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4 September, 2012 - 10:55
 

Studie zum Erbgut: Zeugen ältere Väter schizophrene Kinder?

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ältere Väter mehr Erbgut an den Nachwuchs weitergeben als jüngere. Das bedeutet unter anderem, dass die Gefahr steigt, Kinder mit Autismus oder Schizophrenie auf die Welt zu bringen. Ein Grund zur Sorge?

Wann der richtige Zeitpunkt ist, um Kinder zu bekommen, ist eine Frage, mit der sich Menschen immer wieder aufs Neue beschäftigen. Propagieren die einen, man solle recht früh damit beginnen, favorisierten andere die Ansicht, dass ein späterer Zeitpunkt besser ist. Gute Gründe gibt es für beide Herangehensweisen, die Reife eines Menschen spricht für den späteren Zeitpunkt. Doch eine Studie hat sich der Sache einmal rein wissenschaftlich genähert und sieht konkrete Risiken, insbesondere, wenn der Vater schon älter ist.

 

Je älter der Vater, desto größer die Mutationen

Genetiker aus Dänemark, Island und Großbritannien haben sich mit dem Erbgut von Vätern beschäftigt und die Ergebnisse in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Sie kommen zum Schluss, dass mit jedem Lebensjahr, das der Vater bei der Zeugung des Kindes „auf dem Buckel“ hat, die veränderten Stellen des Erbgutes beim Kind um zwei wachsen. Die Forscher kommen zu folgendem Schluss: "Bereits ein 20-jähriger Vater überträgt im Durchschnitt rund 25 neue Mutationen an sein Kind, ein 40-jähriger Vater etwa 65". Bei Müttern sieht die Sache vollends anders aus, sie steuern nur 15 sogenannte „de-novo-Mutationen“ bei, und das grundsätzlich, also völlig unabhängig vom Alter der Zeugung.

 

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Jeder Mann produziert fortwährend neue Samenzellen. Dadurch kommt es zu einer erhöhten Zahl an Mutationen. Die Eizellen von Frauen dagegen liegen schon von Geburt an vor und reifen im Laufe der Zeit lediglich. Diese Erkenntnis war für die Genetiker nicht neu und überraschte sie auch nicht. Dass jedoch pro Jahr zwei Mutationen mehr stattfinden, faszinierte die Forscher wegen der Gleichförmigkeit doch. Mit solch einer Kontinuität hatten sie nicht gerechnet. Bemerkenswert war für die Genetiker insbesondere die Tatsache, dass Männer heute später Väter werden als noch vor gut 30 Jahren und die Folgen daraus. Im Jahr 1980 betrug das Durchschnittsalter werdender Väter 27,9 Jahre, im Jahr 2011 dagegen lag es bei 30 Jahren. Somit kommen heute deutlich mehr Kinder zur Welt, die spürbar mehr Mutationen in sich tragen als vor 30 Jahren.

 

Konsequenzen und Empfehlungen

Die Forscher kommen zum Schluss, dass ältere Väter die Gefahr in sich tragen, bei der Zeugung durch erhöhte Mutationen Autismus oder Schizophrenie bei ihrem Kind zu begünstigen. Der Evolutionsgenetiker Alexey Kondrashov von der US-amerikanischen University of Michigan in Ann Arbor empfahl daraufhin in einem Kommentar zum veröffentlichten Fachaufsatz zu diesem Thema, Sperma in jungen Jahren einzufrieren. Später könne es dann verwendet werden. Der Verdacht liegt nahe, dass eine solche Empfehlung zu kontroversen Reaktionen führt.

 

Die andere Seite

Natürlich muss es nicht sein, dass Kinder von älteren Erzeugern Autisten werden oder unter Schizophrenie leiden. Die Forscher sprechen lediglich von einem erhöhten Risiko. Zudem wäre es zu kurz gedacht, wenn man alles auf die Ergebnisse der Genetiker blickt und außer Acht lässt, dass auch andere Schlussfolgerungen möglich sind, wenn es um die Frage geht, wann der richtige Zeitpunkt für das Zeugen von Kindern gekommen ist. Beispielsweise gibt es das Phänomen der Telomeren. Sie hängen mit der Lebensspanne von Zellen und Organismen zusammen. Kurz umschrieben, kann man sagen, dass kürzere Telomere ein kürzeres Leben bedeuten und längere dazu beitragen, dass ein Mensch älter wird. Bei Männern, die später Kinder zeugen, sind nun diese Telomeren länger, was dazu führt, dass es beim Nachwuchs zu einer höheren Lebenserwartung kommt. Der Forscher Dan Eisenberg kam mit Kollegen der Northwestern University zu einem interessanten Schluss. Je später die Vaterschaft, desto länger sind die Telomere. Und zwar nicht nur beim Erzeuger, sondern auch bei den erzeugten Söhnen und sogar Enkeln. So eindrucksvoll dieses Ergebnis auch ist, Rätsel raten besteht noch immer bei der Frage, warum das so ist. Zwar gibt es unterschiedliche Vermutungen, wissenschaftlich belegt ist jedoch noch keine davon. Allerdings wird nicht ausgeschlossen, dass das Alter der Spermien im Gesamtorganismus maßgeblichen Einfluss auf die Länge der Telomere hat. Das wiederum wäre der Beleg dafür, dass ältere Männer Einfluss auf die Lebenserwartung des Nachwuchses haben.

 

Was tun?

Betrachtet man die Ergebnisse der hier genannten Forscher, kommt man zum Schluss, dass man letztlich zu keinem hilfreichen Schluss kommt. Die zuletzt genannten Forschungsergebnisse scheinen auf den ersten Blick denen der Genetiker aus Island, Dänemark und Großbritannien zu widersprechen. Sollten also besser junge Männer ihr Sperma einfrieren und später verwenden, um den Gefahren von Mutationen wie Schizophrenie oder Autismus entgegen zu treten? Oder ist es sogar ratsam, das Sperma älterer Männer zu verwenden, wenn der Kinderwunsch zu früh auftritt? Mit der Konsequenz, in der Folge nicht der tatsächliche biologische Erzeuger zu sein? Oder ist das womöglich alles Unsinn und man tut gut daran, der Natur ihren Lauf zu lassen und hinzunehmen, was passiert, wenn man ein Kind zeugt? Die Frage kann abschließend wohl nicht beantwortet werden, denn sie läuft immer auf eine ganz andere hinaus: Sollte sich das Wissen über mögliche Entwicklungen einer Schwangerschaft auf den Kinderwunsch auswirken oder nicht? Unmöglich, hier zu einem Konsens zu kommen.

Zum Weiterlesen hier auch ein Beitrag auf spiegel.de

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de