Skip to main content

Suche

29 Mai, 2016 - 08:08
 

Sollten gute Schulnoten belohnt werden?

Wenn das Kind gute oder sogar sehr gute Leistungen in der Schule erbringt, ist das für Eltern ein Grund zur Freude und zum Stolz. Doch wie zeigt man das am besten? Sind besondere Belohnungen oder Geschenke für gute Noten der richtige Weg?

© Wanja Jacob - Fotolia.com

In diesem Punkt scheiden sich immer wieder die Geister. Während einige Eltern und Erziehungswissenschaftler der Meinung sind, dass Belohnungen dazu führen würden, dass die Kinder nicht mehr für sich selbst lernen, halten andere ein Belohnungssystem für eine hilfreiche und effektive Methode, die Motivation des Kindes zu fördern.


Belohnung als pädagogisches Mittel

Wer Geld oder andere Geschenke dazu benutzt, um sein Kind zu etwas zu bringen, muss sich diese Fragen stellen: Ist das pädagogisch sinnvoll und welche Wertvorstellungen verankere ich dabei in meinem Kind? Denn nur allzu leicht wird die „materielle Bereicherung“ zum Hauptziel und zur ausschließlichen Motivation für gute Noten, für Mithilfe im Haushalt usw. Andererseits ist gerade auch das Lernen die Arbeit des Kindes – und warum sollte diese, wenn sie gut erledigt wird, nicht belohnt werden. Wie in fast allen Fällen ist es auch hier wichtig, das richtige Maß zu finden. Zum einen soll die Leistung des Kindes gewürdigt werden, zum anderen soll es trotzdem erfahren, dass es für sich selbst und nicht für Geld oder andere Belohnungen und Privilegien lernt. Doch wie ist das zu schaffen?


Schule ist Arbeit

Eine Möglichkeit, die Motivation durch ein Belohnungssystem zu fördern ist, dass die Schule als Arbeit des Kindes betrachtet wird. Diese „Tätigkeit“ wird leistungsgerecht bezahlt. So kann eine Art Prämiensystem entwickelt werden, bei dem das Kind je nach erreichter Note einen bestimmten Geldbetrag erhält. Dabei ist zu beachten, dass es auch für weniger gute Zensuren Geld erhält. Die „verdiente“ Summe ergibt am Ende das monatliche Taschengeld. Dementsprechend sollten die Beträge angepasst sein.

Dieses System hat den Nachteil, dass es bei schlechten Zensuren kein oder nur sehr wenig Geld gibt, selbst dann nicht, wenn sich das Kind wirklich sehr angestrengt hat. Das Kind lernt dabei: Es ist nicht die Leistung, die zählt, sondern das Ergebnis. Das kann besonders für Kinder, die sich in der Schule schwer tun, frustrierend sein und am ohnehin schon angekratzten Selbstwertgefühl nagen. Ergebnis: Kinder, die nicht so kämpferisch sind, geben auf.


Lob und Strafe

Für Eltern, die eine Belohnung für gute Schulnoten generell ablehnen, sollte folgende Regel gelten: Ein Lob für große Anstrengungen und entsprechend gute Leistungen, keine Bestrafung und keine Vorwürfe für schlechte Noten. Denn auch wenn wir in einer materiell geprägten Welt leben: Kinder sind vom Stolz, vom Wohlwollen und von der Zuwendung der Eltern abhängig und ein Lob der Eltern zählt mitunter mehr als ein in die Hand gedrücktes Geldstück. Allerdings dürfen schlechte Noten nicht zu einer Abwendung der Eltern oder gar zu einer verachtenden Haltung führen. Dies kann Kinder in die Verzweiflung stürzen und setzt sie sehr unter Druck, weil es sich so anfühlt, als würden sie nur geliebt werden, wenn sie entsprechende Leistungen erbringen.


Der Mittelweg

Wie geht es nun richtig? Sinnvoll ist es, wenn außergewöhnliche Leistungen belohnt werden - nicht die obligatorische eins im Deutschaufsatz, die Ihr Kind ohne große Anstrengungen erreicht, dafür aber die drei in Mathe, für die Ihr Kind, das in diesem Fach sonst immer vieren und fünfen nach Hause bringt, ewig gebüffelt hat. Honorieren Sie die Anstrengung und nicht die Note. Das ist einfach gerechter, als gute Noten unkritisch zu belohnen. Vor allem für Eltern mit mehreren Kindern, die unterschiedlich lernstark sind, hat sich dieses System bewährt – auch wenn es den Kindern oft nicht so leicht zu vermitteln ist. Wenn Sie kein Geld schenken wollen, dann denken Sie sich anderer Belohnungen aus. Vielleicht wird Ihr Sohn für die drei in Mathe für eine Woche von einer häuslichen Aufgabe befreit oder ihre Tochter, die endlich die zwei in Englisch schreibt, auf die sie so lange hingearbeitet hat, darf sich einen Ausflug ihrer Wahl mit der ganzen Familie wünschen.


Welche Belohnungen sind angemessen?

Viele Eltern, die Ihr Kind für gute Schulnoten belohnen wollen, wählen Geld als Geschenk. In diesem Fall wird normalerweise nur das Ergebnis, nicht aber die investierte Leistung berücksichtigt. Familienfreundlicher und weniger materiell orientiert sind nicht geldwerte Belohnungen wie die schon angesprochene Befreiung von der Hausarbeit oder die freie Wahl des Ziels für den nächsten Ausflug. Achten Sie immer darauf, dass die Belohnung auch angemessen ist und nicht ein Gewöhnungseffekt eintritt, bei dem das Kind irgendwann bei jeder noch so kleinen Leistung eine Belohnung einfordert. Hier helfen auch klare Regeln, die am Anfang eines Schuljahres festgelegt werden und die sich am Leistungsniveau des Kindes anpassen. Am besten Sie schreiben die Regeln gemeinsam mit dem Kind auf: Für eine drei in Mathe muss es eine Woche den Müll nicht herunterbringen, eine eins in Deutsch (seinem schwächsten Fach) gibt fünf Euro, bei einem Zeugnisdurchschnitt von unter 2,0 darf sich das Kind einen Familienausflug wünschen usw. Dem Einfallsreichtum ist hier keine Grenze gesetzt.

„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!“. Dieses Zitat von Seneca mag wohl richtig sein, allerdings wird uns die Bedeutung meist erst bewusst, wenn wir erwachsen sind. Für Kinder ist Schule harte und oft lästige Arbeit und unser Schulsystem ist oft nur unzureichend geeignet, um den Kindern Freude am Lernen zu vermitteln. Belohnungen für gute Leistungen – wenn sie im richtigen Rahmen vergeben werden – können die Motivation unserer Kinder steigern.

 


Zum Weiterlesen:


http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article8287516/Geld-fuer-gute-Schulnoten-Ja-aber-mit-System.html


http://alfafox.info/gute-noten-taschengeld-statt-nachhilfe.htm



 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
randomness