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14 Juli, 2016 - 10:07
 

Die Pflege des Intimbereichs der eigenen Tochter – für viele Väter eine heikle Sache

Es geht vielen Vätern so – wenn es um das Waschen des Intimbereichs der Tochter geht, werden sie unsicher. Sie wissen, es ist wichtig, dass die Scheide des Mädchens gewaschen wird – und trotzdem werden sie mehr als vorsichtig. Unser Autor geht diesem für viele Väter heiklen Thema nach und plädiert für einen selbstverständlichen Umgang mit den Geschlechtsteilen der eigenen Kinder.

© BlueOrange Studio - Fotolia.com

Als junger Vater zweier Töchter musste ich einige Hemmungen überwinden. Dinge wie Windelwechseln, die Behandlung offener Wunden oder die Beseitigung von Erbrochenem haben mich anfangs Überwindung gekostet. Inzwischen versetzen sie mich zwar immer noch nicht in Begeisterung, aber ich kann sie problemlos übernehmen. Nur wenn es um die Genitalbereiche meiner Töchter geht, darum ihre Scheiden zu säubern, einzucremen oder sonstwie zu behandeln, überlasse ich meiner Frau nach wie vor nur allzu gern den Vortritt. Dabei fühle ich mich irgendwie immer noch unwohl und unsicher. Doch woher kommen diese Hemmungen und stehe ich damit alleine da?


Keine Hilfe im Internet

Eine erste Online-Recherche gibt zu diesen Fragen keine wirklichen Antworten. Wer die Suchbegriffe „Scheide, Vater und Tochter“ eingibt, der findet im Internet seitenweise Unappetitlichkeiten und landet schnell bei Diskussionen, die sich latent oder direkt um Kindesmissbrauch drehen. Eine seriöse und aufgeklärte Informations- und Austauschmöglichkeit für verunsicherte Väter habe ich nicht gefunden.


Hilfe zur Selbsthilfe

Dabei ist eine regelmäßige und gründliche Reinigung und Pflege des Genitalbereichs besonders wichtig, um Infektionen von Scheide und Harnblase durch Darmerkrankungen vorzubeugen. So gilt es die Hemmungen in Bezug auf die Genitalbereiche meiner Töchter überwinden.
Dabei ist es vor allem wichtig, sich vor Augen zu führen, woher diese Hemmungen kommen:

  • Für alle Männer ist und bleibt die Scheide tendenziell etwas Fremdes. Wie unsere Kinder haben wir Hände, Beine, Nasen und so weiter. Wir haben mit diesen Körperteilen eigene Erfahrungen gesammelt und wissen, wie wir sie anfassen wollen, wie wir sie normalerweise Pflegen und welche Beschwerden mit ihnen verbunden sein können. Beim weiblichen Genitalbereich fehlt uns die eigene Erfahrung, wir bleiben auf Beobachtungen und Schilderungen beschränkt.
  • Die meisten Männer lernen die weibliche Scheide als etwas kennen, das für Frauen sehr intim ist. Gesehen haben sie sie wahrscheinlich bei ihrer Mutter, Schwester und natürlich ihren Sexpartnerinnen. Direkten Kontakt hatten sie nur mit der Scheide ihrer Sexpartnerinnen. Daher verbinden Männer die weibliche Scheide mit Intimität und Sexualität.
  • Wie der Hinweis auf die Ergebnisse der Internetrecherche gezeigt hat, wird der väterliche Umgang mit den Scheiden ihrer Töchtern schnell mit dem Vorwurf des Pädophilen oder Inzestuösen konfrontiert. 

Doch diese Erklärungsversuche beruhen mehrheitlich auf sozialen Konventionen, die man im Laufe seiner Erziehung und Sozialisation übernimmt. Für Kleinkinder hat diese soziale Bedeutungsebene jedoch keine Relevanz. Ein Kind, das gerade erst den eigenen Körper erkundet und dabei zufällig seine Genitalien streichelt, tut dies, um sich wohlzufühlen genauso wie bei jedem anderen Körperteil auch. Die Geschlechtsteile oder bestimmte Handlungen haben für Kleinkinder noch keine besondere Bedeutung.


Schamgrenzen bei Kindern

Laut Entwicklungspsychologen beginnen Kinder ab 3 Jahren körperliche Schamgefühle zu entwickeln. Schon viel früher können Kinder zwischen vertrauten und nicht vertrauten Personen unterscheiden und sich unterschiedlich abgrenzen. Mama und Papa dürfen eben Sachen, die andere nicht dürfen. Diese Grenzziehungen können sich jedoch mit der Zeit verändern. Viele Mädchen haben es beispielsweise irgendwann nicht mehr gerne, wenn ihre Eltern ihnen die Scheide waschen (Jungen geht es in Bezug auf ihren Penis ebenso). Unter Umständen trauen sie sich nicht, dies deutlich auszudrücken, weil sie fürchten, die Eltern könnten sich dadurch zurückgewiesen fühlen. Daher ist es wichtig, auch kleine Andeutungen und ablehnende Gesten des Kindes zu beachten und zu respektieren. 


Um eventuelle Hemmungen zu überwinden, sollten Väter sich bewusst machen, dass ein Kleinkind seinem Intimbereich noch keinen besonderen Stellenwert zumisst. Wird das Kind älter, ist es dann wichtig, ihm den eigenen Intimbereich zuzugestehen und auf seine individuelle Schamgrenze zu achten. Man muss auf das Kind und seine Fähigkeit vertrauen, Bedürfnisse und Ablehnung zeigen zu können. So könnte der Weg für einen möglichst natürlichen und unbefangenen Umgang mit den Geschlechtsteilen der Kinder sein. Denn keinesfalls sollte dem Kind suggeriert werden, dass da „Unten alles pfui“ sei.
 

 

Zum Autor:

Benjamin Dostal lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern (fünf und eineinhalb) in Stuttgart. Er ist 37 Jahre alt und seit mehreren Jahren als freier Autor, Kultur- und Eventmanager tätig.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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