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8 Juli, 2015 - 00:16
 

Auf den Boden zurückgeholt – warum man als Elternteil seine Erwartungen nicht zu hoch hängen sollte

Viele Eltern, die mit Freude Beet oder Balkon beackern, möchten ihre Freude an der Gärtnerei auf ihre Kinder übertragen. Auch, wenn die Kids mit Spaß bei der Sache sind, muss man doch damit rechnen, dass sie die Begeisterung ihrer Eltern auf Dauer nicht teilen, wie Andreas Clevert erfahren musste.

© Photocreatief.de - Fotolia.com

Ich weiß nicht, von wem der Spruch stammt ‘Platz gibt es in der kleinsten Hütte’, und ich google das jetzt auch nicht. Aber: Ich bin mir sicher, die Autorenschaft geht an einen Kinderlosen. Dennoch nehme ich mir den optimistischen Grundton dieser Aussage immer wieder zu Herzen und freue mich beispielsweise, wenn von unserer sorgsam gehüteten Erdbeerpflanze auf dem Balkon die ersten reifen Früchte geerntet werden können. Jaa, in Gedanken ist das natürlich ein grosser Nutzpflanzengarten, der vor meinem inneren Auge unentwegt Obst und Gemüse hervorbringt. Fleissige Kinderhände zupfen freudig Unkraut tagaus tagein. Unentwegt gießt der hoch motivierte Nachwuchs und richtet Pflänzlein nach einem Unwetter liebevoll wieder auf. Strahlende Kinderaugen und erdverschmierte Hände sehe ich da in meiner Fantasie. Kinder, die nicht wissen, wie DVD buchstabiert wird, und immer noch der irrigen Ansicht sind, ein Smartphone sei ein Erwachsenengerät und ausschließlich zum Telefonieren. Delirium.


Der Lohn der Mühen und der großen Erwartungen

Zurück also zu unserer Balkonpflanze. Die Kinder haben geholfen, den Ableger einzupflanzen. Sie haben nach dem rauhen Winter, das erste Grün bestaunt. Der Jubel über die ersten kleinen weissen Blüten war gross. Und das Erstaunen über die heranwachsenden grünen Knubbel ebenso. Die ersten richtigen Sommertage verwandelten dann die grünen Dinger in appetitliche, rot schimmernde Erdbeeren. Nun war also der Tag gekommen, endlich mal zu kosten. Die nie verbalisierte Erklärung, wie mühevoll und langwierig es doch ist, bis die Natur mit frommer Nachhilfe des Menschen hier alles Essbare hervorbringt. Wie lecker doch Dinge, frisch gepflückt schmecken würden. Ich glaube, das alles schwang in meiner Erwartungshaltung mit, als ich den Kindern beim ersten Naschen zusah. Tja, und dann erfolgte die Ernüchterung: „Paps, echt lecker“, der Kommentar nach dem ersten Biss. Aber dann: „Du, kann ich auch noch eine Tüte Gummibärchen haben?“ Sic transit gloria mundi, sag ich da allen Bildungsbürgertumseltern und denjenigen, die sich dafür halten. Für alle anderen einschließlich meiner Wenigkeit: Selten mal so schnell wieder auf den Boden der nackten Tatsachen zurückgeholt worden.

 


zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de