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26 September, 2014 - 13:30
 

Schule? Nein danke – Schulverweigerung und was Sie dagegen tun können

Kinder, die mehrmals die Schule ganztägig schwänzen, werden nach deutschem Recht als Schulverweigerer bezeichnet. Die Gründe, warum Kinder nicht in die Schule gehen wollen, sind vielschichtig. Vaterfreuden gibt Tipps, wie Sie Ihrem Kind helfen können.

© tlorna - Fotolia.com

Etwa 80 Prozent aller Kinder „überstehen“ die Schulzeit – mal mehr, mal weniger gut. Die restlichen 20 Prozent haben so große Probleme, sich im Schulalltag zurechtzufinden, dass sie sich entschließen, die Schule zu schwänzen. Dies betrifft meist sehr sensible, aber auch hochbegabte Kinder, sowie Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen.

 


Meist beginnt es ganz harmlos


Der Schüler schwänzt einzelne Stunden und umgeht lästige Klausuren oder die Rüge wegen fehlender Hausaufgaben dadurch, dass er erst gar nicht in den Unterricht geht. Nach und nach werden die Fehlzeiten immer häufiger, schließlich geht das Kind gar nicht mehr in die Schule. Dies kann teilweise sogar ohne das Wissen der Eltern ablaufen, wenn der Schüler so geschickt ist und die elterliche Unterschrift fälscht. Wenn sich die Schule schließlich an die Eltern wendet, ist der Schrecken meist groß. Noch größer wird er, wenn sich das Kind nun ganz offensiv weigert, in die Schule zu gehen und einen Lernstreik beginnt. Überwinden Sie den Schock, Ihre Wut oder Enttäuschung so schnell wie möglich und beginnen Sie, nach den Ursachen zu forschen. Denn ein Kind, das sich weigert, in die Schule zu gehen, hat definitiv ein Problem. Die Psychologie unterscheidet grundsätzlich drei verschiedene Ursachen für den Schulstreik.

 


Schulangst


Die Schulangst beginnt sich nach Meinung einiger Psychologen zu einer Art Epidemie auszuweiten. Immer mehr Schüler leiden unter Schlaflosigkeit; teilweise treten Krankheitssymptome wie Bauchschmerzen, Herz-Rhythmusstörungen, Kopfschmerzen oder Kreislaufattacken auf. Übermäßiger Leistungsdruck, Angst vor Mobbing oder Stress mit den Lehrern machen Druck auf die Kinderseelen. Häufig sind gerade die fleißigen und leistungsbereiten Kinder betroffen. Sie halten den hohen Erwartungen nicht stand und der Körper offenbart, was sie selbst nicht formulieren können.

 


Schulphobie


Eine gesteigerte Form der Schulangst ist die Schulphobie. Hier spielt weniger die Situation in der Schule eine Rolle als eine übermäßig ausgeprägte Trennungsangst. Familiäre Probleme oder traumatische Trennungen machen es dem Kind unmöglich, sich von seiner Bezugsperson zu trennen. Dies ist aber unumgänglich, wenn es in die Schule geht. Unter Schulphobie leiden häufig auch Kinder, die von den Eltern sehr behütet werden oder die sich große Sorgen um ihre Eltern machen, weil sie übermäßig viel Verantwortung für sie übernehmen. In einigen Fällen hat gar nicht das Kind, sondern ein Elternteil ein Problem mit der Trennung, das sich auf das Kind überträgt und zur Schulphobie führt.

 


Schulschwänzen


Im Unterschied zu Schulangst und –phobie ist das Schulschwänzen keine psychische Angststörung, sondern eine Mutprobe oder ein Resultat von sozialen Defiziten. Die Eltern sind meist lange Zeit ahnungslos. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der im Laufe seiner Schulzeit nicht einmal geschwänzt hat. Problematisch wird es jedoch, wenn sich dies häuft. Häufiges Schwänzen ist ein Vermeidungsverhalten: Wenn es in der Schule langweilig oder schwierig wird, geht man eben einfach nicht hin. Letztendlich zeigt ein Kind, das nicht zum Unterricht geht, dass es auf Regeln pfeift und nicht bereit ist, sich an die gesellschaftlichen Normen zu halten.

 


So helfen Sie Ihrem Kind


Je nach Ursache der Schulverweigerung müssen Sie Ihrem Kind entsprechende Hilfestellung leisten. Bei der Schulangst liegt die Ursache direkt im schulischen Umfeld begründet und muss dementsprechend auch dort behoben werden. Forschen Sie zusammen mit Ihrem Kind und den Lehrern, eventuell auch mit einem Psychologen nach den Gründen, die Ihrem Kind den Schulalltag verleiden. Was Sie allerdings keinesfalls tun sollten, ist die Schulangst Ihres Kindes zu unterstützen, indem Sie es zuhause bleiben lassen. Der Teufelskreis der Angst wird dadurch nur verstärkt. Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes und überdenken Sie gegebenenfalls einen Schulwechsel.


Hat Ihr Kind eine Schulphobie, dann muss die Ursache psychologisch abgeklärt werden. Im Anschluss sollte eine Therapie erfolgen, die die Eltern konsequent unterstützen. Besonders wichtig ist es hier zu erreichen, dass Ihr Kind die Schule regelmäßig besucht, auch wenn es sich unwohl fühlt oder über Schmerzen klagt. Eine Unterstützung des Vermeidungsverhaltens mindert die Störung nicht, sondern verstärkt sie im Gegenteil noch. Besonders wichtig ist es hier auch, die Lehrer zu informieren. Sie sollten entsprechende Instruktionen für den Umgang mit dem Kind erhalten, die die Therapie unterstützen.


Ist Ihr Kind ein Schulschwänzer, dann sind Sie selbst gefordert. Setzen Sie Ihrem Kind entsprechende Grenzen und unterstützen Sie es mit klaren Erwartungen, die aber nicht in Überforderung ausufern dürfen. Der Schulbesuch ist in Deutschland Pflicht, das muss Ihr Kind begreifen. Ein Kind, das seine Eltern als Autorität anerkennt, wird sich auch bestimmten gesellschaftlichen Konventionen, wie zum Beispiel dem regelmäßigen Schulbesuch, fügen.


Wenn Ihr Kind sich weigert, die Schule zu besuchen, sollten Sie auf Vorwürfe oder Strafen verzichten. Schulverweigerung hat immer einen Grund - und den gilt es herauszufinden. Nicht selten ist unser teilweise unflexibles Schulsystem und überaltertes oder unzureichend pädagogisch geschultes Lehrpersonal für die Schulunlust Ihres Kindes verantwortlich.

 


Zum Weiterlesen:


http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/show.php3?id=28&nodeid=
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de