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15 Januar, 2017 - 00:20
 

Kinder gewinnen lassen – der richtige Weg?

Das Leben ist hart. Das erfahren auch unsere Kinder früher oder später und es ist sinnlos, sie davor bewahren zu wollen. Vielmehr kommt es auf die richtige Vorbereitung an, das wissen alle Eltern. Doch wie sieht die genau aus? Müssen wir unseren Nachwuchs so früh wie möglich auf die Tücken des Lebens vorbereiten oder sollten sie so lange wie irgend möglich davon abgekapselt werden? Und lassen wir unsere Kinder beim Spielen besser gewinnen oder ist schon die Niederlage im Spiel eine wichtige Erfahrung, die Kinder stärker macht?

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Kinder beim Spiel gewinnen zu lassen, ist bei weitem nicht so einfach, wie Sie sich die Sache möglicherweise zunächst vorstellen mögen. Die Diplom-Psychologin Annette Kast-Zahn bringt die Problematik grundsätzlich auf den Punkt, wenn sie sagt, dass es kein Problem darstellt, das Kind zuweilen gewinnen zu lassen. Man sollte jedoch ein paar Punkte beachten – und bedenken.

 

Gewinnen lassen will gelernt sein!

Nicht nur Kast-Zahn ist der Meinung, dass es völlig in Ordnung ist, das Kind beim Spielen hin und wieder gewinnen zu lassen. Sie sollten sich dabei jedoch geschickt anstellen. Ein Kind merkt schnell, dass irgendetwas faul an der Sache ist, wenn es immer gewinnt. Die an sich löbliche Freude über den Erfolg wird so getrübt, der gegenteilige Effekt dessen erreicht, was Sie eigentlich wollten. Das Gleiche gilt für die Spielregeln. Wenn Sie diese immer wieder anpassen und verändern, damit Ihr Kind beim Spielen gewinnen kann, wird sich das Kind über kurz oder lang gewissermaßen betrogen fühlen. Gewinnen, das bedeutet schließlich, etwas Besonderes zu sein, besser zu sein als die Mitspieler. Das Selbstwertgefühl wird aber nur dann auch wirklich gestärkt, wenn das Kind den Erfolg nicht als „Fake“ erkennt. 

 

Verlieren will ebenfalls gelernt sein!

Für alles im Leben gilt: Man kann alles auch übertreiben. Wenn Sie Ihr Kind immer gewinnen lassen - und es so anstellen, dass der Nachwuchs den Trick nicht bemerkt - ist das zwar gut für das Selbstwertgefühl, also generell unterstützenswert. Dennoch ist auch die Niederlage Bestandteil des Lebens, ein Kind muss lernen, damit umzugehen. Wenn es um Spiele geht, die einen Wettbewerbscharakter haben, muss Ihr Kind also auch das Gefühl der Niederlage empfinden können, ohne dadurch völlig aus der sprichwörtlichen Bahn geworfen zu werden. Kinder, die beim Spielen von „Mensch ärgere Dich nicht“ wutentbrannt die Figuren vom Tisch fegen, wenn sie nicht gewinnen, müssen dringend die Erfahrung machen, dass Verlieren zum Leben dazugehört. Und dass es kein Weltuntergang ist. 

 

Elegante Alternativen

Besonders wenn Kinder noch klein sind, haben sie objektiv betrachtet oft keine Chance zu gewinnen. Das kann im Zweifel zu extremem Frust führen. Doch spielen sollen Kinder auf jeden Fall, auch Spiele, bei denen es um Wettbewerb geht. Es gibt durchaus eine Möglichkeit, dem Nachwuchs eine faire Chance zu geben, solange Sie es ihm erklären:

  • Besprechen Sie zum Beispiel mit Ihrem Kind, dass es bei einem Brettspiel einige Felder vor Ihnen starten kann.
  • Machen Sie deutlich, dass diese Maßnahme nur fair ist, denn Sie haben das Spiel schon viel häufiger gespielt als Ihr Kind. 
  • Entscheidend ist die Nachvollziehbarkeit der Regeländerung und die Tatsache, dass Sie die Regeln gemeinsam ändern. Erhält das Kind den Vorsprung irgendwann nicht mehr, weiß es, dass es besser geworden ist, selbst wenn es nicht gewinnt.

 

Wer am besten verliert, gewinnt!

Was sich auf den ersten Blick merkwürdig anhört, kann durchaus Sinn ergeben. Sie können beispielsweise zusätzlich zu einem Spiel ein weiteres, quasi als zusätzlichen Spielbaustein, erfinden. Dabei geht es darum, wer am besten verlieren kann. Ziel und Zweck des Spielbausteins ist es, mit einer Niederlage souverän umzugehen. Wer also nach einer Niederlage nicht meckert, weint oder schimpft, hat gewonnen. So wird eine Niederlage doch noch zu einem Erfolg und Ihr Kind lernt nebenbei, dass es nicht schlimm ist zu verlieren. Es muss nicht weiter erwähnt und betont werden, dass Sie beim „Besser-verlieren“ gern Ihr Kind gewinnen lassen können. Zeigen Sie sich ruhig ungnädig, wenn Sie das Spiel verlieren, so sieht der Nachwuchs, wie ein schlechter Verlierer aussieht. Wahrscheinlich wird Ihr Kind sogar eine Menge Spaß daran haben. 

 

Es muss nicht immer einen Gewinner geben

Spiele, die es darauf anlegen, einen Gewinner hervorzubringen, sind glücklicherweise nur ein Teil dessen, was es in der Welt der Spiele gibt. Daher können Sie -und das empfiehlt sich!- auch auf Spiele ausweichen, bei denen es nicht darum geht, am Ende Gewinner und Verlierer zu haben. Puzzle gehören in diese Kategorie, sie schulen Geduld und Kombinationsgabe. Aber auch die gemeinsame Schatzsuche kann aufregend und spannend sein oder gemeinsam etwas zu bauen, nachdem man es vorher zusammen geplant hat. 

 

Spielen Sie gegen das Spiel

Eine weitere Alternative von Spielen sind solche, bei denen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind spielen. So kann es zum Beispiel darum gehen, gegen den „bösen Zufall“ zusammen zu spielen und zu gewinnen. Oder eben zusammen zu verlieren. Zu zweit eine Niederlage einzustecken ist leichter, als alleine damit umgehen zu müssen, das kennen wir aus anderen Lebensbereichen zur Genüge. Zudem sieht Ihr Kind, wie Sie mit der Niederlage umgehen und kann sich an Ihrem Verhalten orientieren. Es ist nicht schlimm zu verlieren. Es ist eher schlimm, Kindern das Gefühl zu vermitteln, sie seien unbesiegbar. Denn das sind sie nicht. Auch wenn wir uns das insgeheim natürlich häufig wünschen würden. 

 
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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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