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1 Juni, 2016 - 08:28
 

Kann man bedingungslose Liebe teilen – Gedanken vor dem zweiten Kind

Viele Eltern machen bei der zweiten Schwangerschaft die Erfahrung, dass diese etwas „nebenher“ läuft. „Schuld“ daran ist das existierende Kind, das die Aufmerksamkeit der Eltern einfordert. Häufig machen sich Eltern auch Gedanken, ob sie ihr zweites Kind so sehr lieben können wie das erste – ohne, dass eines zu kurz kommt. Der sehr persönliche Bericht eines Vaters…

© mathom - Fotolia.com

Wir werden ein zweites Kind bekommen – trotz der widrigen Umstände. In wenigen Wochen wird es soweit sein. Ich freue mich, natürlich. Sehr sogar. Allerdings habe ich auch Respekt vor der neuen Aufgabe. Zumal mir bewusst ist, dass die Anstrengungen für uns ohnehin schon erschöpfte Eltern in absehbarer Zeit nicht geringer werden. Überhaupt fühlt es sich anders an als vor dem ersten Kind. Ich frage mich, ob das normal ist – und ob es fair ist „Nummer zwei“ gegenüber.

Obwohl meine Frau nun nur in Teilzeit arbeitet strengt sie die zweite Schwangerschaft weit mehr an als die erste. Physische Gründe gibt es dafür eigentlich keine – dem Baby geht es gut und meine Frau hat weniger zugenommen als zum selben Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft. Was anders ist: wir haben nun schon eine sehr süße, tolle, aber eben auch lebhafte und somit anstrengende dreijährige Tochter. Trotz ihres anspruchsvollen Jobs – damals noch mit Reisetätigkeit – konnte meine Frau während der ersten Schwangerschaft abends und am Wochenende komplett ausspannen. Das ist so nicht mehr der Fall. Zumal unsere Tochter Lilly anscheinend merkt, dass die Mama in Gedanken auch schon mal beim Baby ist. Ein Grund für unsere Kleine, noch mehr Aufmerksamkeit von Mama einzufordern als bisher.


Die zweite Schwangerschaft läuft quasi „nebenher“ – und ich habe ein schlechtes Gewissen, das zu sagen

Ja, unsere Dreijährige bestimmt unser Leben und Denken. Weit mehr als das Baby im Bauch meiner Frau. Die Schwangerschaft läuft quasi „nebenher“ – und ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich das sage. Es ist nicht mehr das große Tamtam um das ungeborene Leben wie beim ersten Kind. Keine Bücher mehr, die gewälzt werden, keine Informationsveranstaltungen, kein Geburtsvorbereitungskurs. Ein neuer Schrank für die Babykleidung ist gekauft und aufgebaut, das war es aber schon mit den Vorbereitungen. Alles andere haben wir ja schon – und glauben zu wissen, was auf uns zukommt. Wir sind vergleichsweise so routiniert (oder ist es einfach die Erschöpfung?), dass wir uns hin und wieder bewusst machen müssen, dass das Kind, das wir erwarten, etwas ganz Besonderes ist. Zur Zeit scheint es, dass unsere Tochter Lilly in Bezug auf das Baby aufgeregter ist als ich selbst.


Werde ich das zweite Kind ebenso sehr lieben können wie das erste?

Eine Frage, die mich sehr beschäftigt, ist die, ob ich das zweite Kind genau so sehr werde lieben können wie unsere Tochter Lilly. Wie soll das möglich sein, so sehr, wie ich diesem Kind verfallen bin? Ist meine Liebe unendlich teilbar? Wird keines der Kinder das Gefühl haben, zu kurz zu kommen? Ich möchte nicht unfair dem Baby gegenüber sein – und ebenso wenig sollte unserer Großen etwas “abgehen“. Da hätte ich ein sehr schlechtes Gewissen. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass die meisten Eltern ein Lieblingskind haben (und habe in meiner Kindheit erfahren müssen, wie es ist, „das andere Kind“ zu sein), so dass ich mir zu diesem Thema sicher mehr Gedanken mache als andere.


Die Erfahrungen anderer Eltern machen Hoffnung

Hoffnung macht mir das Gespräch mit einer Freundin meiner Frau. Die stellte vor der Geburt ihrer zweiten Tochter ganz ähnliche Überlegungen an. Allerdings merkte sie schnell, dass jedes Kind - auch schon als Baby – anders, einzigartig ist. Nach und nach zeigte sich die Persönlichkeit des zweiten Kindes – und sie merkte schnell, dass es ein Irrtum ist, wenn Eltern denken, sie wüssten nach dem ersten Kind, was auf sie zukommt.  

Wir kennen die beiden Mädchen (inzwischen 6 und 9 Jahre alt) gut. Beide sind sie toll, jede auf ihre Art. Das macht uns neugierig auf unser neues Familienmitglied. In wenigen Wochen dürfen wir sie kennenlernen. Wir sind inzwischen guter Hoffnung, dass es eine einzigartige Reise werden wird – dann zu viert – und wir als Familie zusammenwachsen werden. Die Herausforderungen werden nicht kleiner werden. Aber das macht das Leben doch auch spannend. Wer braucht schon Langeweile?


Ging es Euch genauso, dass die zweite Schwangerschaft im Tagesgeschäft mit Kind Nummer eins fast „unterzugehen“ drohte? Hattet Ihr ähnliche Gedanken? Wir würden uns sehr über Eure Kommentare freuen.

 

Update:
Seit gut 4 Monaten sind wir nun zu viert. Die Geburt unserer zweiten Tochter Laura war wieder ein unglaubliches Erlebnis, wie es Kinderlose nie kennenlernen werden.

Um meine ursprüngliche Frage zu beantworten – ja, auch ich kann zwei Kinder gleichviel lieben. Mit Kind Nummer zwei konnte ich nicht so viel Zeit verbringen wie damals bei unserer Erstgeborenen, da die „Große“ viel Aufmerksamkeit einfordert und auch in keiner einfachen Phase ist. Aber die Zeit mit Laura, wenn Lilly im Kindergarten oder abends im Bett ist, habe ich schon sehr genossen. Ein wirklich tolles Kind! Momentan ist mir die Kleine ehrlich gesagt mindestens ebenso lieb wie die Große. Und Lilly liebt ihre kleine Schwester über alles. Ich bin sehr dankbar für unsere zwei Kinder.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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