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6 April, 2016 - 23:52
 

Wie sehr ich mein Kind liebe – und wie verletzlich mich das macht

Die Liebe zum eigenen Kind ist eine Naturgewalt, die junge Eltern überkommt und mitreißt. Sie hat jedoch auch etwas von einer Droge an sich, wie unser Autor feststellt – Nebenwirkungen und Angst vor dem Entzug inklusive. Irgendwann muss man lernen, nach und nach ein wenig mehr loszulassen. Auch, wenn es schwerfällt.

© Adam Borkowski - Fotolia.com

Vor der Geburt unserer Tochter Lilly hatte ich nur eine vage Ahnung, wie sehr ich mein Kind lieben würde. Wie tief diese Liebe gehen, wie sie mich berühren, wie sie mich verändern würde. Das ist ganz normal, denke ich, Naturgewalten sind im Vorhinein nur schwer zu begreifen, bevor man sie am eigenen Leibe erfährt.

Diese Liebe zum eigenen Kind ist mit der Geburt da und wächst mit der Zeit, die man mit ihm verbringt, mit der Aufmerksamkeit, die man ihm entgegenbringt, mit der Sorge um sein Wohlergehen und später auch durch die Liebe, die das Kind einem schenkt.


Die Liebe zum Kind ist wie eine Droge – und sie verändert die Wahrnehmung

Diese Liebe überkommt einen wie eine Droge. Man braucht sie ständig, man kann nicht genug davon bekommen. Wie bei jeder Droge gibt es auch Nebenwirkungen – die Furcht, diese Liebe und im schlimmsten Fall auch sein Kind zu verlieren.

Ich spüre am eigenen Leib, wie mich diese Verslustängste verändert haben. Ich bin viel aufmerksamer gegenüber Gefahren geworden, die meinem Kind drohen könnten. Intoleranter gegenüber Autos, die schnell durch unsere Straße fahren, Menschen, die abseits von Ampeln verkehrsreiche Straßen überqueren und somit ein schlechtes Vorbild für meine Tochter sind. Wenn größere Kinder am Klettergerüst allzu wild toben, hoffe ich, meine Kleine sieht das nicht. Ich selbst bin vorsichtiger geworden, konservativer. Ich denke langfristiger, bin nicht mehr so wagemutig, fahre langsamer mit dem Auto. Immerhin weigere ich mich noch, beim Inline-Skaten einen Helm aufzusetzen. Aber der vorwurfsvolle Blick meiner Frau zeigt mir, dass sich auch das bald ändern könnte.


Liebe geht einem nah – und macht verletzlich

Aufgrund der Liebe, die ich für meine Tochter empfinde, trifft mich deren augenblickliche Trotzphase, in der wir zum ersten Mal eine Ablehnung für einen selbst („Geh weg!“) und alles, was man tut, erfahren, umso härter. Ich will mir kaum vorstellen, wie das sein wird, wenn unsere „Kleine“ irgendwann einmal ein Teenager sein wird.

Auch Eifersucht kennt meine Liebe – blöderweise. Wenn Mama mal wieder mehr angesagt ist, habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich denke „was hat sie, was ich nicht habe“ und ein wenig eifersüchtig war. Eigentlich idiotisch, aber menschlich.

Mein Verständnis für die Liebe anderer Eltern zu ihren Kindern hat – naturgemäß – ebenfalls noch einmal zugenommen. So habe ich inzwischen eine vage Ahnung, wie sich Väter fühlen müssen, die ihre Kinder nicht ständig sehen können oder dürfen. Der Gedanke daran lässt mich erschaudern.

Es geht mir auch wesentlich näher als früher, wenn Kindern in Filmen oder den Nachrichten Leid geschieht. Hier bin ich weicher geworden, habe mehr Einfühlungsvermögen. Ich fühle mich dadurch einfach viel mehr angesprochen, betroffen, als früher. Es kam tatsächlich schon vor, dass mir die Tränen ins Gesicht liefen, als in einem Film ein Kind starb. Aber auch das geht anderen Vätern sicher ähnlich.


Ob ich es schaffe, meinem Kind trotz aller Liebe die nötigen Freiräume zu lassen?

Ab und zu denke ich - so positiv meine Liebe zu meinem Kind auch ist - dass es besser wäre, wenn es mir gelänge, ein klein wenig mehr Abstand zu schaffen, zumindest im Kopf. Ich muss lernen, etwas loszulassen. Denn ich möchte mein Kind durch meine Liebe und meine insgeheimen Ängste weder erdrücken noch einschränken. Unsere Tochter Lilly muss ihre eigenen Erfahrungen machen können und dürfen. Zwar unter dem Schutz der „Fittiche“ ihrer Eltern, aber eben auch so, dass sie sich austesten und auch Fehler machen darf. Ich bin mir sicher, es wird mir nicht leicht fallen, ihren Bewegungsspielraum immer wieder zu erweitern. Denn ich möchte natürlich nicht, dass sich meine Kleine wehtut. Dabei weiß ich auch, dass diese Erfahrungen diejenigen sind, aus denen man am meisten lernt.


Eines ist sicher – ich verstehe nun meine Mutter viel besser. Sie sagte, sie werde sich immer Gedanken um mich machen, denn ich werde immer ihr Sohn sein. Das wird bei mir nicht anders sein – meine Tochter wird immer mein Mädchen sein. Hoffentlich verstehe ich, dass sie mit der Zeit ein großes Mädchen sein wird …

 


Geht es Euch ähnlich? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de