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5 November, 2016 - 12:11
 

Schwul oder lesbisch? - Wenn das eigene Kind sich für das gleiche Geschlecht interessiert

Wenn sich für Eltern herausstellt, dass ihr Sohn oder ihre Tochter homosexuell sind, bricht oft eine Welt zusammen. Immer noch gilt die sexuelle Orientierung hin zum eigenen Geschlecht als Makel und teilweise sogar als Krankheit. Eine Herausforderung ist es allemal.

© 1dbrf10 - Fotolia.com

Eltern, die eine homosexuelle Orientierung ihres Kindes feststellen, steht eine wichtige Aufgabe bevor: Sie sind dafür zuständig, ihrem Kind in diese neue und gesellschaftlich nicht jederzeit anerkannte Art zu leben und zu lieben hineinzuhelfen und ihm Wege zum Umgang damit aufzuzeigen. Leicht ist das nicht, da in vielen Fällen erst einmal eigene Vorurteile abgebaut werden müssen.


Die Pubertät – Zeit der sexuellen Orientierung

Ob sich ein Kind zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, prägt sich bereits weit vor der Pubertät. Sichtbar wird die Zuneigung zum eigenen Geschlecht allerdings genau dann, wenn Sex anfängt eine große Rolle zu spielen. Sind die Ängste und Unsicherheiten bereits bei heterosexuell orientierten Jugendlichen riesig, so können sie im homosexuellen Bereich zum Riesenproblem werden. Es tauchen jede Menge Fragen beim Jugendlichen, aber auch bei den Eltern auf. Über allem steht der Umgang mit Sexualität überhaupt und im Fall der Homosexualität zusätzlich mit dem Anderssein. Gerade in der Pubertät werden Prägungen und Richtungen manifestiert, viele Teenager wollen allerdings gerade jetzt nicht „auffallen“ und haben deshalb ganz besondere Probleme.


Homosexualität erkennen – Geht das?

Vor allem in der Pubertät ist es nahezu unmöglich zu erkennen, ob das eigene Kind tatsächlich homosexuell ist. Die Zeit der ersten sexuellen Erfahrungen ist in der Regel sehr frei und umfassend, Experimente mit dem gleichen Geschlecht sind jetzt nicht ungewöhnlich. So machen bis zu 40 % aller Jungs zwischen 13 und 17 Jahren gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen – schwul sind sie deshalb noch längst nicht. Bei Mädchen liegt der Anteil an gleichgeschlechtlichen Erfahrungen vermutlich noch deutlich höher. Diese Spiele – und das sind sie in vielen Fällen – bleiben meist im Verborgenen aus Angst, sofort einen homosexuellen Stempel aufgedrückt zu bekommen. Wenn sich das Kind dann irgendwann als schwul oder lesbisch outet, ist die Überraschung und der Schock für die Eltern oft groß.


Die Ängste der Eltern

Vielfältige Befürchtungen entstehen, wenn sich ein Kind als homosexuell outet. Die Zukunft des Kindes erscheint oft düster und ist von zahlreichen Klischees in den Köpfen verschleiert. Benachteiligungen in Schule und Arbeitswelt, Ausgrenzungen, Krankheiten und andere Schauergespenster treten hervor. Auch der Traum, irgendwann einmal das Enkelkind auf dem Schoß zu halten, scheint komplett zerschlagen. Eltern haben mit der Homosexualität oftmals größere Probleme als das Kind selbst. Sie sehen ihre Lebensentwürfe für den Nachwuchs dahingehen. Die Jugendlichen werden dagegen nach einer Zeit der Verunsicherung und Orientierung ihren Platz im Leben mit ihrer sexuellen Präferenz finden und können glückliche Beziehungen führen. Die Homosexualität ist nur eine der Ängste, die Eltern haben, wenn Kinder erwachsen werden. „Anders sein“ jeder Art ist in unserer Gesellschaft ein Problem und manifestiert sich in der sexuellen Orientierung eben besonders drastisch und bedrohlich.


Mein Kind ist homosexuell – Und was nun?

Stellt sich heraus, dass Ihr Kind gleichgeschlechtlich liebt und so leben will, dann ist eine offene und liebevolle Reaktion wichtig. Gerade jetzt brauchen die Jugendlichen Halt und Unterstützung aus dem Elternhaus. Seien Sie präsent und zugewandt und stellen Sie eigene Bedenken und Vorurteile hintenan. Es geht nicht um Sie, sondern um das Lebensglück Ihres Kindes. Einfluss auf seine sexuelle Orientierung können Sie ohnehin nicht nehmen. Studien haben längst ergeben, dass Homosexualität dem beruflichen und privaten Glück nicht im Wege steht. Sie können jetzt einfach dazu beitragen, es Ihrem Kind leichter zu machen, seinen Platz im Leben zu finden. Wie gut Ihr Teenager zurechtkommt, hängt von Ihren wie auch den Reaktionen des Umfelds ab. Stehen Sie zu Ihrem Kind, wird ihm dies umso leichter fallen.
In jeder größeren Stadt gibt es für den Fall, dass Kinder ihre homosexuelle Orientierung entdecken, Beratungsstellen und auch Selbsthilfegruppen. Haben Sie das Gefühl, nicht zurechtzukommen, scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Eltern, denen es ebenso geht, können oft hilfreiche Tipps geben und auch für die Jugendlichen ist das Gefühl „Da sind noch andere wie ich!“ wohltuend und beruhigend.
 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de