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21 April, 2016 - 17:10
 

Einfach mal Langeweile – Nichtstun als Basis für kindliche Kreativität

Für Kinder, aber auch für die Eltern ist Langeweile kaum auszuhalten. Weiß der Nachwuchs nichts mit sich anzufangen, dann legen sich Eltern mächtig ins Zeug, um diesen nervigen Zustand zu beenden. Allerdings hat die Sache einen Haken: Je mehr Eltern ihre Kinder beschäftigen, umso mehr sinkt die kindliche Eigeninitiative.

© saiyood - Fotolia.com

Nichts tun gilt als vergeudete Zeit – dieses Credo ist in unseren schnelllebigen Tagen und in einer Welt, in der es auf Produktivität und Leistung ankommt lauter denn je. Und so beschäftigen wir auch unsere Kinder von klein auf – mit „nützlichen“ Dingen. Das beginnt mit pädagogisch wertvollem Spielzeug und frühkindlichen Fördergruppen und zieht sich durch die ganze Schulzeit. Gibt es einmal keinen Input von außen, stellt sich beim Kind Langeweile ein – die wiederum schnellstens durch neue Aktivitäten behoben werden soll.


Langeweile? Geht gar nicht!

Was Friedrich Nietzsche noch so poetisch als „Windstille der Seele“ bezeichnet hat, ist heute häufig verpönt. Langeweile, Muße, Nichtstun müssen so schnell wie möglich beseitigt werden. Wer diesen Zustand pflegt und genießt, ist schnell ein Faulenzer und Schmarotzer. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft beziehen wir unsere Existenzberechtigung nicht aus unserem bloßen Vorhandensein, sondern aus dem, was wir leisten. Der Glaubenssatz, dass Langeweile und Nichtstun „schlecht“ sind und derjenige der sich langweilt weniger wertvoll, wird uns in der Kindheit bereits eingepflanzt und so leben wir ganz unbewusst danach und suchen nach Dingen und Tätigkeiten, die diesen verpönten Zustand möglichst schnell beenden.


Langeweile ist erlernt

Der Großteil aller Kinder kommt mit der Fähigkeit auf die Welt, sich selbst genug zu sein. Wer ein Baby beobachtet, wird feststellen, dass es ab einem gewissen Alter sehr intensiv mit sich selbst beschäftigt ist, seine Umwelt erkundet und im Grunde genommen ganz zufrieden und in seinem Tempo die Welt entdeckt. Wir Erwachsenen stören diese Moment vielfach und oft in ganz ungünstigen Augenblicken: Dem Kind, das gerade scheinbar gedankenverloren seine Finger betrachtet, drücken wir eine klappernde Rassel in die Hand, dem Baby, das abends zum Schlafen gelegt wird, soll die Spieluhr oder das bewegliche Mobile beim Einschlafen helfen und es ruhig halten. Mit dem häufigen Eingreifen der Eltern wird der Grundstein zur Langeweile gelegt. Das Kind gewöhnt sich daran, dass es Anregungen und Input nicht selbst entdeckt, sondern sie ihm sozusagen auf dem Tablett in bequemer Reichweite serviert werden. Kommt dann noch Kritik hinzu, wenn das Kind sich mit einfachen Dingen beschäftigt oder in seine eigene Welt versunken ist, wird ein Glaubenssatz bestärkt, der da in etwa lautet: Ich muss etwas Sinnvolles tun!


Langeweile – vom Wert des Nichtstuns

Langeweile nervt, das wissen die meisten Erwachsenen und bereits kleine Kinder kennen heute diesen Zustand. Die Folgen sind Unruhe, schlechte Laune und beim Kind anstrengende Quengelei oder der Hang zum groben Unfug. Das Ziel aller Betroffenen: diesen Zustand schnellstmöglich zu beenden und die „leere“ Zeit mit Aktivitäten oder Input anzufüllen. Doch was passiert, wenn diese Zeit einmal nicht gefüllt wird, wenn Eltern und Kinder diesen Zustand einfach aushalten und auf einen eigenen Impuls warten? Dann kommt oft ein ungeahntes Maß an Kreativität und Eigeninitiative zum Vorschein. Aus der Leere entwickeln sich eigene Ideen und was eben noch Langeweile war ist plötzlich freie Zeit, die mit befriedigenden und vielleicht sogar hochproduktiven Tätigkeiten angefüllt ist. Das eben noch quengelig-gelangweilte Kind ist über Stunden beschäftigt und wächst aus sich selbst heraus. Aus der Langeweile heraus lernen Kinder ihr Potenzial kennen, stärken ihre Fähigkeit aus sich selbst heraus etwas zu schaffen und beziehen daraus Selbstbewusstsein und eine stabile und realistische Selbstwahrnehmung.

Langeweile ist die Basis für freies Spielen und die Entfaltung der Fantasie. Gerade vielbeschäftigte Kinder empfinden Langeweile als etwas Negatives. Die Kinder haben regelrecht verlernt, ihre Zeit aus eigenem Antrieb und aus sich heraus zu gestalten. Als Eltern können Sie hier die Weichen wieder richtigstellen: Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genug freie Zeit hat und halten Sie die Langeweile Ihres Kindes einfach mal für eine Weile aus. In der Regel wird nach einiger Zeit ein Eigenimpuls folgen, der Ihrem Kind wirklich wertvolle Zeit mit sich selbst beschert und seine Entwicklung ausgesprochen positiv unterstützt.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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