Skip to main content

Suche

29 Juli, 2016 - 11:28
 

Die letzte Windel - Gedanken zum Trockenwerden

Irgendwann – oft nach langem Hoffen und Betteln der Eltern – beschließt jedes Kind, es einmal ohne Windeln zu probieren. Doch die Euphorie seitens der Eltern weicht meist schnell der Realisation: Windeln hatten auch ihre Vorteile, denn Trockenwerden ist ein schmutziges Geschäft.

© EvgeniiAnd - Fotolia.com

Und nun sagte auch unser Kleinster: „Ich! Möchte! Keine! Windel! Mehr!“ Wir hatten ihm Zeit gelassen. Erfahrene Dreifachjungseltern. Wir ließen uns nicht mehr stressen. Lisa, zwei Monate älter und seit einem knappen Jahr windellos. Who cares? Jungs brauchen da einfach länger. „Wenn er es nicht merkt, ist er nicht soweit.“ Einfacher Satz von unserer Kinderärztin. Simple Wahrheit. Natürlich kann und sollte man den Ausblick in die Zukunft wagen. Mal eine Unterhose anziehen. Neues Feeling da unten rum. Töpfchen hier, Kloring da. Sitzen ausprobieren. Stimulation durch sanftes Plätschern eines geöffneten Wasserhahnes. Hilft auch. Beruhigt vielleicht Mutter oder Vater beim geduldigen Warten. Oder die Simulation geht einem ins Ohr und: „Du, kannst Du mal runter, ich muss auch mal!“ Kann schon mal passieren.


Man merkt schnell – Windeln hatten auch ihre Vorteile

Aber jetzt wollte unser Kleinster. Groß sein. Windellos. Dann kommt die Zeit, wo Sie sich freuen würden, nur ein, zwei Windeln und Feuchttücher im Gepäck zu haben. Und nicht den halben Kleiderschrank. Die Zeit, wo Sie merken, dass für ein großes Geschäft so eine Windel ganz praktisch war. Mit dieser Übergangszeit halten es die Kleinen ganz flexibel. Zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate. Sie befinden sich in der Übergangsphase, wenn Sie im Kindergarten immer die mit Abstand größte Tüte mit verschmutzten Sachen in Ihrem Garderobenfach vorfinden. Ich habe mich immer gefragt, warum es immer diese durchsichtigen, ganz leichten Plastiktüten sein müssen. Reißen super schnell ein…

Klar, es gibt auch dann noch Windelzeiten. Lange Autofahrten. Eine Autobahn ist nicht kompatibel mit sofortigen Bedürfnissen. Das mit den Eimern im Auto halte ich für ein Gerücht. Und Nächte. Wenn Sie dann mal ein, zwei Wochen lang morgens eine trockene Windel abmachen, können Sie dann auch windellose Nächste ausprobieren. Wir zumindest hielten es in der nächtlichen Übergangsphase immer so, dass die Jungs noch einmal schlaftrunken pinkeln gehen (mussten), wenn die Eltern ins Bett gingen. Sonst wären wir mit frischen Kinderbettbezügen nicht nachgekommen. Ach ja, und Ihr Reisegepäck wird ergänzt um eine dichte Matratzenunterlage. Sie wollen doch keine längeren Diskussionen an der Hotelrezeption, oder?

Übrigens, unser Kleinster wird einmal ein Ökologe. Woran wir das gemerkt haben? Die zwei Großen suchen sich immer in der freien Wildbahn nach alter Vätersitte einen stattlichen Baum für das Austreten. Der Kleinste ist aber partout der Meinung, dass nicht jeder Wasserstrahl eine Wohltat für die Pflanzen ist. „Das mögen Blätter nicht!“


zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
randomness