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30 August, 2017 - 20:38
 

Du sollst mein Vorbild sein und nicht mein Freund

Wenn Kinder in die Pubertät kommen, streben sie nach einer Abgrenzung von den Eltern. Sie wollen ihre eigenen Ideen verwirklichen, eigene Wege gehen – und trotzdem sollen Eltern noch eine Vorbildfunktion wahrnehmen. Als Freunde wollen Teenager ihre Eltern lieber nicht. Das erscheint peinlich und unangemessen.

© Patrizia Tilly - Fotolia.com

Sie wollen Ihre Tochter oder Ihren Sohn bei Ihrem ersten Diskobesuch begleiten? Das wird wahrscheinlich auf wenig Freude stoßen. Denn auch wenn sich Teenager nachwievor an ihren Eltern orientieren, möchten und müssen sie eigene Erfahrungen machen und sich als von den Eltern abgetrennte Persönlichkeiten erleben.


Hallo Kumpel!

Es gibt Eltern, die sind mächtig stolz darauf, der beste Freund ihres Kindes zu sein. Sie begegnen ihrem Kind auf Augenhöhe, unternehmen gemeinsam mit ihnen alles Mögliche: Vom Diskobesuch bis zum Klamottenkauf ist alles drin. Was Eltern in Wirklichkeit tun, ist allerdings dramatisch: Sie geben ihre Erziehungsaufgabe auf, verweigern sich ihrem Kind als Vorbild, moralische Instanz und Respektsperson. Doch das brauchen gerade Teenager, die sich auf neue Wege begeben, um ihre eigene Identität zu entwickeln. Auch wenn sie es oft nicht zugeben: Junge Menschen brauchen den Rat und die Unterstützung ihrer Eltern. Dies geschieht oft gar nicht so sehr in Gesprächen, sondern durch Nachahmung. Die Jugendlichen gucken sich Verhaltensweisen ab, ohne dass es ihnen selbst bewusst ist. Entziehen Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, sich an Ihnen zu orientieren und setzen Sie als „Kumpel“ keine Grenzen, kann es auf der Suche danach irgendwann den Halt verlieren. Denn Jugendliche, die nicht durch elterliche Regeln eingeschränkt werden, werden im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos. Der Weg zu unangemessenem sozialen Verhalten, Drogenkonsum oder Kriminalität ist bereitet – denn Kinder und Jugendliche tun fast alles, um Grenzen zu erreichen, sie sind für sie überlebenswichtig.


Eltern können ganz schön peinlich sein

Es gibt kaum Schlimmeres für einen Jugendlichen als Eltern, die versuchen, zu Teenagern zu mutieren, um sich mit ihren Kindern gleich zu stellen. Vermeiden Sie alles, was Sie lächerlich wirken lässt: Zerrissene Jeans, gefärbte Haare, die aktuellen Modewörter der Jugend oder ein neues Piercing sind zwar unter Jugendlichen in, bei Eltern wird das aber weniger gern gesehen und als "echt daneben" empfunden. Wenn Sie für Ihr Kind zur Peinlichkeit werden, passiert etwas Schwerwiegendes: Ihr Kind verliert den Respekt vor Ihnen und beginnt, Sie zu verachten – und das hat Folgen. Sie verlieren den Einfluss auf Ihr Kind, es nimmt Sie nicht mehr ernst und Sie verlieren die Vorbildfunktion. Ihr Kind sucht sich neue Vorbilder - Schauspieler, Sportler, wagemutige ältere Freunde und die sind nicht in jedem Fall gut für die Charakterbildung Ihres Kindes.


Eltern als Reibungsfläche und moralische Instanz

Eltern sind die Sparringspartner ihrer Kinder, das erste Übungsfeld, an dem sie sich ausprobieren. Dazu gehört auch, dagegen zu sein. Dieses Verhalten beginnt bereits in der frühen Kindheit und hat erstmalig in der Trotzphase seinen Höhepunkt. Was passiert, wenn ich anderer Meinung bin als meine Eltern? Werde ich weiter geliebt? Die Aufgabe als Reibungsfläche und Gegenpart behalten die Eltern immer. Selbst längst erwachsene Kinder nutzen die Eltern, um sich zu reiben und dadurch eigene Wünsche und Vorstellungen besser herauszufiltern. Denn oft merkt man erst dann, was man will, wenn man mit jemandem spricht, der komplett anders denkt. Gleichzeitig sind Eltern aber auch wichtiger Anhaltspunkt für ihr Kind: Was ist gut, was ist schlecht, was darf ich, was ist verboten? Diese moralischen Regeln lernen Kinder bereits früh, die Eltern prägen Moral und damit auch Gewissen des Kindes. Auch wenn die Basis dazu bereits in früher Kindheit gegründet wird, brauchen gerade Teenager die Eltern, um ihre eigenen Handlungen zu überprüfen.


Wie verhalten Eltern sich richtig?

Mittlerweile gilt der sogenannte autoritative Erziehungsstil als die optimale Mischung der Warmherzigkeit und Verständnis mit Konsequenz und festen Regeln kombiniert. Ein großer Punkt ist auch die Gewährung von Selbstständigkeit, angepasst an das Alter. Kinder können entscheiden, was sie anziehen wollen, Teenager erhalten ein monatliches Budget, um sich Kleidung nach dem eigenen Geschmack kaufen zu können. Dies zeigt Respekt vor den Kindern und bestärkt sie in ihrem Selbstbewusstsein. Das Beharren auf klaren Strukturen und der Einhaltung von Absprachen und Regeln bietet gerade Teenagern einen festen Rahmen, in dem sie sich sicher bewegen können. Die emotionale Wärme, die Teil dieses Erziehungsstils ist, gibt den Jugendlichen gleichzeitig die Möglichkeit, sich an den Eltern zu reiben und mit ihnen auf Konfrontation zu gehen – und das ohne Angst davor, zurückgestoßen oder abgewiesen zu werden. Wird dieser Erziehungsstil von Anfang an angewandt, kommt es in der Regel selten zu schweren und unlösbaren Konflikten zwischen Eltern und Kind. Vielmehr vermitteln die Eltern, dass sie Anteil am Kind nehmen, ohne sich auf seine Ebene zu begeben.



Zum Weiterlesen:

www.lady-business.at/article/1454

www.ngz-online.de/rhein-kreis_neuss/nachrichten/Eltern-brauchen-Mut-zur-Unvollkommenheit_aid_204389.html
 

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Redaktion1 Vaterfreuden.de
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