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9 Dezember, 2015 - 09:34
 

Mein erstes Weihnachtsfest als Vater – Gedanken eines noch frischen Papas

Viele junge Menschen können mit Weihnachten heute nicht mehr viel anfangen. Das ändert sich oft, wenn sie Eltern werden. Unser Autor erzählt, wie sich durch seine Tochter Lilly seine Einstellung zu Weihnachten und zu Familientreffen änderte.

© ArtFamily - Fotolia.com

Mit Familienfeiern hatte ich früher nichts am Hut. Auch mit Weihnachten konnte ich nicht allzu viel anfangen. Meine Familie war nicht religiös und auch gerade seitens meiner Mutter auch nicht sehr traditionsbewusst. Den Weihnachtsbaum sparten wir uns, nachdem sich meine Eltern getrennt hatten. Von da ab war ich jedes Jahr am Heiligabend bei Mama und am ersten Feiertag bei meinem Vater (und seiner Lebenspartnerin) – wie so viele Scheidungskinder. Es gab ein paar Kerzen, ein paar Tannenzweige, ein gutes Essen, eine Bescherung, aber keinen Kirchgang und auch sonst wenig klassisches Weihnachten. Mir fehlte auch nichts. Weihnachten war ein Anlass, seine Eltern zu sehen, ein paar Geschenke abzustauben und die freien Tage nahm ich auch gerne mit.


Das erste Mal mit Kind auf dem Weihnachtsmarkt

Dieses Jahr denke ich anders über Weihnachten, denn ich denke nicht mehr nur für mich. Seit sieben Monaten habe ich eine kleine Tochter. Mit dem Begriff „Weihnachten“ kann sie noch nicht viel anfangen, aber sie merkt jetzt schon, dass zur Zeit etwas anders ist.

Vor ein paar Tagen waren wir mit ihr das erste Mal auf dem Weihnachtsmarkt. Mit großem Interesse sah sich Lilly die vielen Menschen und die bunten Lichter an, die die Buden erhellten. Dann standen wir auf einmal vor einem kleinen, aber schönen altmodischen Kinderkarussell. Mit großen Augen musterte unsere kleine Lilly dieses Gerät - die Farben, die Lichter und die Kinder, die auf die hölzernen Pferde, Löwen und Gefährte stiegen. Dann fing das Karussell an, sich zu drehen und die Musik begann, zu spielen. Lilly reagierte darauf, indem sie mit den Armen und Füßen strampelte und aufgeregte Gurr-Laute von sich gab. Sie fand das sichtlich toll. Die Frau, die das Karussell betrieb, merkte das und fragte, ob die junge Dame denn auch eine Runde fahren wollte. Ich lehnte mit dem Hinweis ab, dass sie ja leider noch nicht alleine sitzen könne. Die Antwort der Karussell-Betreiberin? „Passen Sie auf – nächstes Jahr werden Sie sie die Kleine nicht mehr herunter bekommen.“ Ich lächelte und wusste, dass sie recht hatte.

Ich bin von der Begeisterung meiner kleinen Tochter für die Weihnachtsstimmung gerührt. Und dieses Jahr freue ich mich so sehr auf Weihnachten, wie das seit meiner Kindheit nicht mehr der Fall war. Ihretwegen. Ich möchte das Erstaunen in ihren Augen sehen – über die Lichter, die Dekoration und auch die Musik. Auch, wenn sie das alles noch nicht einordnen kann, wird sie es wahrnehmen.


Ein anderes Familiengefühl und eigene Traditionen

Seit die Kleine da ist habe ich auch ein ganz anderes Familiengefühl. Mir ist bewusst geworden, dass mit ihr „etwas weitergeht“, eine neue Generation geboren wurde. Meine Mutter ist im vergangenen Jahr gestorben und es geht mir sehr nah, dass sie Lilly nicht mehr sehen konnte. Mein Vater ist auch nicht mehr der Jüngste und seine Begeisterung für sein einziges Enkelkind berührt mich sehr. Er nannte die Kleine schon seine „Lebensverlängerung“ - und ich bin mir sicher, dass sie das auch ist. Auch deswegen freue ich mich dieses Jahr wie nie zuvor, die Familie zu besuchen.

Meine Frau und ich haben uns vorgenommen, mit unserer Tochter eigene Familientraditionen zu beginnen. Nächstes Jahr wird es Plätzchen geben, Weihnachtsmusik, Kerzen und bestimmt auch einen Baum. Und ganz sicher mehr als nur einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt mit Lilly, die dann auch aufs Karussell darf. Ob sie sich wohl noch erinnern wird?

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de