oder an die Schule angeschlossen auch die Möglichkeit zur Hortbetreuung am Nachmittag. Dann ist ihr Kind vorerst gut untergebracht und Sie können es nach und nach und in seinem Tempo auf das Alleinsein vorbereiten.

Versuchen Sie immer auch, einen Ansprechpartner für das Kind zu finden, der im Notfall, zum Beispiel bei Krankheit, einem Unfall oder Problemen im Haus, schnell Hilfe leisten kann. Optimal ist hier ein Nachbar, der tagsüber zuhause ist.


Damit Ihr Kind als Schlüsselkind zurecht kommt und sich wohl fühlt, sollten Sie Vertrauen in seine Kompetenzen setzen und es so gut wie möglich unterstützen. Tägliche Anrufe zur gleichen Zeit, die nicht als Kontrollanrufe dargestellt sind, helfen dem Kind, sich nicht zu allein zu fühlen.



Zum Weiterlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselkind
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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