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29 April, 2016 - 08:45
 

Beim zweiten Kind ist man(n) entspannter

Vielen Vätern wird etwas unwohl, wenn in ihrer Partnerin der Gedanke an ein ein zweites Kind reift und Sie darauf angesprochen werden. Schließlich hat man(n) jetzt das "Gröbste" überstanden, das Kind isst am gemeinsamen Familientisch mit, schläft nachts durch und im Leben der Familie ist wieder ein fester Rhythmus vorhanden - beim Gedanken an ein neues Baby sieht so mancher Vater diese Harmonie gefährdet.

© MAK - Fotolia.com

Manchmal ist es aber auch der Mann, der beim Betrachten von Babyfotos feststellt, wie schnell doch diese Babyzeit vergangen ist. Das Betrachten eines Babys entfaltet auch auf Männer seine ganz eigene Wirkung - völlig hilfs- und schutzbedürftig, und doch lernen und entwickeln sie sich mit einer schier unglaublichen Geschwindigkeit.

Die ersten Monate zu dritt vergisst man als Vater niemals. In Erinnerung bleiben dabei leider nicht nur die schönen Momente unbeschreiblichen Glücks: Etwa wenn man sein Kind das erste Mal an sich nimmt oder das erste Lächeln, mit dem man nach der Arbeit begrüßt wird.

Auch unschöne Erinnerungen kommen dann wieder hoch, wenn Sie Ihre Partnerin auf ein weiteres Kind anspricht oder Ihnen gar mitteilt, dass sie schwanger ist. Mit dem Gedanken an ein Baby sind unweigerlich Erinnerungen an neben dem Kinderbettchen durchwachte Nächte oder die Zeit nach der Entbindung, als Sie das Gemüt Ihrer Partnerin nicht wiedererkannt haben und Sex monatelang ein Fremdwort mit drei Buchstaben war, assoziiert.

Beim zweiten Kind ist man(n) entspannter - das hört man oft aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis. Aber was ist wirklich dran an diesem Ausspruch?


Umgang und tägliche Handgriffe

Erinnern Sie sich noch an Ihre Unsicherheit, als Sie Ihr erstgeborenes Kind das erste Mal entgegengenommen haben? Drücke ich es nicht zu fest? Wie muss ich den Kopf halten? Diese Fragen geisterten durch Ihren Kopf - vielleicht haben Sie sie ausgesprochen, vielleicht haben Sie Ihre Fragen für sich behalten.

Diese Unsicherheiten, die Sie gespürt haben, sind beim zweiten Kind vollkommen verflogen. Das merken nicht nur Sie, sondern auch Ihr Neugeborenes. Alleine schon Ihre Sicherheit im Umgang mit Ihrem zweiten Kind wird das Wesen Ihres Kindes prägen, genauso wie Ihre erste Unsicherheiten Ihr erstes Kind geprägt haben. Das ist völlig normal, und alle Eltern machen dieselbe Erfahrung - auffallen wird Ihnen das allerdings erst beim zweiten Kind.

Sämtliche Handgriffe gehen Ihnen sehr viel routinierter von der Hand. Aufnehmen, wickeln, Tee zubereiten und das Fläschchen geben - das alles ist Ihnen bekannt und geht nahezu wie von selbst, ohne zu überlegen. Auch das nächtliche Aufstehen - wenn Sie Ihre Partnerin dabei unterstützen können - fällt sehr viel leichter als beim ersten Kind.

Entsprechend ruhiger und gelassener werden Sie und Ihre Partnerin bleiben. Ihr Leben wird sich durch ein zweites Kind niemals in dem Umfang ändern, wie es beim ersten Kind der Fall war. Und trotzdem ist es wieder ein Neuanfang - allerdings auf einem von Ihnen und Ihrer Partnerin weitgehend selbst bestimmten Niveau. Sie haben das Wissen und die Erfahrung, Ihr Leben sehr viel schneller in die geregelten Bahnen zurückzubringen, als es das beim ersten Kind war.

Vom ersten Tag an, an dem Sie zu viert zuhause sind, gilt: Beim zweiten Kind ist man(n) entspannter!


Temperament und Wesen

Geschwisterkinder unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern können sich auch im Temperament und im Wesen extrem unterscheiden. Ist Ihr "grosses" Kind aufgedreht, neugierig und vorlaut, kann ihr zweites Kind durchaus sensibel, zurückgezogen und eher schüchtern sein - das muss natürlich nicht in jedem Fall so sein, aber die Unterschiede zwischen den beiden werden ihnen schon in den ersten Tagen auffallen.

Die Einschätzung von Temperament und Wesen der beiden Geschwisterkinder wird Ihnen bei beiden erst durch das zweite Kind richtig möglich. Erst dann haben Sie eine echte Vergleichsmöglichkeit durch Ihr zweites Kind, das ebenfalls 24 Stunden rund um die Uhr mit Ihnen zusammen ist - für die meisten Väter zumindest am Wochenende.

Mit Ihrem zweiten Kind werden Sie lernen, auf die unterschiedlichen Charaktere und Temperamente Ihrer beiden Kinder richtig einzugehen. Wie auch in allen anderen Bereichen des Lebens gilt auch hier: Man wächst mit seinen Aufgaben.


Geschwister

Anfangs werden Sie vermutlich mit der Eifersucht Ihres ersten Kindes konfrontiert werden. Je nach Alter, Geschlecht, Entwicklungsphase und dem Charakter Ihres ersten Kindes wird diese Eifersucht mehr oder weniger ausgeprägt sein.

Widmen Sie Ihrem ersten Kind deshalb gerade nach der Niederkunft und in den ersten Wochen viel Zeit. Mit einem Neugeborenen im Haus ist das natürlich leichter gesagt, als getan.

Hier sind Sie als Vater gefragt. Unternehmen Sie mit Ihrem "großen" Kind Ausflüge, ruhig ganz alleine, nur Papa und Sohn oder Tochter. Nehmen Sie sich Zeit, vielleicht können Sie auch beruflich ein klein wenig kürzer treten und abends eine halbe Stunde eher zuhause sein.

Jede Minute, die Sie Ihrem "großen" Kind ganz alleine widmen können, wird mit einer großen Dankbarkeit und der Gewissheit, nach wie vor geliebt zu werden, angenommen.

Geben Sie aber auch Ihrer Partnerin Zeit, mit ihrem "grossen" Kind alleine zu sein. Da Sie viel routinierter im Umgang mit Babys sind, als Sie es beim ersten Kind waren, können Sie Ihrer Partnerin einen entsprechenden Freiraum schaffen.

Wenn Ihr erstgeborenes Kind wieder die Gewissheit hat, von beiden Elternteilen uneingeschränkt (nicht ungeteilt) geliebt zu werden, wird es wieder ganz so wie vorher sein - mit einer neuen Aufgabe: Große Schwester oder großer Bruder zu sein.


Zwei Kinder - doppelter Aufwand?

Ist Ihr Erstgeborenes noch Wickelkind, ist der Mehraufwand mit einem Baby sofort erkennbar. Nicht nur der Zeitaufwand für das Wickeln verdoppelt sich, eigentlich bräuchte man auch vier Augen statt zwei. Gerade Babys benötigen nicht nur beim Wickeln oder Füttern volle Aufmerksamkeit.

Wenn Ihr Erstgeborenes noch recht klein ist, kann es durchaus zu brenzligen Situationen kommen, etwa wenn das größere, aber auf den Beinen noch unsichere Kind versucht, die Treppe hochzugehen oder zu krabbeln. Hier müssen Sie als Vater unbedingt alle denkbaren Gefahrenstellen so weitgehend wie möglich abzusichern. Das gilt um so mehr bei zwei Kindern, schließlich kann einer alleine zuhause unmöglich alle beiden Kinder immer gleichzeitig im Auge haben.

Doppelten Aufwand haben Eltern zweiter Kinder insbesondere im Winter, wenn beide Kinder noch von den Eltern angezogen werden müssen. Bis zwei Kinder in ihren Schneeanzügen und Schuhen stecken, vergeht locker mehr als die doppelte Zeit: Schließlich können Sie sich nur einem Kind ungeteilt widmen, während das andere womöglich irgendeinen Schabernack treibt, nach dem Anziehen plötzlich zur Toilette muss oder in der Zwischenzeit seine Handschuhe wieder ausgezogen hat.

Je größer beide Kinder aber werden, um so mehr relativiert sich der Mehraufwand. Ob Sie für drei oder vier Personen kochen - das macht kaum einen Unterschied. Sobald sich die beiden selbst anziehen können, ist auch das kein Thema mehr.

Doppelte Wäsche, doppelte Hausaufgabenbetreuung und nahezu doppelte Kosten bleiben natürlich - schließlich gibt es dann zwei Geburtstage, zweimal Weihnachtsgeschenke und auch jede Kleinigkeit, die Sie Ihren Kindern kaufen, brauchen Sie recht bald doppelt.

Dafür werden Sie sehen, wie das kleinere der beiden Kindern vom größeren lernt, sich Eigenheiten und Angewohnheiten kopiert. Aber auch, wie es sich von ihm unterscheidet. Und was gibt es schöneres, als seine beiden Kinder beim gemeinsamen Spielen zuzusehen?


Insgesamt gilt also: Beim zweiten Kind ist man(n) viel entspannter - und doch beginnt wieder ein neuer und spannender Lebensabschnitt mit neuen Aufgaben!

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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