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27 November, 2016 - 00:13
 

Hallo neues Leben - Wie mein Kind mich verändert

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ändert sich alles, zuerst die Eltern. Sie müssen sich umstellen, das wissen sie vorher. Aber vor allem beim ersten Kind sind viele Eltern trotzdem anfangs überfordert und müssen sich an viele Dinge erst gewöhnen. Als junger Vater reift man mit der Zeit vom einstigen Lebenspartner zum Familienoberhaupt, mit viel Verantwortung, der man sich bewusst werden muss. Das Kind hat Papi fest im Griff, Papi muss sein altes Leben loslassen.

© Hannes Eichinger - Fotolia.com

Vor einem Jahr war ich noch Praktikant, verdiente 300€ im Monat, ging regelmäßig mit Kumpels Fußball gucken, Pokern oder vertrieb mir die Zeit mit Computerspielen. Meine Freundin hatte ihrerseits ihre Hobbys und Freundinnen aus der Ausbildung. Sie trat allerdings bald in einen neuen Lebensabschnitt, denn wir wurden schwanger und am Tag des Schwangerschaftstests änderte sich ihr Leben von heute auf morgen.
Ich dagegen hatte noch eine gewisse Frist und konnte mich langsam aber sicher von meinem alten Leben verabschieden.

Es ist immer so ein latenter Konflikt zwischen Müttern und Vätern, wenn es ums Baby-Pinkeln geht, das ist die kleine Baby-Party für die Papis. Da kommen die alten Kumpels und wollen sich mit dem frischgebackenen Vater noch mal so richtig einen über die Lampe gießen und die Geburt des Nachwuchses feiern.
Unter den Müttern ist dieses Baby-Pinkeln nicht sonderlich beliebt, denn sie sehen es als ungerecht an, dass die Väter sich getrost betrinken, während die Mütter „den ganzen Stress haben“.

 

Schluss mit lustig?

Und ja, für die Mütter ist die Umstellung durch ein Kind weitreichend. Kein Alkohol, kein Kaffee, nur ausgewählte Ernährung, kein Stress, keine langen Partynächte, keine Menschenmengen, das alles bedeutet für die Trägerin des Kindes der Moment des positiven Schwangerschaftstests – kompromisslos und ab sofort.
Für die Väter hat derselbe Moment erst einmal keinen unmittelbaren Einfluss auf seine Lebensgewohnheiten. Es dauert noch Wochen, bis die Frau ersichtlich schwanger ist, erst in Monaten wird das Kind zur Welt kommen. Erst dann wird sich auch für ihn so einiges ändern – bis dahin ist noch Zeit.

Vielleicht ist es nicht gut für die Männer, dass sie so viel Zeit haben, sich auf ihre neue Rolle so lange vorbereiten zu können. Natürlich ist es schwer für sie, sich von ihrem bisherigen Leben zu verabschieden. Sie sehen die Askese der Frau und haben Angst, dass sie da mitziehen müssen, weil die Frau das womöglich erwartet.
Monatelang haben die Männer Zeit, sich auszumalen, was auf sie zukommt. Vielleicht wird es ein Mädchen, die sollen am Anfang leichter sein. Sie hören von den Dreimonats-Koliken, das soll ganz furchtbar sein.
Da entwickelt sich eventuell auch eine gewisse Angst, die monatelang reift. Vor der Rolle als verantwortliches Familienoberhaupt, als Alleinverdiener, als Beschützer, Ernährer.

Vielleicht zu viel Ungewissheit. Wichtig ist es, nicht die ganzen Monate in steigender Aufregung zu verbringen und am Ende noch voller Panik den Geburtstermin zu fürchten. Auch wenn die Frau die eigentlichen Probleme hat, sie wird Verständnis für Ihre Probleme haben. So ein Gespräch kann dem zukünftigen Vater die Angst nehmen, Fakten schaffen und die Frau erklärt, was sie wirklich vom Vater erwarten wird. Vielleicht kann man dann auch gleich klären, ob eine Baby-Pinkel-Party erlaubt ist.

 

Mit Kind ist es noch lustiger!

Nach neun Monaten ist es soweit: Abschied vom alten Leben, hallo neues Leben! Die Geburt ist ein unvergleichliches Ereignis. Sie werden unglaublichen Respekt vor Ihrer Frau fühlen und Ihr Baby sofort so fest in Ihr Herz schließen, dass Sie ganz automatisch an Ihren neuen Aufgaben wachsen werden.
Sie geben mehr Gas im Beruf, weil Sie jetzt für eine Familie verantwortlich sind. Sie denken schon an Weihnachtsgeschenke, entwerfen eine Finanzplanung für die nächsten Monate.
Weniger Gas geben Sie im Auto, nicht nur aus ökonomischen und ökologischen Gründen, sondern, weil Sie jetzt mit „Baby an Bord“ fahren und sich eine gesittete Fahrweise angewöhnen.

Mehr Sensibilität herrscht auch anderen Menschen gegenüber: Für das Baby öffnet man sein Herz und wird auch im Umgang mit anderen Menschen feinfühliger. Man verzeiht mehr, man ist relaxter, man erträgt mehr. Man wird einfach geduldiger und souveräner in Stresssituationen.
Schließlich verhält man sich als Vater vorbildlich und entwickelt sich stetig hin zu einer echten Vaterfigur, die dem Nachwuchs später das Gefühl von Geborgenheit gibt, die ein Kind sich wünscht.

 

Papa und Sohn wachsen zusammen

Mein Sohn ist mittlerweile aus dem Gröbsten heraus. Seine Koliken, seine Schreizeit, seine Schlaflosigkeit, alles ist einem geregelten, ruhigeren Ablauf gewichen. Und auch für meine Frau und mich ist wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Aber es ist eine neue Normalität. Job, Haus, Kind, das alles kam kurz hintereinander, ich fühle mich jetzt als Vater, Versorger und Vorbild.
Doch war diese neue Normalität nicht mit solchen Einschnitten verbunden, wie ich vielleicht manchmal befürchtet hatte. Ich kann immer noch meine Kumpels treffen und mit ihnen Spaß haben, kann mein Hobby als Beruf ausleben und konnte meine Frau auch davon überzeugen, dass das Babypinkeln unbedingt sein muss. Dafür wird es ja auch eine Abstillparty geben.
Mit seinen Aufgaben wachsen macht Spaß und besser als als stolzer Vater ging’s mir vorher nie!
 



Zum Weiterlesen:

„Ein Kind ändert alles: Vom Liebesglück zum Familienglück (Gebundene Ausgabe)“ – Michaela Sauer:
http://www.amazon.de/Ein-Kind-%C3%A4ndert-alles-Familiengl%C3%BCck/dp/3901880119

„Ein Kind ändert alles!“
http://eltern.t-online.de/buch-tipp-ein-kind-aendert-alles-/id_20644694/index
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de