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5 Juni, 2014 - 10:13
 

Der Berliner Papaladen: Hilfe für Väter, denen es schwer fällt, Hilfe anzunehmen

Die Idee des Berliner Papaladens ist ziemlich simpel und gleichermaßen gelungen: Väter sollen Unterstützung beim Umgang mit Kindern bekommen. Nun hat sich sogar der Berliner Senat der Sache angenommen und das Projekt auf Herz und Nieren untersucht. Doch die Väter sind und bleiben skeptisch.

© Mumpitz - Fotolia.com

Als die zwei Handwerker den Papaladen in Berlin Prenzlauer Berg betreten, wirken sie distanziert, blicken sich vorsichtig um. Man könnte fast meinen, sie seien inkognito unterwegs und wollten um jeden Preis unerkannt bleiben.
Kein Wunder, ihr Auftrag ist an Brisanz kaum zu übertreffen. Ihre Frauen haben sie in den Laden geschickt. Aber nicht, ohne ihnen zuvor eine Reise namens „Vater-Kind-Wochenende“ aufs Auge gedrückt zu haben. Die Handwerker nehmen die Sache ernst, so ernst, dass sie nachfragen wollen.
„Was soll denn das für eine Veranstaltung sein? Sollen wir da über unsere Gefühle und so reden?“
Der Geschäftsführer des Berliner Papaladens, Marc Schulte, kann die beiden Männer beruhigen. Und so verschwinden sie kurze Zeit später wieder, ausgestattet mit dem Gefühl, dass diese Reise so schlimm wohl nicht werden würde. Doch es geht auch um andere Themen, die zuweilen deutlich ernster sind.

Nichts für Weicheier!

Das wohl größte Problem des Berliner Papaladens ist das Image, das er bei Vätern oft hat, ohne dass die ihn je betreten hätten. Einerseits brauchen gerade Männer in Trennung häufig Hilfe bei Fragen um die Erziehung, aber auch in Sachen Sorgerecht oder eben Freizeitaktivitäten. Andererseits geben die wenigsten diesen Beratungsbedarf gern zu. Keinesfalls wollen Väter einen Laden betreten, der etwas für „Weicheier“ ist, wo Gefühlsduselei betrieben wird oder man gar über seine Probleme sprechen muss. Schulte kennt das und geht entsprechend gelassen damit um. Außerdem weiß er, wo er Väter „packen“ kann.

Beratung statt Hilfe

Der Papaladen, der zum Väterzentrum in Berlin gehört, hat nicht den Anspruch, als Anlaufstation für Väter in Krisensituationen zu dienen. Rund 14 Prozent der Männer, die im Laden auftauchen, kommen sowieso nicht aus freien Stücken, sondern werden von ihren Frauen geschickt. Doch gerade die Tatsache, dass der Papaladen sich nicht als Therapieeinrichtung oder ähnliches versteht, führt bei vielen Vätern zum Sich-Öffnen. Über Probleme, Ratlosigkeit oder einfach Fragen zur Freizeitgestaltung lässt sich leichter sprechen, wenn man dazu nicht genötigt wird. Und Hilfe wird am ehesten angenommen, wenn man sich nicht als hilflos fühlen oder defensiv nach Hilfe schreien muss. Männer sind in vielen Fällen mit Handwerkerbüchern wie „Selbst ist der Mann“ oder „Jetzt helf' ich mir selbst“ sozialisiert worden, waren womöglich die Ernährer ihrer Familie und haben eigentlich (offiziell) nie Hilfe gebraucht. Das Wort Beratung wird daher viel lieber gehört als Hilfe. Marc Schulte kann das egal sein, solange das Ergebnis für alle Beteiligten ein Gewinn ist.

Mit der Carrera-Bahn ins Innerste der Männer

Will man dafür sorgen, dass ein Mann sich öffnet, appelliert man am besten an das Kind in ihm. Klingt das wie eine arge Vereinfachung? Mag sein, aber ab einem gewissen Punkt lassen sich Männer auch dann in den Berliner Papaladen bewegen, wenn sie ihn vorher noch als „zu esoterisch“ bezeichnet haben. Zum Beispiel mit einer  27 Meter langen Carrera-Bahn. Unter dem Namen „Der Große Preis vom Prenzlauer Berg“ geht es um nichts anderes als Autorennen und jede Menge Spaß. Und im Zuge dieses Wettstreits gibt es einen Abend, der nur für die Männer reserviert ist. Sonst ist der Papaladen von derlei elitären Ansätzen weit entfernt, aber wenn es um den „Großen Preis“ geht, wird eine Ausnahme gemacht.
Über Krisen wird da natürlich nicht gesprochen. Aber der eine oder andere Vater erinnert sich später daran, dass es jemanden gibt, den er fragen kann, wenn es ihm mal richtig dreckig geht.    

Die beiden Handwerker waren übrigens nach der Reise mit ihren Kindern nochmal im Papaladen und berichteten, wie es gewesen ist. Sie waren hellauf begeistert und hatten in rasantem Tempo die Herzen der Kinder erobert. Skeptisch waren sie nicht mehr. Sie konnten sich nicht einmal mal erklären, woher die Skepsis überhaupt kam.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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