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27 Januar, 2016 - 09:31
 

Abgesang auf einen guten Freund – wenn ein Begleiter durch die Kindheit seinen Geist aufgibt

Es gibt Gegenstände, die Eltern durch Abschnitte der Kindheit begleiten und ihnen ans Herz wachsen – dadurch, dass sie zuverlässig ihren Dienst erfüllen. Einer dieser Begleiter durch die Kindheit hat bei Autor Andreas Clevert gerade sein Leben ausgehaucht. Zeit, Abschied zu nehmen…

© phadventure - Fotolia.com

Wir nehmen Abschied. Lange hast Du uns treu begleitet. Noch bevor wir NSA buchstabieren konnten, hast Du uns treulich Gespräche zwischen anderen Babys und seinen Eltern übermittelt. Zu Anfang waren wir irritiert. Aber im Grund genommen waren wir froh, in der Nacht nicht mehr alleine wach zu sein. Die anderen Eltern in unserer Nachbarschaft traf es ebenso. Wie tröstlich. Verstärktes Babygeschrei und Getuschel von Eltern – und wir waren es nicht.


Warst du einmal nicht da wurde uns deine Abwesenheit schnell bewusst

Zuhause hieltest Du stets treulich Wacht. Ohne kurzes Einnicken. Schweigend. Aber immer zur Stelle. Freundlich blinzeltest Du uns grün an. Blau waren Deine Lichtstreifen, wenn es lauter wurde. Und rot, wenn Dein Saft zur Neige ging. Auch unterwegs zeigtest Du Dich meist energiegeladen. Durch viele Wände und Mauern hindurch machtest Du das Hotelleben unserer Familie sicherer. In der Fremde wie in der Heimat. Hatten wir Dich einmal auf einer Reise vergessen, Du bescheidener Diener, wurde uns Deine Abwesenheit schmerzlich bewusst. Und wir konnten uns mit der Abenddämmerung nicht mehr aus dem Hotelschlafzimmer entfernen.

Oft fürchteten wir um Dich, wenn Du mal wieder mit einem Bauklotz verwechselt wurdest und Dich durch die Luft schleudern lassen musstet. Doch auch dann blinktest Du uns immer wieder freundlich-grün an.


Nun bist du plötzlich von uns gegangen

Und nun bist Du so von uns gegangen, wie Du die vielen Jahren bei uns warst. Ohne Erklärung. Ohne Abschied. Ohne Schleudertrauma.

Wir steckten Deinen Stecker ein wie jeden Abend und kein Licht leuchtete mehr. Wir schüttelten Dich ein wenig, aber Du bliebst stumm. Kein letztes Aufflackern.

Ein erfülltes Leben ist zu Ende gegangen. Wir danken Dir, Du liebes Babyphone.

 

zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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