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3 Februar, 2016 - 12:22
 

Warum ich Apotheker hätte werden sollen – ein Bericht aus dem familiären Seuchenzentrum

Woran erkennt man, dass sich eine Familie nahesteht? Richtig – wenn sich ein Mitglied einen Virus einfängt, befällt dieser auch alle anderen. Als Vater von drei Jungen berichtet Andreas Clevert aus dem Seuchenzentrum und fragt sich, wie eine ungelernte Kraft dies alles bewältigen soll.

© bg-pictures - Fotolia.com

Wir Eltern kennen das. Das Magen-Darm-Virus. Sofern man mehrere Kinder sein eigen nennt, ist man alsbald Experte in Sachen Seuchenausbreitung. Trotz aller Quarantänemaßnahmen (z.B. getrennte Handtücher, verschwenderischer Gebrauch von Desinfektionsmittel, etc.) findet das Virus verlässlich seinen Weg von einem Familienmitgliedsmagen zum anderen. Vulgo: Am Ende haben alle gekotzt.


Es hat auch seine positiven Seiten, wenn die ganze Familie am Kotzen ist

Ich wusste aber bis dato nicht, dass so eine Seuche auch ihre wohltuende Seite hat. Die schreckliche Komplexität des Lebens reduziert sich auf ein Virus. Die Behandlung ist durchweg die gleiche. Flüssigkeit, Flüssigkeit, Flüssigkeit! Windeln in Weltmeisterzahl und –größe. Wundschutzcreme in wilden Mengen. Eimer und Putzlappen sowieso.

Diese beruhigende Eindimensionalität der gelebten Koexistenz mit einem Magen-Darm-Virus wurde mir erst in den letzten Tagen bewusst. Denn diese Tage waren anders.

Sie fingen nach Schließung der Kinderarztpraxis am Freitagnachmittag mit Ohrenweh von Kind 2 an. Die Otitis, von unserer geliebten Notaufnahme der Bonner Kinderärzte als vermutlich viral eingestuft, führte uns mit Ibuprofen und Nasentropfen nach Hause.

Am Samstag ging es weiter mit Fieber von Kind 3. Selbige Kinderarztstation nannte dies unspezifisch. Erneut Ibuprofen.

Das war Kind 3 wohl zu unspektakulär und setzte mit einer hübsch sprudelnden Schnittwunde am Sonntag noch eins drauf. Was wiederum einen Besuch in der Kinderarztstation notwendig machte. Am Empfang lächelten sie uns schon zu wie alten Bekannten. Bisschen Desinfektion und Wundsalbe.


Durchatmen nach dem Wochenende – dachten wir

Das Wochenende war vorbei. Damit auch die Not-Arztbesuche. Dachten wir Eltern. Kind 2 war mit seiner Ohrenentzündung etwas in den Hintergrund gerückt. Dies führte Montag auf Dienstagnacht zu einem morgendlichen Besuch – so gegen vier - im Krankenhaus. Die virale Ohrenentzündung entpuppte sich als akut-bakterielle. Die Notfallapotheke, Glück im Unglück, war unsere Hausapotheke um die Ecke. Antibiotikum.

Keiner dachte aber an Kind 1. Das fand dieses ungerecht und quittierte die fehlende Aufmerksamkeit mit Fieber. Der Besuch beim regulären Kinderarzt führte zur Erkenntnis, dass es sich hier um Streptokokken handelt. Weiteres Antibiotikum.

Ich vergaß zu erwähnen, dass Kind 3, leidlich im Wundheilungsprozess begriffen, am Montag auch den flotten Otto vermeldete. Eigentlich nicht deswegen, eher aus logistischen Gründen nahm ich ihn am Dienstag gemeinsam mit Kind 1 mit zum Kinderarzt. Wo auch bei ihm noch zusätzlich Streptokokken festgestellt wurden (O-Ton des Arztes: „ Die Streptokokken sind gerade sehr beliebt.“). Noch ein Antibiotikum.


Wie soll eine ungelernte Kraft bei all den Medikamenten den Überblick behalten?

So stehen wir Eltern nun inmitten von Tiegeln, Fläschchen und Beipackzetteln, mit zu kühlenden und nicht zu kühlenden Antibiotika, Schmerzmitteln, Nasentropfen, Wundsalben, unterschiedlichen Dosierungen, Frequenzen und Einnahmezeiten vor einer logistischen Aufgabe, die jeder Apotheker natürlich mit links erledigt, aber nicht die ungelernte Kraft namens Papa.

Aber ich bin bereit. Ich habe mich auf alle Fernstudienplätze Pharmakologie – Spezialisierung Dosierungskunde -  schon angemeldet. Selbst ist der Vater.

 


zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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