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17 April, 2016 - 22:15
 

Studie: Kind im Bett macht muntere Männer müde

Junge Eltern leiden nicht nur meist unter Schlafmangel, er wird geradezu von ihnen erwartet. Um die Situation zu entschärfen, greifen Eltern zuweilen zu einem Mittel, das kontrovers diskutiert wird: Sie holen das Baby ins Bett. Das ist nicht nur für den Nachwuchs gefährlich, sondern neuerdings auch für den Vater.

© detailblick - Fotolia.com

Augenringe. Sie sind das Kennzeichen fleißiger Eltern, wenn der Säugling das Licht der Welt erblickt hat. Fehlen sie, erweckt das schon fast verdächtige Aufmerksamkeit, schließlich haben Freunde und Verwandte die Zeit der schlaflosen Nächte auch erlebt, also bitte schön, da ist es nur fair, wenn man selbst all das hinter sich hat und mitfühlend auf die jungen Eltern blicken kann. Die Frage „Schläft es schon durch?“ gerät zu einer Religion, und die Antwort darauf lautet meist „Noch nicht ganz“ oder so ähnlich. Wer Nacht um Nacht wenig schläft, weil das Baby nicht mitmacht, greift zu hin und wieder zu fast bizarren Methoden und Ritualen, um den verdienten Schlaf zu bekommen. 

 

Doch nicht im Elternbett!

Wenn es ums Einschlafen des Babys geht, ist (fast) alles erlaubt, was wirkt. Es gibt Babys, die nur einschlafen können, wenn ein Fön neben dem Bett liegt. Andere werden erst richtig müde, wenn Mama oder Papa einen ausgiebigen Tanz vor der laufenden Waschmaschine hinlegen. Die dritte (und noch am einfachsten durchzuführende) Kategorie besteht auf Schnuller oder Kuscheltier. Doch manchmal hilft alles nichts, das kleine Wesen schläft einfach nicht ein, und durch schon mal gar nicht. Dann kann es passieren, dass zum letzten Mittel gegriffen wird – das Baby kommt ins elterliche Bett. Schläft es dann tatsächlich durch, scheint die Situation gerettet. Doch andererseits ist allgemein bekannt, dass die Nacht im Elternbett die Gefahr des plötzlichen Kindstods in sich birgt. Selbst eine Vielzahl von Medizinern warnt vor dem Erstickungstod von Babys, wenn sie irrtümlich im Schlaf zwischen Vater und Mutter geraten. Doch nicht nur das Baby ist in Gefahr, auch Väter sind es. Oder doch nicht?

 

Schlaf, Väterlein, schlaf – besser ohne Baby im Bett

Neugeborene sind alles andere als ein Verstärker der sexuellen Aktivitäten. Im Gegenteil, häufig läuft in der ersten Zeit nach der Geburt zunächst einmal wenig bis gar nichts im Bett. Für Männer kommt nun aus Sicht des Anthropologen Lee Gettler von der Universität Notre Dame ein weiteres Problem hinzu. Männer, die mit Babys im selben Bett schlafen, erfahren eine Senkung des Testosteronspiegels. Wenn also im Bett sowieso schon wenig läuft, wirken die Nächte mit Baby zusätzlich auf das männliche Sexualorgan, und zwar „abtörnend“. Doch das Problem scheint weitflächiger zu sein. Männer mit einem niedrigen Testosteronspiegel sind auch in anderen Lebenslagen benachteiligt. Sie treten weniger dominant auf als ihre Kollegen mit einem höheren Spiegel. Je höher der Testosteronspiegel, desto größer die Dynamik, die Risikobereitschaft, das extrovertierte Grundverhalten des Mannes. Gettler kann seine Thesen auch belegen, denn die Grundlage waren Versuche mit philippinischen Männern aus Cebu City, die auf ihr Schlafverhalten hin untersucht wurden. Insgesamt 362 Männer nahmen an den Versuchen teil, 92 Prozent von ihnen schlief mit der Familie in einem Bett. Der Rest hatte ein eigenes Schlafzimmer. Regelmäßige Messungen zeigten, dass die Männer, die alleine schliefen, einen nachweisbar höheren Testosteronspiegel hatten. 

 

Durchs Baby zum Weichei?

Der Psychologe Thomas Pollet von der Universität Groningen bestätigt die Erkenntnisse von Lee Gettler. Auch er kommt zum Schluss, dass Männer mit einem höheren Testosteronspiegel sexuell aktiver sind und auch sonst ein dominanteres Auftreten haben. Sexuell betrachtet ist das kaum verwunderlich, denn der Testosteronspiegel eines Mannes sinkt schon durch die Tatsache einer Vaterschaft um bis zu einem Drittel ab. Pollet berichtet, dass Männer mit einem höheren Testosteronspiegel im Laufe ihre Lebens insgesamt häufiger und mit mehr Partnerinnen Sex haben als Männer, deren Pegel niedriger ist. Und auch die Studie von Gettler ergab, dass die philippinischen Männer, die alleine schliefen, häufiger Geschlechtsverkehr mit ihren Partnerinnen hatten. 

 

Alles halb so schlimm

Trotz der Ergebnisse seiner Studien sieht Gettler die Sache insgesamt eher gelassen und bezieht eine andere Sichtweise mit ein. Denn für das Kind, so nimmt er an, ist der niedrigere Testosteronspiegel von Vorteil. Schließlich führt er dazu, dass der Vater sich einer Aufgabe mit besonderer Sorgfalt widmet: der Pflege des Nachwuchses. Väter, die einen niedrigeren Testosteronspiegel aufweisen, kümmern sich intensiver und meist liebevoller um ihre Babys. Belegt ist diese These allerdings nicht. Im Übrigen darf man eines nicht vergessen: Die angesprochenen Augenringe, die durch Schlafmangel entstehen, sind nicht nur Indikator für aufopferungsvolle Eltern. Sie zeigen schlicht und ergreifend außerdem, dass Eltern oft müde sind. Und wer müde ist, hat wenig Lust auf Sex, für diese Weisheit braucht man keine psychologischen Studien, Untersuchungen und Interviews. Zumal sich das Sexleben nach einer gewisse Zeit normalerweise auch wieder einpendelt, spätestens, wenn das Kind endlich im eigenen Bett schläft. Und durchschläft. Zumindest ein klares Ergebnis kann Gettler übrigens doch vorweisen, und zwar ohne Einschränkungen. Männer, die mit ihrer Familie zusammen in einem Bett schlafen, sind deutlich offener und empfänglicher, und zwar für Infektionen, die sich sich häufiger einfangen. 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de