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13 September, 2016 - 09:36
 

Unsere Kinder sind ein Privileg – das sollte man sich immer mal wieder bewusst machen

Kinder können Eltern ihre Grenzen bringen – wie wohl jedes Elternteil bestätigen kann. In einer solchen Situation erinnert sich ein junger Vater an die Freunde und Bekannten, bei denen es mit dem Kinderwunsch nicht geklappt hat – und weiß sein eigenes Glück noch mehr zu schätzen.

© Rixie - Fotolia.com

Wohl jedes Elternteil kam schon einmal an diesen Punkt, an dem man denkt, man kann einfach nicht mehr. Dieser Punkt, an dem man mit den Nerven am Ende ist, körperlich erschöpft und todmüde. Wenn man weinen möchte, schreien oder weglaufen, je nach Persönlichkeit. Dieses Maß an Erschöpfung, das sich Menschen ohne Kinder nicht vorstellen können.


Erschöpfung, wie sie nur Eltern kennen

Gestern Nacht war ich wieder einmal an diesem Punkt. Der Tag war lang, anstrengend und angefüllt mit Arbeit, die Nacht zuvor alles andere als erholsam. Unsere Dreijährige – mitten in ihrer „Nein-Phase“ – war vom Tag fix und fertig, aber überdreht. Bis wir sie endlich bettfertig hatten, gab es viel Gequengel und auch Geschrei. Als sie dann schließlich im Bett lag, trank sie ihre Milch und war am Wegdämmern. Hoffnung!
Blieb noch das Baby. Unserer Kleinen kam aber gar nicht in den Sinn, einzuschlafen, so müde sie auch war. In dem Moment, wo wir versuchten, sie abzulegen, war das Geschrei groß und laut, so dass wir fürchten mussten, dass „Nummer eins“ wieder aufwacht. Schon am frühen Abend war Laura unruhig und quengelte. Unser sieben Wochen altes Kind verarbeitet nun einmal seinen Tag am Abend und so kommt sie nicht zum Einschlafen. Das Verständnis dafür haben wir. Aber die Abende werden dadurch sehr lang und anstrengend – nervlich durch das Geschrei und auch körperlich. Selbst wenn ein Kind nur knapp 5 Kilo wiegt bekommt man nach einer gewissen Zeit des Herumtragens zwangsläufig Rückenschmerzen. Es war gegen 22 Uhr, als ich Laura auf den Arm packte und mit ihr vor die Tür in den Park vor dem Haus ging. Ich war völlig fertig, wollte schreien oder mich einfach nur auf den Boden legen.


Zwei gesunde Kinder – davon können viele andere nur träumen

Mit dem kühlen Abendwind und der Dunkelheit wurde Laura ruhiger. Ich ging mit ihr im Arm einige Meter den Weg entlang, bis wir an einer sehr dunklen Stelle des Weges standen und die Sterne gut sehen konnten. Es war recht still, die Temperatur war angenehm und ich atmete ein paarmal tief durch. Ich spürte das warme Bündel Kind in meinem Arm, das sich an mich kuschelte und kam zur Ruhe. Beim Blick in die Weite des Sternenhimmels überkam mich das Gefühl, dass alles okay ist. Dass wir froh und dankbar sein können, dass wir zwei gesunde Kinder haben. Ich dachte an die Freunde von uns, bei denen es trotz vieler Versuche und künstlicher Befruchtung nicht mit dem Kinderwunsch geklappt hat. Ich dachte an die Phasen der Unsicherheit, der Angst, die auch wir während der Schwangerschaft durchleiden mussten. An die vielen Fehlgeburten, die es auch in unserem Freundeskreis gab. An die Bekannten, deren Frühchen bei der Geburt keine 600 Gramm wog und das monatelang in der Klinik bleiben und um dessen Überleben Eltern und Ärzte lange kämpfen mussten. Dieses Kind lebt, ist fröhlich, hat aber erhebliche Entwicklungsverzögerungen. Und ich dachte an die Familien, bei denen es Schwierigkeiten bei der Geburt gibt, deren Kinder mit schweren Behinderungen oder gar tot geboren werden oder kurz nach der Geburt sterben.


Manchmal ist das Glück sehr nah – und liegt im eigenen Arm

Mir wurde klar, was für ein Glück wir hatten und haben. Was für ein Privileg es ist, zwei gesunde Kinder habe zu dürfen. Ich musste schniefen und drückte die kleine Laura noch etwas fester an mich.

In diesem Moment war jede Erschöpfung vergessen. Ich hob die inzwischen friedlich schlafende Laura in der Dunkelheit hoch, roch an ihr, küsste sie auf die Stirn und spürte ihren regelmäßigen Atem, als ich ihren Kopf in meine Nackenbeuge legte. Mein Baby, mein eigenes Kind, das entspannt und voller Vertrauen in seinen Papa eng an mich gekuschelt schläft. In diesem Moment fühlte ich mich leicht, stolz, glücklich. Noch ein Gefühl, das Kinderlose so nicht verstehen. Um einige von ihnen tut es mir sehr leid.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de