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22 Oktober, 2017 - 22:50
 

Eltern haben den totalen Durchblick – dachte man das nicht als Kind?

Als kleines Kind denkt man, die eigenen Kinder können alles und wissen alles. Kindern gibt das Sicherheit. Als Elternteil merkt man jedoch schnell, dass man den vielfältigen Anforderungen, die an Eltern gestellt werden, nie zu 100 Prozent gerecht werden kann. Man versucht, die Rolle so gut auszufüllen, wie man irgend kann.

© Halfpoint - Fotolia.com

Als ich klein war, hatte ich blindes Vertrauen in meine Eltern. Sie würden schon ganz genau wissen, was sie tun. Waren sie doch riesengroß, bärenstark, konnten Essen auf den Tisch zaubern, mich trösten, meine Schmerzen lindern, Dinge kaufen und uns mit Hilfe eines magischen Gefährts namens Auto in Windeseile an unbekannte Orte befördern. Natürlich wussten meine Eltern Bescheid, hatten den absoluten Durchblick - und das in allen Dingen. Wie könnte es auch anders sein?

Mit zunehmendem Alter wurde mir klar, dass meine Eltern natürlich nicht alles wissen. Als Teenager kam ich sogar zu dem Schluss, dass sie in fast allen wichtigen Punkten ziemlich falsch lagen. Diese Meinung hat sich im Laufe der Zeit etwas relativiert, aber einige echte Fehler in den Erziehungsmethoden und Argumentationen meiner Eltern habe ich noch immer vor Augen.


Den Anforderungen an Eltern ist man oft nicht gewachsen

Nun bin ich Vater und spüre selbst das Vertrauen meiner Kinder, dass ich alles weiß und alles richten kann. Einerseits ist dieses Zutrauen extrem schmeichelhaft. Andererseits sehe ich auch, wie häufig ich mich durch die zahlreichen Entscheidungen, die man als Elternteil täglich treffen muss – in Bezug auf Erziehung oder dem Verhalten der Kinder, bei Krankheiten, Finanzen oder Zukunftsplanungen – überfordert fühle. Die Anforderungen an einen selbst sind einfach extrem hoch und dazu so vielfältig, dass ich dem oft nicht gewachsen bin. Schließlich muss ich nun nicht mehr nur Verantwortung für mich selbst übernehmen – schwer genug, aber ich bin dann wenigstens selbst schuld, wenn etwas schief geht – sondern auch für einen kleinen Menschen und seine Zukunft.

Fast täglich wird mir vor Augen geführt, dass ich weit davon entfernt bin, alles zu wissen oder perfekt zu sein. Also bemühe ich mich, lese mich in Problemfelder ein, bilde mich fort, wäge ab und versuche, den bestmöglichen Job in meiner Rolle als Elternteil zu machen – unter Stress und bei regelmäßigem Schlafentzug. Selbstverständlich werde ich Fehler machen. Ich würde meinen Kindern auch nie sagen, dass ich alles weiß. Ja, ich würde sogar zugeben, wenn ich etwas nicht weiß und ihnen zeigen, wie ich versuche, eine Lösung zu finden.


Irgendwann werden meine Kinder kritisieren, wie sie erzogen wurden

Wenn sie größer sind, werden meine Kinder mich sicher kritisieren – für meine Erziehungsmethoden oder für Entscheidungen, die ich getroffen habe. Dazu haben sie jedes Recht. Ich möchte ihnen aber dann sagen können, dass ich alles nach bestem Wissen und Gewissen getan und entschieden habe. Das bin ich ihnen schuldig und mir auch.

Wenn mir meine Kinder meine Fehler irgendwann vorwerfen, dann werde ich ihnen ruhig zuhören, einiges bedauern, zu einigem stehen, mich vielleicht für ein paar Dinge entschuldigen. Am Ende werde ich aber sicher darauf verweisen, dass Eltern schließlich auch nur Menschen sind. Das ist etwas, was viel zu häufig vergessen wird.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de