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16 Januar, 2017 - 10:50
 

Wie lernen Kinder? Wie können Eltern sie unterstützen?

Wenn wir sehen, wie schnell und viel unsere Kinder in den ersten Lebensjahren lernen, kommen wir leicht ins Staunen. Dabei kommt bei unseren kleinen Genies längst nicht nur eine Lernmethode zum Tragen. Neben dem „Trial and Error“ Prinzip lernen Kinder vor allem durch Verstärkung und durch Beobachtung und Nachahmung.

© Daniel Fuhr - Fotolia.com

Lernen – was ist das eigentlich? Im Großen und Ganzen sprechen wir immer dann vom Lernen oder vom Lerneffekt, wenn wir uns etwas aneignen, was wir vorher nicht konnten oder wussten. Lernen ist also nur in Situationen möglich, in denen uns etwas Neues und noch nicht Dagewesenes begegnet. Kindern geht es ständig so und als Eltern können wir durch die Schaffung von Anreizen und bestimmten Situationen die Lernerfolge des Kindes vergrößern. Den Lernerfolg misst man übrigens an der jeweiligen Verhaltensänderung. Erst dann ist „bewiesen“, dass ein Kind oder ein Mensch etwas Neues gelernt hat.


Immer rein damit? Warum Lernen nach dem Sender-Empfänger-Modell nicht wirklich funktioniert

Im Schulsystem ist das Sender-Empfänger-Modell immer noch weit verbreitet. Per Frontalunterricht wird dem Kind theoretisches Wissen vermittelt, dass es allerdings häufig nicht oder nur eingeschränkt umsetzen kann. Der Effekt: Es handelt sich dabei lediglich um auswendig Gelerntes, das in der Praxis wahrscheinlich nicht wirklich angewandt werden kann. Der entscheidende Fehler beim „Eintrichtern“ von Wissen ist, dass Wissen niemals durch sprachliche Vermittlung von außen nachhaltig verankert wirkt. Der Lerneffekt entsteht erst dann, wenn das gehörte oder gelesene Wissen praktisch ausprobiert wird.


Trial and Error – Lernen durch Ausprobieren

Babys und Kleinkinder, die noch nicht ohne weiteres von der Sprache beeinflussbar sind, lernen deshalb direkt und praktisch nach dem „Trial and Error“ Prinzip. Sie probieren aus und haben Erfolg oder Scheitern. Dadurch erfahren Sie immer mehr, wie die Umwelt und sie selbst funktionieren. Sie entwickeln neue Fertigkeiten und lernen die eigenen Fähigkeiten und Grenzen kennen. Das Lernprinzip Versuch und Irrtum wenden Kinder in allen denkbaren Situationen an: Sei es, dass sie Mama und Papa dazu überreden wollen, noch mehr Süßigkeiten rauszurücken oder einen Bauklötzchenturm so hoch wie möglich zu errichten. Das Kind probiert und scheitert und probiert weiter, bis es Erfolg hat. Diese Lernaufgaben können sich in kurzen Zeiträumen abspielen oder über Tage, Wochen und Monate hinziehen, je nachdem, wie komplex das zu Lernende ist.


Ist die erfolgreichste Variante gefunden, ist das Kind jedoch noch längst nicht fertig. Die empirisch entdeckte Methode wird wieder und wieder auf Ihren Erfolg hin überprüft. Denken Sie zum Beispiel an das Spielzeug, das immer und immer wieder aus dem Kinderwagen fällt – Ihr Kind will Sie damit nicht ärgern, es forscht und lernt im Zweifel etwas darüber, wie die Erwachsenen funktionieren.


Lernen durch (positive) Verstärkung

Dieses Prinzip des Lernens können sich Eltern zunutze machen, um Ihr Kind in bestimmte Richtungen zu lenken. Beim Lernen durch positive Verstärkung wird „richtiges“ Verhalten durch angenehme Folgen belohnt, negatives Verhalten wird ignoriert. Besonders der zweite Punkt ist wichtig, denn sonst kann ein Kind gerade durch dieses Prinzip unangemessene oder unerwünschte Verhaltensweisen verinnerlichen. Wird zum Beispiel ein Kind bei jedem Wutanfall durch Schokolade oder Geschenke besänftigt, lernt es, seine Wut als Mittel zum Zweck einzusetzen. Aus dem Lerneffekt entsteht so schnell eine Verhaltensweise bzw. Angewohnheit, die nicht erwünscht ist.


Lernen am lebenden Modell

Kinder beobachten ihre Eltern und Erwachsene und ahmen deren Verhalten nach. Hier findet Lernen in hohem Maße statt, denn als „Modelle“ werden in der Regel die Menschen eingesetzt, die das Kind liebt und die einen Vorbildcharakter haben. Beim Modell- oder auch Beobachtungslernen finden verschiedene Prozesse statt. So werden neue Verhaltensweisen aufgebaut, die das Kind so vorher noch nicht kannte; bestehende Verhaltensweisen können sich verändern, zum Beispiel auch durch das Hinzuziehen der positiven Verstärkung. Weiterhin können die „Modelle“ auch Reize geben, die das Anwenden bereits erlernter Verhaltensweisen erleichtern bzw. hervorrufen.


So unterstützen Sie Ihr Kind beim Lernen

Den Akt des Lernens muss Ihr Kind alleine stemmen, Sie können allerdings ein Umfeld schaffen, dass das Lernen fördert und dem Kind viele Anreize und Möglichkeiten bietet:

 

  • Schaffen Sie eine sichere Atmosphäre und Umgebung, in der Ihr Kind sich angstfrei ausprobieren kann.
  • Schenken Sie den Lernprozessen Ihres Kindes Aufmerksamkeit und stehen Sie als Ansprechpartner zur Verfügung.
  • Vertrauen Sie der Kompetenz Ihres Kindes und lassen Sie es vieles eigenständig ausprobieren.
  • Schaffen Sie eine Umgebung mit Reizen, die zum Ausprobieren und Lernen anregen.
  • Spielen Sie mit Ihrem Kind.
  • Gehen Sie freundlich und liebevoll mit Fehlern und Niederlagen Ihres Kindes um.
  • Sorgen Sie dafür, dass Lernen immer auch mit Spaß und Freude verbunden ist.

Unsere Kinder bringen große Potentiale mit. Je freier sie sich bewegen und je unbeschwerter sie sich ausprobieren können, umso befriedigender und nachhaltiger sind die Lernerfolge. Vor allem lernt Ihr Kind auch seine eigenen Fähigkeiten und Talente kennen und entwickelt daraus ein gesundes Selbstbewusstsein und eine lebensbejahende Einstellung.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de