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16 September, 2016 - 23:08
 

Jugend und Karriere: Lebenslauf mit Ecken und Kanten

Schule, Ausbildung, Übernahme im Betrieb. Und dann arbeitet man 45 Jahre lang im selben Unternehmen, um sich in aller Ruhe einen schönen Lebensabend mit einer komfortablen Rente zu machen. Das war einmal! Die heutige Realität sieht gänzlich anders aus. Jugendliche haben andere Pläne, wollen Erfahrungen sammeln und sich nicht für den Rest Ihres Lebens festlegen. Gleichzeitig spüren sie einen enormen Druck.

© detailblick - Fotolia.com

Wohin soll die Reise bloß gehen? Reicht ein guter Schulabschluss, um eine Ausbildung zu machen und auf einen halbwegs sicheren Job zu hoffen? Oder ist ein langes Studium vielleicht doch die bessere Lösung? Dann wären je nach Fachrichtung auch Auslandspraktika sinnvoll, schließlich steigen dadurch die Chancen, später eine gut bezahlte Anstellung zu bekommen. Andererseits: sicher ist das alles irgendwie auch nicht, und womöglich endet man als ewiger Praktikant in einer Werbeagentur oder wird von Firma zu Firma geschickt – stets mit befristeten Verträgen und ohne Hoffnung auf langfristige Planungssicherheit. 

 

Sicherheit in der Einbahnstraße?

Jugendliche brauchen Sicherheit. Das ist heute noch viel stärker ausgeprägt als vor 20 Jahren. Der Arbeitsmarkt ist international geworden, die Anforderungen steigen ständig. Flexibilität und die Fähigkeit, sich immer weiter zu entwickeln, sind gefragt. In einer schnelllebigen Welt ist es nur nachvollziehbar, dass der Wunsch nach einem langfristigen Job die Jugend beschäftigt. Aber eben dieser Wunsch führt zu innerem Druck, letztlich auch, weil der Weg in die Einbahnstraße früher einmal einer war, der oft gut funktionierte. In der modernen Welt dagegen kann er schnell in einer Sackgasse enden. Innehalten, sich umsehen, nach anderen Richtungen suchen, das kann jungen Menschen dabei helfen, aus der Gefahrenzone Einbahnstraße herauszukommen. Und womöglich einen Weg einzuschlagen, der zwar nicht geplant war, aber neue Möglichkeiten bietet.

 

Step by Step statt exakter Planung 

Das Leben ist kein Picknick. Das Berufsleben schon gar nicht. Ein minuziöser Plan für die nächsten 5, 10 oder gar 20 Jahre ist daher in der modernen Welt unrealistisch. Doch genau das wünschen viele Jugendliche sich, und das ist mehr als nachvollziehbar. Je unsicherer die Rahmenbedingungen sind, desto größer ist das Sicherheitsbedürfnis. Doch so funktioniert es nun einmal in aller Regel nicht. Die Bewerbungsexpertin Sabine Neumaier rät daher, in Etappen zu denken, um sich erstens den Druck zu nehmen und zweitens offen zu bleiben. Ein allzu fixierter Blick auf Wünsche und Pläne kann dazu führen, dass die Augen vor anderen Entwicklungen verschlossen werden. Neumaier sagt:Erstmal macht man vielleicht eine Ausbildung zum Hotelkaufmann – danach kann man immer noch etwas dranhängen oder sich neu entscheiden.“

 

Der Knick im Lebenslauf stört weniger als gedacht

Jugendliche spüren einen starken Druck auf ihren Schultern lasten (siehe hierzu auch unseren Artikel über die aktuelle Sinus-Studie). Das kann einerseits kaum verwundern, ist jedoch nicht immer notwendig. Der Knick im Lebenslauf beispielsweise hat heute eine ganz andere Bedeutung als vor 20 Jahren. Geradlinigkeit, das war früher etwas, das die meisten Arbeitgeber als eine Tugend angesehen haben. Häufiges Wechseln des Arbeitsplatzes oder gar berufliche Neuorientierung war nicht gern gesehen. Es war ein Zeichen von Unbeständigkeit und ließ den Verdacht zu, dass jemand nicht in der Lage ist, an einer Sache konsequent zu arbeiten. Auf ganzer Linie richtig waren diese Interpretationen schon damals nicht. Heute aber spielen sie immer seltener überhaupt eine Rolle. Im Gegenteil - viele Arbeitgeber schätzen es, wenn sich Bewerber nicht früh festgelegt haben. Es zeigt die geistige Beweglichkeit eines Menschen. 

 

Besser ehrlich sein

Bewerbungstrainer gibt es wie Sand am Meer. Kein Wunder, eine Bewerbung muss zeitgemäß sein, die Unternehmen achten sehr darauf, ob auf gewisse Faktoren geachtet wurde oder nicht. Die Bewerbung entscheidet letztlich darüber, ob es überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch kommt. Trotz aller gut gemeinten Ratschläge sollten Jugendliche auf eines aber keinesfalls verzichten: auf Ehrlichkeit. Einen Lebenslauf, dem es an Geradlinigkeit fehlt, mit mehr oder weniger kreativen Begründungen zu erklären, kommt meist schlechter an, als die Wahrheit zu sagen. Viele Chefs freuen sich sogar darüber, wenn ein Bewerber offen sagt, dass er früher Entscheidungen getroffen hat, zu denen er heute nicht mehr stehen kann. Diese Ehrlichkeit ist ein Zeichen von Entwicklungspotenzial und der Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren. Und sie wirkt authentischer als die beste Rhetorik. 

 

Chillig versus verkrampft

Die Bewerbungsexpertin Sabine Neumaier erkennt zwei Gruppen Jugendliche, wenn es um die Karriere oder Ausbildung geht. Die Jugendlichen der einen Gruppe lassen alles entspannt auf sich zukommen. Die anderen zeigen sich übermäßig ehrgeizig und aktiv. Es wäre ein Irrglaube, würde man annehmen, dass die hoch Motivierten unbedingt erfolgreicher sind mit ihrer Methode. Neumaier: „Die Super-Ehrgeizigen fangen an zu verkrampfen, wenn sie auf ihre Bewerbungen Absagen oder keine Antwort erhalten. Es fällt ihnen schwer, von ihrem Weg, den sie einschlagen wollen, abzuweichen.“ Dieser Druck führt zu Verkrampfungen und erschwert einen erfolgreichen Weg. Das chillige Gegenstück, das davon ausgeht, dass es „schon irgendwie alles klappt“, ist allerdings in den meisten Fällen auch nicht das Glückskind, dem alles in den Schoß fällt. Oft wird der richtige Zeitpunkt verpasst, um sich die so wichtigen Gedanken über die berufliche Zukunft zu machen. Die Wahrheit liegt also -wie so oft- in der Mitte. Wenn die Zukunft völlig in den Sternen steht und sich Ratlosigkeit breitmacht, ist der Weg zu einem professionellen Bewerbungsberater sicher sinnvoll. Für die allzu Entspannten. Und für die übermäßig Verkrampften. 

 

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