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15 Juli, 2017 - 07:23
 

Großer Altersunterschied unter Geschwistern

Wenn sich in einer Familie ein Nesthäkchen ankündigt, stehen Freunde und Verwandte dem oft mehr als skeptisch gegenüber. Grund ist häufig die Sorge, dass ein zu großer Altersunterschied zwischen den Geschwistern Probleme bereiten könnte.

© Stefan Balk - Fotolia.com

Im Vorfeld kann schnell Besorgnis aufkommen, gibt es doch bei einem Altersunterschied von sechs oder mehr Jahren große Unterschiede zwischen den Geschwistern. Kann man noch allen Kindern gerecht werden? Wird der Nachzügler verwöhnt und die Große vernachlässigt? Mit ein wenig Achtsamkeit treten derartige Probleme kaum auf und es entwickelt sich ganz im Gegenteil eine harmonische und liebevolle Geschwisterbeziehung gerade deswegen, weil der Altersunterschied so groß ist.


Bewusste Entscheidung oder „Unfall“

Oft passiert es dann, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind: Ihre Partnerin wird in einem Alter schwanger, in dem Sie eigentlich ganz andere Pläne hatten. Genauso oft entscheiden sich Paare jedoch ganz bewusst für ein „Nesthäkchen“. Gerade weil die vorhandenen Kinder immer selbstständiger werden, das eigene Leben ruhiger wird und einfach genug Raum für ein weiteres Kind da ist. Als Eltern sind Sie gut auf den späten Nachwuchs vorbereitet, Sie wissen, was auf Sie zukommt und können so ein klare Entscheidung für ein Kind treffen. Davon wird Ihr Kind profitieren: Es fühlt sich willkommen auf der Welt und wird in eine sichere und gut vorbereitete Umgebung hineingeboren.


Der Weg zum Familienglück

Damit das Leben in der Familie, in der schon ein oder sogar mehrere ältere Kinder leben, auch mit einem neuen Baby harmonisch bleibt, sollten Eltern einiges im Blick haben. Denn von alleine geht es nicht. Die Achtsamkeit und Sorge für die „Großen“ darf keinesfalls vernachlässigt werden. Gerade wenn die älteren Kinder in der Pubertät sind oder kurz davor stehen, brauchen sie Aufmerksamkeit und Zuwendung – und können ganz nebenbei ähnlich nervenaufreibend sein wie das Jüngste. An folgendes sollten Sie unbedingt denken:

  • Säuglinge sind keine Spielgefährten. Im ersten Lebensjahr macht ein Baby in erster Linie Krach und Arbeit. Die älteren Geschwister können gerne an der Fürsorge teilhaben, genötigt dürfen sie allerdings nicht werden. Denn die Entscheidung für das Kind haben Sie als Eltern getroffen.
  • Wenn Ihr älteres Kind selbstständig oder nach Aufforderung mithilft, sollten Sie dies anerkennen. Loben Sie es fürs Mitmachen und Mitdenken und beschreiben Sie, wie sich die Hilfe positiv auswirkt: „Schön, dass Du den Schnuller gebracht hast, nun kann das Baby gleich viel besser einschlafen.“ Dies ist besonders bei jüngeren Kindern wichtig, aber auch Jugendliche wissen ein ehrliches Lob immer zu schätzen.
  • Auch Ihr älteres Kind ist noch ein Kind und darf nicht in eine Versorgerrolle für das jüngere Geschwister gezwängt werden. Kinder können nicht ständig vernünftig und rücksichtsvoll sein, daran sollten Sie denken.
  • Verwöhnen Sie das Nesthäkchen nicht übermäßig. Das gilt für alle Familienmitglieder. Es hat seinen Platz in der Familie und muss genauso lernen, selbstständig zu werden und Grenzen zu akzeptieren und sich – in seinen Möglichkeiten – rücksichtsvoll zu verhalten.
  • Achten Sie darauf, dass sich Ihre Kinder altersgerecht beschäftigen. Dazu gehören Spiele, sportliche Aktivitäten und auch Freundschaften. Ein großer Altersunterschied bedingt unterschiedliche Interessen. Ermöglichen Sie es sowohl den Großen als auch dem Jüngsten, sich altersgemäß zu beschäftigen.

 

So profitieren die großen Geschwister

Ein Nesthäkchen in der Familie bedeutet für die älteren Kinder einige Einschränkungen. Sie müssen rücksichtsvoller sein und müssen manchmal zurückstehen, wenn das Baby die Windeln voll hat, vor Bauchschmerzen schreit oder gerade Hunger hat. Im Gegenzug profitieren ältere Geschwister jedoch auch von den Jüngsten. Sie dürfen noch einmal so richtig albern sein und mit Barbie-Puppen oder Lego spielen, auch wenn sie eigentlich aus diesem Alter längst heraus sind. Gerade im Alter zwischen 12 und 15 Jahren, wenn der Wechsel vom Kind zum Erwachsenen beginnt, kann das auf die Psyche unglaublich entspannend wirken.

Darüber hinaus sehen die Großen, egal welchen Geschlechts, wie vereinnahmend ein Baby sein kann. Sie werden es sich zweimal überlegen, wie verantwortungsvoll sie bei den ersten sexuellen Erfahrung mit der Verhütung umgehen, kennen Sie doch stinkende Windeln und stundenlanges Babygeschrei aus erster Hand.

Wenn das zweite Kind erst relativ spät geboren wird, dann wachsen in der Familie eigentlich zwei Einzelkinder heran. Jedes Kind hatte die volle Aufmerksamkeit und Kraft der Eltern, denn auch wenn pubertierende Jugendliche anstrengend sein können, sind sie doch längst nicht so kräftezehrend wie ein Baby in den ersten Lebensjahren.


So gewinnen die Kleinen

Für die Nesthäkchen haben ältere Geschwister gleich mehrere Funktionen: Sie sind Spiel- und Sparringspartner und Vorbild zugleich. Die meisten jüngeren Kinder bewundern ihre älteren Geschwister und lieben sie abgöttisch. Sie ahmen sie nach und es gibt eine weitere enge Bezugsperson in ihrem Leben, die die kleinkindlichen Bedürfnisse erfüllen kann.

Wenn Sie sich ein Nesthäkchen wünschen, sollten Sie den Mut haben und das späte Glück genießen. Beziehen Sie ältere Geschwister in die Entscheidung mit ein und sprechen Sie gemeinsam über Wünsche und Befürchtungen. Dann rückt die Familie schon lange vor der Geburt dichter zusammen und der Nachzügler wird in ein geborgenes Familiensystem hineingeboren, in dem er sich ungestört und geliebt entwickeln kann.

 

 

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Autor

Redaktion1 Vaterfreuden.de
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