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9 Mai, 2016 - 08:45
 

Warum andere Kinder für Ihr Kind so wichtig sind

In den ersten Lebensmonaten sind die Eltern der Nabel der Welt für ihr Kind. Dies ändert sich mit zunehmendem Alter und das ist auch gut so. Denn der Umgang mit anderen Menschen, vor allem auch mit anderen Kindern, ist ein Übungsfeld, auf dem Kinder die ganze Komplexität der menschlichen Kommunikation kennenlernen können.

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Mit etwa drei Jahren beginnen Kinder, aktiv mit anderen Kindern zu spielen. In der Zeit davor beschränkt sich die Kontaktaufnahme meist auf ein nebeneinanderher spielen, echte Interaktionen sind selten. Und doch, schon in dieser Zeit der ersten Spielversuche profitieren Kinder davon, sich mit ihren Altersgenossen auseinanderzusetzen.


Entwicklung des Sozialverhaltens

Bis das Sozialverhalten eines Kindes voll entwickelt ist, ist es fast erwachsen. Denn der Kontakt unter Menschen ist vielfältig und es gilt, sich auf immer neue Situationen einzustellen, sie zu beurteilen und angemessen zu handeln. Die ersten Schritte gehen Kinder mit den Eltern, spätestens im dritten Lebensjahr beginnen sie, zusammen mit anderen Kindern diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Für uns sieht es aus wie zielloses Spielen oder überflüssige Streitereien. Was tatsächlich passiert, ist für Kinder echte Arbeit, denn sie lernen jede Menge:

  • Kontaktaufnahme: Wie gehe ich auf andere zu, welche Handlungen rufen das gewünschte Ergebnis hervor. Die Kinder testen dabei alle Möglichkeiten aus. Wie klappt es, wenn man einem anderen Kind etwas schenkt, was passiert, wenn man ihm etwas wegnimmt. Dabei lernt das Kind auch, dass nicht alle Kinder gleich reagieren.
  • Konflikte lösen: Nicht selten gibt es heftige Streitigkeiten unter Kindern, die leicht in Handgreiflichkeiten ausarten. Vor allem dann, wenn solche Konflikte von Erwachsenen behutsam begleitet werden, lernen Kinder unglaublich viel. Wie setze ich am besten meine Meinung durch? Reden ist oft besser als Hauen und Stechen. Manchmal erreicht man sein Ziel einfacher durch teilweises Nachgeben als durch trotzige Reaktionen.
  • Mitgefühl: Auch das lernen Kinder am besten im Kontakt mit anderen, denn sie können sich in viele Situationen gut hineinversetzen. Die Puppe geht kaputt, Lisa schlägt sich das Knie auf, das Schreibheft wird durch einen Tintenklecks ruiniert. Allerdings ist auch hier wieder eine einfühlsame Begleitung durch Erwachsene erforderlich, damit das Kind nicht in Schadenfreude verfällt.
  • Rücksichtnahme: Hier profitieren die Kinder ebenso vom Zusammensein mit anderen Kindern, denn die Rücksichtnahme geschieht sozusagen auf Augenhöhe. Besonders beeindruckend entwickeln sich diese Fähigkeiten in Integrationskindergärten. Dort erfahren die Kinder, dass es Handicaps gibt, die die Handlungsfähigkeit anderer maßgeblich beeinträchtigt, wenn zum Beispiel ein Kind im Rollstuhl sitzt, an Spastiken leidet oder nicht richtig gehen kann.

 

Begegnung auf Augenhöhe

Im Umgang mit anderen Kindern erlebt Ihr Kind zum ersten Mal, dass es auch andere gibt, die ihm ähnlich sind, ähnlich denken und fühlen und ähnliche Erfahrungen machen. Es trifft auf eine Welt, die es im Gegensatz zu der der Erwachsenen versteht und nachfühlen kann, denn es ist Teil davon. Es vergleicht sich und andere Kinder, erlebt, dass es anderen ähnlich geht und dass auch andere Kinder siegen oder scheitern. Gleichzeitig kann es besser ermessen, wie seine eigenen Fähigkeiten entwickelt sind. Das ist als Zusatz zum positiven Feedback der Eltern enorm wichtig, denn es bekommt nicht nur Bestätigung von außen, sondern entwickelt ein eigenes Gefühl für sich selbst.

Und es bekommt Anregungen, die ihm Erwachsene nicht geben können. Denn Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, sind offener für Wunder und neugierig auf die Möglichkeiten, die das Leben bietet. Wenn Kinder im Spiel versunken sind, ist nichts unmöglich. Der Sandkasten wird zum Wunderland, die Pfütze in der Wiese zum unendlichen Atlantik, auf dem die Schiffe dahin segeln, wo sie wollen. Gemeinsam erschaffen Kinder in ihrer Fantasie Welten und erweitern dadurch gleichzeitig ihren Horizont und schulen die Kreativität.


Schwierige Phasen

Auf dem Weg zum erwachsenen sozialen Wesen machen Kinder auch immer schwierige Zeiten durch. Meist verstehen wir gar nicht, was eigentlich in unser sonst so kooperatives Kind gefahren ist: Plötzlich will es nicht mehr teilen, schlägt um sich, zettelt sinnlos Streitigkeiten an. Diese Phasen sind – außer es gibt gerade gravierende familiäre oder sonstige Probleme – Testläufe, Versuchsreihen, in denen das Kind erprobt, was passiert, wenn es sich plötzlich ganz anders verhält. Hier sollte ein Kind von Eltern und anderen Bezugspersonen ein klares Feedback, aber auch Unterstützung bekommen. Wer streitet und nicht teilen möchte, bleibt allein. Diese Erfahrung macht Ihr Kind und wenn die Entwicklung nicht gebremst wird, kann sich das langfristig negativ auswirken. Es wird nicht mehr gemocht und hat keine Spielpartner mehr. Manchmal ist es nicht leicht, aus so einer Situation wieder herauszukommen. Damit es nicht in diesem kontraproduktiven Verhalten stecken bleibt, sollten Sie ihm helfen, wieder umzuschwenken. Erklären Sie ihm die Wirkung seines Verhaltens und unterstützen Sie es dabei, wieder einzulenken. So kann die Freundin, mit der Ihr Kind plötzlich gezickt hat, einfach mal zum Spielen am Nachmittag eingeladen werden oder ein weggenommenes oder zerstörtes Spielzeug wird zurückgegeben oder ersetzt.

Ihr Kind lernt viel in seinen ersten Lebensjahren. Ein guter Kindergarten und eine behutsame Begleitung durch die Erwachsenen kann seine Entwicklung hier positiv unterstützen. Und wie immer gilt: Ein Kind gibt das weiter, was es von den Eltern lernt – auch an andere Kinder. Deshalb sind die Eltern ein entscheidender Maßstab dafür, mit welchen Voraussetzungen sich das Kind an die große Aufgabe macht, soziales Verhalten zu lernen.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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