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29 November, 2016 - 10:31
 

Wie schaffe ich es, dass mein Baby endlich durchschläft? – der Erfahrungsbericht eines Vaters

Wenn Kinder auch im Alter von fast einem Jahr nachts nur stundenweise schlafen, kommen die Eltern schnell an ihre Grenzen. Oft wird dann zu einem Schlaftraining für das Kind geraten. Viele Eltern zögern bei der Vorstellung, ihr Kind im Zweifel auch einmal schreien zu lassen. Ein Vater berichtet von seinen persönlichen Gedanken und den Erfahrungen.

© drubig-photo - Fotolia.com

Irgendwann ging es nicht mehr – meine Frau war körperlich und nervlich am Ende. Lange hatten wir gehofft, das Problem mit dem Durchschlafen würde sich irgendwann von selbst lösen. Aber unsere Kleine dachte gar nicht daran, ihren Schlafrhythmus zu ändern. Auch mit 11 Monaten wachte sie nachts auf und schlief nicht wieder ein, bis sie die Brust von Mama bekommen hatte. Eine typische Nacht bei uns sah so aus:

Gegen 19:30 Uhr wurde unser kleiner Schatz ins Bett gebracht und schlief auch ganz gut ein. Gegen 22:30 Uhr – wenn Mama ins Bett ging – wachte sie das erste Mal auf und wollte gestillt werden. Gegen 1:30 Uhr wachte sie das zweite Mal auf. Ab da wurden die Schlafintervalle für den Rest der Nacht immer kürzer – häufig nicht mehr als 60 Minuten. Meine Frau konnte sich nicht mehr erinnern, wann sie das letzte Mal mehr als drei Stunden am Stück geschlafen hatte. Sie war fertig.
 

Meine Frau war fertig – Bekannte rieten uns zu einem harten Schlaftraining

Unsere Kinderärztin sagte uns schon vor Monaten, dass die Kleine eigentlich keine Nahrung mehr in der Nacht bräuchte, rein körperlich gesehen, jetzt, wo sie gut Brei aß. Es war wohl in erster Linie ein Bedürfnis nach Nähe und die Gewohnheit, das sie nachts immer nach der Mama rufen ließ.

Bekannte rieten uns, ein hartes Schlaftraining durchzuziehen. Bei denjenigen, die das gemacht haben, bekam das Kind nachts nicht mehr zu essen bzw. keine Milch mehr – auch, wenn es quengelte oder gar schrie. Eine dritte Person – nicht die Mutter – sei da, allerdings nur, um das Baby zu beruhigen. In unserem Fall wäre das meine Aufgabe als Papa gewesen. Nach zwei Nächten – die würden jedoch für die Eltern hart werden – habe sich das Kind in der Regel umgestellt und schliefe durch.
 

Das Kind schreien lassen – wenn auch nur kurz? Wollen wir das wirklich durchziehen?

Meine Frau und ich hatten Respekt davor, das durchzuziehen. Unsere Lilly schreien zu lassen? Wenn auch nur kurz? Nicht auf ihre Bedürfnisse einzugehen? Das konnten wir uns nicht vorstellen. Wir wollten alles andere versuchen und hofften, dass wir um diese Prüfung herumkommen würden. So wanderte die Kleine vom Beistellbett in ein Kinderbett – ebenfalls im Elternschlafzimmer. Eine große Veränderung gab es dadurch nicht. Es war sogar so, dass meine Frau die Kleine im Laufe der Nacht schließlich zwischen uns legte, damit sie Lilly nicht immer aus dem Bettchen heben musste, wenn sie nach Milch verlangte. Ruhiger wurde unser Kind dadurch, dass es nun im Elternbett schlafen konnte, nicht. Aber der Papa wurde nun auch wach, wenn sie sich meldete. So konnte es nicht weitergehen.

Meine Frau und ich beschlossen einvernehmlich, dass wir nun doch eine Veränderung herbeiführen wollten – notfalls auch auf die „harte Tour“. Wir vereinbarten, dass wir es am kommenden Wochenende durchziehen und ich mit Lilly im Kinderzimmer schlafen würde. Ich stellte mich auf zwei schlaflose Nächte ein. Aber es kam dann doch anders: meine Frau hatte am Mittwoch eine furchtbare Nacht mit Lilly, die praktisch jede Stunde an die Brust wollte. Sie war am Morgen danach mit ihren Kräften und Nerven am Ende und hatte Tränen in den Augen. Wir beschlossen, dass Lilly in der kommenden Nacht mit dem Babybett in ihr eigenes Zimmer umziehen und meine Frau sie nachts nicht mehr stillen würde. Ich würde ihr lediglich etwas Wasser zu trinken geben, wenn sie danach verlangen würde und sie ansonsten beruhigen – dabei aber soweit es geht nicht aus ihrem Bett heben.
 

Wie würde die Nacht wohl werden? Uns tat schon im Voraus das Herz weh

Wir waren den ganzen Tag nervös. Wie würde es wohl werden? Uns beiden tat bei der Aussicht darauf, dass unsere Kleine wohl einen guten Teil der Nacht schreien würde – etwas, was sie sonst höchst selten tut – schon im Voraus das Herz weh.

Als die Bettgehzeit kam stillte meine Frau die Kleine, sah mit ihr noch ein Bilderbuch an, sang ihr ein wenig vor und legte sie schließlich in ihrem Babybett im Kinderzimmer ab. Ein Ort, den sie zwar kannte, aber in dem sie noch nie geschlafen hatte. Lilly beschwerte sich – lautstark. Sie quengelte, schrie aber nicht. „Es geht also los“ – dachten wir uns. Die Kleine wollte noch nicht ins Bett – und in der ungewohnten Umgebung schon gar nicht. Wir gingen ins Zimmer, redeten ihr zu, strichen ihr übers Haar und gaben ihr auch mal einen Schluck zu trinken. Lilly protestierte weiter und rüttelte kräftig an den Holzstäben des Bettes. Doch wir blieben konsequent, nahmen sie nicht in den Arm und schon gar nicht aus dem Zimmer, so sehr sie sich auch beschwerte. Alle paar Minuten schauten wir nach ihr. Dank des Babyphones waren wir immer im Bilde, wie ihre Stimmung gerade aussah. Nach etwa 40 Minuten wurde das Gezeter weniger und schließlich wurde es still im Kinderzimmer. Lilly war eingeschlafen. Wie lange wohl – und wie würde es sein, wenn sie aufwachen würde?

Was soll ich sagen? Sie wachte zweimal nachts auf und beschwerte sich im Halbschlaf. Dann gab ich ihr etwas Wasser aus ihrer Flasche und auch etwas Osanit gegen die Zahnschmerzen. Sie schlief sehr schnell wieder ein. Erst nach 6 Uhr wachte sie wieder auf. Wir waren außer uns vor Erleichterung. Meine frau wegen der ersten Nacht seit langem, die sie durchschlafen konnte und wir beide, dass wir unser Kind offensichtlich nicht gequält haben.
 

Wir konnten uns nicht erklären, warum es so gut funktioniert hat

Wir konnten es uns nicht erklären, warum Lilly nun durchgeschlafen hatte. Vielleicht tat ihr die neue – reizarme – Umgebung ohne unsere Nähe und den Geruch von Mamas Brüsten gut? Vielleicht war sie so kaputt vom Tag? Vielleicht war es einfach Zeit?

Fakt ist, dass Lilly seit dieser Zeit in ihrem Zimmer schläft und nachts nicht mehr gestillt wird. Es gibt ein kleines Zubettgehritual, nach dem sie inzwischen häufig todmüde einschläft. Ab und zu meldet sie sich nachts zwischen 23 und 1 Uhr, wenn sie Zahnschmerzen hat. Dann geben wir ihr etwas zu trinken, geben ihr etwas gegen die Schmerzen und nehmen sie auch einmal in den Arm. Wenn die Schmerzen sehr schlimm sind, dann wird es schwerer, sie wieder abzulegen, ansonsten schläft sie sehr schnell wieder ein.  Um frühen Morgen wacht sie auf und meine Frau stillt die Kleine. Dann haben wir meist noch eine weitere Stunde, bis sie endgültig aufwacht.

Wir sind der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war, das Projekt „Durchschlafen“ aktiv anzugehen. Es war für uns auch die einzige Option, so wie der Zustand meiner Frau war. Unsere Lebensqualität hat sich deutlich gesteigert. Meiner Frau geht es körperlich und nervlich besser – wovon natürlich auch die Kleine profitiert. Der geht es gut – sie ist nun tagsüber noch aktiver und schläft inzwischen nachts meist sehr ruhig.

Wir sind heilfroh, dass die Umstellung bei uns so gut geklappt hat. Wir wollten unserer geliebten Kleinen nicht wehtun, sie nicht zwingen, haben uns lange davor gedrückt, eine Veränderung aktiv herbeizuführen. Aber wir sind froh, dass wir es getan haben. Es hat uns letztlich allen gut getan – vor allem meiner Frau, aber auch dem Rest der Familie – auch dem Kind. Hätten wir es früher angehen sollen? Wer weiß, ob sie dann schon bereit gewesen wäre. Wir machen uns darüber keine Gedanken mehr und freuen uns einfach über unsere neue Lebensqualität.
 
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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