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28 Mai, 2017 - 21:37
 

Das erste Jahr mit zwei Kindern – ein Lernprozess

Wenn das zweite Baby auf den Weg ist, denken die meisten Eltern, sie sind auf das, was sie nach der Geburt erwartet, gut vorbereitet. Damit liegen sie in den meisten Fällen falsch. Auch, wenn man bereits weiß, wie man mit einem Baby umgehen muss, ist der Stress in der Regel weit größer als nach dem ersten Kind. Der Grund dafür liegt in der Schwierigkeit, nun zwei Kindern und ihren Bedürfnissen gerecht werden zu müssen.

© Monkey Business - Fotolia.com

Wie schon beim ersten Kind kann man sich auch auf die Geburt des zweiten Babys gut vorbereiten – und wird dann doch von den Veränderungen überrollt. Man denkt, man wisse ja, was einen erwartet, aber das ist eben nur die Theorie. Wie sich das Leben mit zwei Kindern anfühlt, kann man im Vorfeld kaum richtig einschätzen.


Keine ruhige Minute

Eine der wichtigsten Veränderungen im neuen Leben mit zwei Kindern: zwei Kinder lasten zwei Eltern voll aus. Es gibt kaum mehr die Möglichkeit, dass sich die Eltern abwechseln, um dem anderen eine kurze Auszeit zu gönnen. Und das zehrt auf Dauer sehr an der Kraft und den Nerven.


Anfangs ist häufig das ältere Kind das anstrengendere

Jedes Elternteil weiß, was mit einem Neugeborenen auf einen zukommt. Gerade am Anfang ist jedoch oft das ältere Geschwisterchen das Kind, das am meisten Aufmerksamkeit fordert. Es war es bisher nicht gewohnt, seine Position im Zentrum der Familie zu teilen oder gar an zweiter Stelle zu stehen. Daher fordert es in vielen Momenten ausgerechnet von dem Elternteil, das gerade mit dem Baby beschäftigt ist – häufig der Mutter – Aufmerksamkeit und ist beleidigt, wenn es die nicht bekommt. Das ältere Kind muss lernen, dass es nun nicht mehr alleine der Mittelpunkt des Familienlebens ist. Hier müssen die jungen Eltern darauf achten, dem großen Geschwisterchen genügend Aufmerksamkeit zu geben, damit sich bei ihm aus dem ersten Frust nicht eine handfeste Eifersucht auf das Baby entwickelt.


Schlafmangel wie beim ersten Baby

Als ob dieses Hin- und Hergerissen-sein zwischen den beiden Kindern für die Eltern nicht schon Stress genug ist findet das Ganze unter erheblichem Schlafmangel statt – und zwar in der Regel noch massiver als beim ersten Kind. Denn nun kommt noch ein aufgekratztes Kleinkind dazu, das nachts selbst häufig durch das Baby geweckt wird und aufgrund dessen übermüdet ist.


Man kann es nicht allen recht machen

So sehr man sich bemüht – mit zwei Kindern kann man es nicht immer allen recht machen. Nicht immer kann man die Wünsche oder Forderungen des  großen Kindes und des Babys gleichzeitig befriedigen. Aus diesem Grund sind Tränen unvermeidlich – bei den Kindern und nicht selten auch bei den Eltern, die diese Situation selbst frustriert.


Kind Nummer zwei stellt eine echte Belastung für die Partnerschaft dar

Es gibt Studien, die herausgefunden haben, dass das zweite Kind und der Stress, den diese neue Situation mit sich bringt, einer der häufigsten Trennungsgründe für Paare ist. Wer schon einmal in dieser Situation war versteht zumindest warum das so ist: zwei Kinder, die Aufmerksamkeit suchen, die Lautstärke, der Schlafmangel, die Wohnung, die noch einmal kleiner geworden ist, kaum eine ruhige Minute und erst recht keine für Zeit mit dem Partner oder der Partnerin. Waren mit nur einem Baby noch recht entspannte Ausflüge zum Ausgleich möglich – das Baby schlief ja häufig – wird man nun vom großen Kind in Beschlag genommen. Wir können daher jedem Paar, das sich durch das zweite Kind extrem gestresst fühlt, raten, sich Unterstützung zu suchen – durch die Großeltern, Bekannte oder Babysitter. Diese können zumindest das große Kind hin und wieder übernehmen.


Die Liebe zu Kind Nummer zwei kommt – oder ist von Anfang an da

Trotz des fast durchgängig hohen Stresslevels gibt es auch sehr viele schöne Situationen für junge Zwei-Kind-Eltern. Da ist zunächst einmal das Baby, das einem durch seine bloße Anwesenheit viel Freude macht. Viele Eltern – speziell Väter – fragen sich vor der Geburt, ob sie Kind Nummer zwei ebenso sehr lieben können wie sein großes Geschwisterchen. Für fast alle beantwortet sich diese Frage sehr schnell. Oft schon, wenn sie das Neugeborene das erste Mal im Arm halten – mit einem eindeutigen „JA“!

Es ist auch nicht sicher, dass Kind Nummer eins das „Lieblingskind“ bleibt. In jedem Fall sollten Eltern genau darauf achten, dass sie beiden Kindern - wenn irgend möglich - die Aufmerksamkeit schenken, die diese brauchen.


Neue Rollen für alle – aber das muss kein Problem sein

Mit einem neuen Mitglied muss sich die Familie erst einmal wieder neu ordnen, das ist ganz selbstverständlich. Aber mit etwas Glück fügt sich das Baby leicht in das Familienleben ein und beobachtet aufmerksam, was um es herum passiert. Besonders fasziniert sind Baby in der Regel vom großen Bruder oder der großen Schwester. Mit etwas Glück – und genügend Aufmerksamkeit seitens der Eltern – wird die Liebe von dem oder der „Großen“ in vollem Maße erwidert. Die Liebesbekundungen der Kinder untereinander lassen den jungen Eltern dann regelmäßig das Herz aufgehen.


Bei Kind Nummer zwei sind Eltern entspannter

Wenn nicht die zusätzlichen Herausforderungen mit dem „großen Kind“ hinzukämen wäre das zweite Kind für viele Eltern ein Kinderspiel. Man kennt die Abläufe mit dem Baby ja und lässt sich so leicht nicht mehr aus der Ruhe bringen, da man viele Krisen schon zuvor einmal durchlebt hat. Das Kleine hat Fieber? Nun ja, das kommt vor … warten wir mal, wie es sich entwickelt, anstatt sofort zum Arzt zu rennen.


Alles eine Phase – auch der zusätzliche Stress mit dem zweiten Kind

Wie immer mit Kindern ist – zum Glück – alles nur eine Phase. Im größten Stress sollte man sich das vor Augen halten: es wird irgendwann besser – oder zumindest anders. Irgendwann wird die Zeit kommen, wo die beiden Kinder miteinander spielen können und die Eltern dann auch mehr Freiräume haben.

Die Zeit dahin ist aber in der Regel hart – und das selbst dann, wenn Kind Nummer zwei selbst unproblematisch ist. Wir wünschen allen jungen Zwei-Kinder-Eltern die Kraft, die sie brauchen.


Zum Schluss noch ein paar kurze Tipps für "frische" Zwei-Kind-Eltern:

  • Einer der Punkte, der mit Kind Nummer zwei schwieriger wird, ist ganz eindeutig die Logistik – wie komme ich mit zwei Kindern zu Punkt Y? Zwei Kinderwägen zu schieben geht kaum und ein dritter Arm wächst einem auch nicht, so gut man ihn auch brauchen könnte. Hier hilft in vielen Fällen eine Trage für das Baby.
  • Mit zwei Kindern wird die Wohnung in der Regel noch ein gutes Stück schmutziger als bisher werden – und man selbst auch. Besser, man bereitet sich geistig schon einmal darauf vor …
  • Lassen Sie sich helfen – von Verwandten, Freunden, Nachbarn oder Bekannten aus dem Elternnetzwerk. Gerade bei zwei Kindern kommen häufig Situationen, in denen man hin und wieder jemanden braucht, der einfach kurz mal nach dem älteren Kind schaut. Vielleicht bringen ja auch die ersten Play-Dates des großen Kindes Entlastung.
  • Versuchen Sie, auch in stressigen Situationen cool zu bleiben und unterstützen Sie sich mit Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner gegenseitig. Man mag es kaum glauben, aber dies ist nun noch wichtiger als nach dem ersten Baby.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de