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21 Februar, 2017 - 11:34
 

„Hilfe unser Kleinkind pubertiert“ – meine Erfahrungen mit der Trotzphase

Ihr Kind protestiert im Supermarkt, indem es sich auf den Boden legt und schreit? Gratulation, ihr Liebling ist in der Trotzphase angekommen. Ein Vater erzählt von seinen Erfahrungen mit seiner scheinbar frühpubertierenden Tochter Lilly.

© maram - Fotolia.com

Die Symptome schienen eindeutig zu sein: plötzliche Stimmungsschwankungen, das Austesten von Grenzen, keinerlei Geduld, genaue Vorstellungen, wie etwas zu sein hat und wenig Toleranz, sowie lautstarker Protest als Reaktion auf Verbote. Eigentlich ganz typisch für ein pubertierendes Kind. Allerdings dachten wir, bis dahin noch etwas Zeit zu haben. Denn unsere Tochter Lilly ist gerade erst 17 Monate alt.


Alles fing ganz harmlos an. Lilly wollte auf dem Heimweg von der Kinderkrippe nicht mehr in ihren Kinderwagen. Sie protestierte, als ich sie hineinlegen wollte, drückte den Rücken durch, versteifte sich, wurde laut. Ärgerlich, aber noch kein echtes Problem. Ich trug sie auf der Schulter nach Hause. Auch wenn es anstrengend war, freute ich mich insgeheim über ihr Bedürfnis nach meiner Nähe. Aber dann zeigte sich zunehmend, dass in unserer Kleinen etwas vorging. Sie hörte immer weniger auf unsere Anweisungen und Verbote und fing an, auszutesten, wie wir wohl reagieren würden. So ging sie beispielweise immer wieder mit schelmischem Grinsen und Blick zu Papa zur (gesicherten) Steckdose. Als ich sie dann mit einem klaren „nein“ dort wegzog ging das Geschrei los…


Ist ein Dämon in unser Kind gefahren? Nein, die Trotzphase beginnt

Meine Frau – die seit kurzem wieder arbeitet - war völlig geschockt und hilflos, als sich Lilly das erste Mal im Supermarkt auf den Rücken legte und zu schreien anfing. Was war geschehen? Hatte ein Dämon von ihrem kleinen Liebling Besitz ergriffen? So etwas hatte ihre Tochter doch noch nie getan. Ich sagte ihr, das käme schon mal vor, dauere aber nicht lange. Tatsächlich ließ sich Lilly schnell wieder auf den Arm nehmen und trösten. Meine Frau schüttelte weiter nur ungläubig den Kopf. In diesem Fall blieb ich recht gelassen und stellte fest: „Unsere Tochter kommt eben in die Trotzphase“.
Inzwischen haben wir deutlich mehr Geschrei zu Hause als zuvor – bestimmt 20 bis 30 mal über den Tag verteilt wird Lilly laut. Wenn wir ihr etwas verbieten, etwas nicht schnell genug geht (die Zubereitung des Essens etwa), wenn ihr etwas nicht gelingt, natürlich wenn sie sich wehtut oder wenn sie etwas in dem Moment nicht tun möchte – in den Kinderwagen gehen, gewickelt werden, ein Oberteil anziehen oder Ähnliches.


Zum Glück dauern die Phasen des Schreiens nicht besonders lange. So dick der Kopf unserer Tochter auch ist, so sehr liebt sie doch ihre Eltern. Auch wenn sie sich sträubt, uns von sich wegdrückt oder manchmal auch versucht, zu beißen, so will sie doch bald wieder auf den Arm genommen und getröstet werden.


Ohne Einsicht beim Kind sind Verhandlungen kaum möglich

Wir finden es besonders schwierig, dass einem Kind in ihrem Alter noch jegliche Einsicht fehlt und „Verhandlungen“ daher nahezu unmöglich sind. Gutes Zureden hilft nicht. Also muss man als Eltern entweder das Kind ablenken, das, was man tun möchte, verschieben, nach Alternativen suchen, etwas nicht tun oder das, was zu tun ist, durchziehen und das Geschrei erdulden – was kein Spaß ist. Vor ein paar Tagen weigerte sich unsere Kleine nach der Krippe standhaft, ihre Schuhe anzuziehen. Es war an dem Tag kalt und daher waren die Schuhe selbst im Kinderwagen wichtig, damit Lilly keine kalten Füße bekommen würde. Ich versuchte es fast eine Viertelstunde – ohne Erfolg. Waren die Schuhe halb am Fuß wurden sie von Lilly abgestreift. Keine Chance. Natürlich sagte ich ihr, dass wir ohne Schuhe auch nicht zum Spielplatz gehen könnten – aber das hat sie nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. So blieb mir nichts anderes übrig, als auf die Schuhe zu verzichten und schnellen Schrittes nach Hause zu gehen – vorbei an den bohrenden Blicken verschiedener Mütter, die mich für einen Rabenvater hielten, der seinem Kind bei dieser Kälte nicht einmal Schuhe anzieht. Am Abend desselben Tages kaufte ich dann online einen neuen Fußsack für den Kinderwagen – um für das nächste Mal gerüstet zu sein.


Uns hat es vor allem geschockt, wie früh unsere Tochter damit anfing, zu trotzen (sie ist eben frühreif und hochbegabt ;-) und mit welcher Macht diese ersten Anfälle auftreten. Wir haben viele hilfreiche Tipps zum Thema „Trotzphase“ gelesen, aber einfach wird es dadurch auch nicht. Wir haben gelernt, unser Kind immer wieder anzunehmen und ihm Trost zu spenden. Auch wenn Lilly schnell frustriert ist und häufig schreit, sind wir uns sicher, dass sie ein sehr glückliches Kind ist.


Unsere Befürchtung: es wird wohl eher schlimmer werden als besser

Unsere Befürchtung ist jedoch, dass dies nur der Anfang ist und die ganze Sache noch ein gutes Stück heftiger werden wird, bevor irgendwann Besserung eintritt. Aber wir werden als Eltern sicher auch lernen, souveräner mit den Trotzattacken umzugehen. Wir hoffen, dass unser Kind schnell etwas mehr Einsicht bekommt, so dass wir uns hin und wieder auch mit „Bestechung“ helfen können – „jetzt die Schuhe anziehen und dann auf den Spielplatz“ wäre so eine Sache.


In jedem Fall hoffen wir jedoch, dass wir auch diese Phase der Entwicklung gut überstehen und es danach etwas besser wird. Zumindest bis zur Pubertät. Die wird schon früh genug kommen …
 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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