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19 September, 2010 - 16:40
 

Vater sein - Mann bleiben

„Und schließlich bekamen sie ein Kind und ihr Glück wurde noch größer.“ Diesen Satz kennen wir aus vielen Märchen. Ende gut-alles gut. Und genau diesen märchenhaften Schluss wünschen sich wohl auch alle werdenden Eltern. Allerdings sind, gerade in der heutigen Zeit, die Veränderungen sehr groß, die auf junge Eltern zukommen. Ein Kind ist nicht nur die Krönung einer Liebesbeziehung sondern kann auch zur Bedrohung einer Partnerschaft werden. vaterfreuden.de hat sich für Sie, liebe Väter, einige Gedanken zu diesem Thema gemacht.

© Violetstar - Fotolia.com

Das Ende eines Traums

Susanne und Thomas aus Hamburg waren 15 Jahre lang verheiratet und stehen heute vor den Trümmern ihrer Ehe. Was ist schief gelaufen?  Die Redaktion von vaterfreuden.de fragte nach:

„Wir haben uns verändert.“ meint Susanne. Und nach einigem Nachdenken fügt sie hinzu: „Eigentlich haben uns unsere Kinder verändert.“
Thomas stimmt ihr zu und erzählt: „Durch die Geburt unseres Sohnes habe ich mein Hobby aufgegeben. Damals fuhr ich noch einen aufgemotzten Sportwagen mit vielen PS unter der Haube.
Autorennen waren meine Leidenschaft. Doch plötzlich musste eine „Familienkutsche“ her und nach und nach verlor ich alle Freunde aus dem Motorsport-Club. Das war schon hart und ich habe sehr darunter gelitten.“ Susanne ergänzt: „Ja, das war wohl der Anfang vom Ende. Thomas hat sich zwar neue Hobbys gesucht, so richtig glücklich wurde er damit aber nie. Es sei denn, er hat sie richtig exzessiv betrieben, um dadurch seinen Verlust zu kompensieren.“
„Kurz nach der Geburt unserer Tochter haben wir uns ein Haus gekauft, denn unsere Wohnung war nicht mehr groß genug.“ fährt Thomas fort. „Von da an sah ich mich eigentlich nur noch im Stress! Drei Jahre hat die Renovierung gedauert und jeden Tag nach der Arbeit habe ich den Anzug gegen den Blaumann getauscht. Von meinen Kindern hatte ich in dieser Zeit eher selten etwas. Aber auch mit Susanne habe ich mich immer weniger unterhalten und an Sex war nur noch selten zu denken.“
Susanne ergänzt: „Auch nach der Renovierung wurde es nicht besser. Wir sind beide arbeiten gegangen, um den Kredit zu tilgen und haben uns dann, in der wenigen Freizeit, ganz auf unsere Kinder beschränkt. Als Paar haben wir so gut wie nichts mehr unternommen. Immer wieder kam es zu Streitereien, meist wegen Kleinigkeiten. Sehr oft war die Stimmung gereizt und ein Wort ergab das andere. Das hält auf Dauer keine Ehe aus.“
Thomas fügt abschließend noch hinzu: „Wir haben wohl beide schwere Fehler gemacht. Wir haben uns als Paar aus den Augen verloren und die wenige freie Zeit, die wir hatten, ausschließlich den Kindern gewidmet. Das ist zwar auf der einen Seite auch eine schöne Zeit gewesen, andererseits hat es uns viel Kraft gekostet- und letztendlich auch unsere Ehe. Eine gesunde Mischung aus Familienleben, eigenem Hobby und vor allem auch alleiniger Zeit mit der Partnerin-ich glaube, das ist das Geheimnis einer funktionierenden Partnerschaft.“
„Wir haben wohl nicht die richtige Balance gefunden.“ ergänzt Susanne noch leise.


Die richtige Balance

Die richtige Balance in einer Partnerschaft zu finden, ist sicherlich nicht einfach. Dies gilt umso mehr, wenn Kinder das familiäre Glück perfekt machen. Natürlich sollten die Kinder an erster Stelle stehen, keine Frage. Sie aufwachsen zu sehen und nach den eigenen Vorstellungen und Wertmaßstäben zu formen, gehört nicht nur zu den größten sondern auch zu den schönsten Aufgaben eines jeden Elternteils.
Dennoch sind Eltern nicht nur „Mama“ und „Papa“  sondern auch ein (Liebes-)Paar und eigenständige Individuen. Man könnte in diesem Zusammenhang von verschiedenen Ebenen sprechen. Und keine dieser Ebenen sollte gänzlich vernachlässigt werden.


Zeit zu Zweit

Viele Paare sehnen sich nach der Geburt ihres Kindes danach, auch endlich mal wieder etwas allein zu unternehmen und sich ganz auf den Partner zu konzentrieren. Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Und dennoch sollten Sie darauf achten, sich diese Zeit, als Paar, zu nehmen.

Die eigene (Liebes-)beziehung, trotz Kind, zu pflegen, ist unglaublich wichtig.
Zeit zu Zweit hilft, sich auch wieder als Mann und Frau zu begegnen- ohne die Notwendigkeiten des Alltags und der Betreuung der Kinder.
Es ist nicht wichtig, was Sie dabei gemeinsam unternehmen, sondern dass Sie es überhaupt tun.
Die Großeltern oder Freunde sind Ihnen währenddessen sicher gern behilflich, sich um Ihren Nachwuchs zu kümmern. Ansonsten sollten Sie sich einen Babysitter suchen, der Sie hin und wieder entlasten kann.
Oft bewährt hat sich dabei, das Haus oder die gemeinsame Wohnung ganz zu verlassen, da daheim meist immer irgendwelche übrig gebliebenen Aufgaben auf Ihre Erledigung warten und so die  ungestörte Zweisamkeit schon wieder verhindern können. Außer Haus können Sie etwas Abstand gewinnen.
Gehen Sie aus und machen Sie das Nachtleben unsicher. Ob nun Kino, Theater oder ein Barbesuch-wie gesagt, es ist völlig egal. Und wenn es nur ein gemeinsamer Spaziergang ist, bei dem das Thema „Kind“ völlig ausgeklammert wird. Begegnen Sie sich wieder als Mann und Frau und lassen Sie den „Papa“ und die „Mama“ einfach zu Hause.

Vielleicht sollten Sie die gemeinsame freie Zeit auch mal für ein Zwiegespräch nutzen.
Einer spricht, der andere hört zu. Danach tauschen Sie einfach die Rollen.
Es gibt keine Rückfragen, keine Rückmeldung und kein Gespräch – nur Sprechen und Zuhören für eine fest verabredete Zeit. Der Vorteil liegt auf der Hand:
So erfährt Ihre Partnerin, was Sie bewegt und umgekehrt erfahren Sie, welche Nöte oder Ängste ihre Partnerin vielleicht plagen. Auch diese Art von Gesprächen wirken ungeheuer befreiend und belebend auf eine Partnerschaft und helfen, den jeweils anderen zu verstehen und sich in seine Lage hinein zu versetzen. Und das Beste ist: Es kommt nicht zu Diskussionen oder Streitereien!


Guter Sex macht glücklich!

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass guter Sex für das Gelingen einer Beziehung ein wichtiger Faktor ist.
Allerdings war die Sache für viele Paare einfacher, bevor ihr Kind geboren wurde. Nun ist die Zeit knapper geworden und die Gefahr der Störung oder gar der „Entdeckung“ ist allgegenwärtig.

Dabei ist es gar nicht so schwer, den Kindern zu erklären, dass auch Mama und Papa einmal Zeit für sich brauchen. Machen Sie Ihren Kids einfach klar, dass Sie in bestimmten Momenten nicht gestört werden möchten. Reden Sie mit Ihrem Nachwuchs über Ihr Bedürfnis nach Ungestörtheit-ganz ohne Scheu. Dabei können Sie gleichzeitig in Erfahrung bringen, ob Ihre Kinder diesen Wunsch vielleicht auch schon aus eigener Erfahrung verspürt haben. Treffen Sie eine Vereinbarung: Jeder klopft an, bevor er das Zimmer des Anderen betritt- Ihr Kind im Schlafzimmer und Sie umgekehrt im Kinderzimmer. Fragen Sie ruhig ab und zu, ob Sie vielleicht stören. Wenn dem so sein sollte, ziehen Sie sich zurück, genau so, wie Sie das auch umgekehrt von Ihrem Sprössling erwarten. Ihr Kind wird sich dadurch ein Stück weit erwachsener fühlen und Sie haben sich etwas mehr Intimsphäre geschaffen.
Einige Paare sind besonders morgens in ausgeprägter Sexlaune. Warum also den Wecker nicht mal etwas früher stellen und den Tag schon mit einem „Höhepunkt“ beginnen? Außerdem sollten Sie Ihr Kind möglichst früh daran gewöhnen, auch mal „auswärts“ zu übernachten. Die meisten Großeltern freuen sich über den Besuch der Enkel-auch über Nacht. Auch der Übernachtungsbesuch bei Freunden Ihres Kindes verschafft Ihnen zusätzlichen Freiraum als Paar. Vielleicht können Sie sich mit befreundeten Paaren mit Kind abwechseln? Denn eines ist sicher- Sie sind garantiert nicht allein mit Ihrem Wunsch nach gelegentlicher Zweisamkeit.

Tja, bliebe noch das Zeitproblem. Viele Eltern werden diesen Umstand kennen- Kinder kosten wahnsinnig viel Zeit. Und das ist Zeit, die ihnen als (Liebes-)Paar fehlt.
Trotzdem, Ihr Tag hat nach wie vor 24 Stunden und damals, als Sie einander kennen und lieben gelernt haben, war das nicht anders. Nun ist es an Ihnen, Prioritäten zu setzen. Sie allein entscheiden, was Ihnen wichtiger ist: „Sex and the City“ oder Sex miteinander? Muss die abendliche Hausarbeit wirklich immer sein, oder kann man diese zugunsten einer erotischen Partnermassage auch mal sausen lassen?
Wichtig ist nur eines: Nehmen Sie sich Zeit für Sex. Und auch, wenn Sie dadurch möglicherweise etwas weniger Schlaf bekommen-ist es das nicht wert?


Ein Hobby braucht der Mann

Auch ein Vater braucht mal eine Pause- Zeit, die nur ihm allein gehört und in der er die Familie einmal hinter sich lassen kann.
Ein kleines Hobby ist der perfekte Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag und bringt obendrein noch eine Menge Spaß und Vergnügen. Und dabei ist es egal, welcher Freizeitbeschäftigung  Sie nachgehen. Die Hauptsache ist, dass Sie sich die Zeit nehmen und einmal nur an sich denken. Das hilft, den Kopf wieder frei zu bekommen und verschafft Ihnen neue Energie für das manchmal recht anstrengende Familienleben.
Natürlich sollten Sie darauf achten, dass Ihre persönliche Leidenschaft nicht so viel Zeit, Aufmerksamkeit und Energie in Anspruch nimmt, dass sie einen Großteil ihrer Freizeit beansprucht.
Das wäre dann eher kontraproduktiv für Ihr Familienleben und birgt immer die Gefahr einer Entfremdung von der Familie.
Falls Sie natürlich der Meinung sind, ohne ihre Partnerin nichts allein unternehmen zu wollen, da Ihre Freizeit ohnehin schon knapp bemessen ist- wie wäre es dann mit einem gemeinsamen Hobby? Dies schafft auch zusätzliche Nähe zu Ihrer Partnerin. Zusammen tolle Ereignisse zu erleben oder Erfolge zu feiern, hat darüber hinaus auch etwas sehr verbindendes.

Und für den Fall, dass sie noch keiner Freizeitaktivität nachgehen, finden Sie unter folgendem Link Vorschläge von Hobbys, die Frauen bei Männern besonders attraktiv finden. Vielleicht ist ja etwas für Sie dabei…

http://www.focus.de/service/statistik/liebe-und-partnerschaft/partnerschaft-diese-hobbys-machen-maenner-attraktiv_aid_443933.html

 

Freundschaften pflegen

So knapp Ihre Zeit durch das neue Kind auch sein mag – versuchen  Sie trotz allem, auch den Kontakt zu Ihren Freunden zu halten. Gute Freunde werden Verständnis haben, wenn Sie nun nicht mehr jedes Wochenende mit ihnen um die Häuser ziehen können. Einige von ihnen sind vielleicht bereits Väter, die wissen, was Ihnen im Kopf herum geht. Mit echten Freunden können Sie über Ihre Situation und Ihre Sorgen sprechen – oder auch einfach einmal gemeinsam mit Ihnen abschalten. Vielleicht merken Sie in schwierigen Situationen, wer Ihre echten Freunde sind und wer nicht.

Nehmen Sie sich ab und zu die Zeit für einen Abend mit Ihren Freunden, auch, wenn Sie erschöpft sind und lieber auf der Couch liegen bleiben würden. Das Treffen wird Sie ablenken und Ihnen gut tun – wo sonst darf man denn auch ab und zu stolzer Vater sein?
Geben Sie auch Ihrer Partnerin die Gelegenheit, sich ab und zu ohne Kind mit ihren Freundinnen zu treffen und etwas auszuspannen. Wechseln Sie sich einfach mit der Kinderbetreuung ab. Sie wird es zu schätzen wissen.

 

Nachtrag

Thomas und Susanne haben beide einen neuen Lebenspartner gefunden. Susanne zog  mit den beiden Kindern in eine eigene Wohnung und geht nun mit viel Freude und Energie ihrer Arbeit und ihrem Hobby, der Malerei, nach. Auch Thomas frönt wieder seiner Leidenschaft, dem Motorrennsport und trifft sich häufiger mit den alten Kumpels seiner Clique.

Susanne und Thomas haben wieder ein freundschaftliches  Verhältnis zueinander, mehr noch, Susanne spricht sogar von einem „…tiefen Vertrauensverhältnis, trotz unserer Differenzen…“. Und natürlich sind beide, wie eh und je, für ihre Kinder da.

Ihr eigentliches Ziel, den Erhalt ihrer Ehe, haben sie jedoch nicht erreicht und das oft zitierte „Bis dass der Tod uns scheidet!“ ist nur noch eine wehmütige Erinnerung.

Liebe Väter, machen Sie es besser! Bei aller Liebe  zu Ihren Kindern: Denken Sie auch an sich und vor allem an Ihre Partnerschaft.
Viel Glück und viel Erfolg dabei wünscht Ihnen von ganzem Herzen die Redaktion von vaterfreuden.de !
 

 

Zum Schluss noch ein paar hilfreiche Links aus einer Blogparade zum Thema „Männlichkeit“. Diese können Dir eine Anregung sein, wie Du Deine eigene Rolle als Vater und Mann definierst:

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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