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30 Mai, 2017 - 22:10
 

Resilienz als Schlüssel für Erfolg im Leben: Mir kann niemand etwas!

Traumatische Erlebnisse wirken sich bei Menschen ganz unterschiedlich aus. Während die einen daran regelrecht zerbrechen können, gehen andere gestärkt aus Krisen hervor. Der Fachbegriff für diese Fähigkeit ist Resilienz. Doch ist sie naturgegeben oder kann sie auch erlernt werden?

© Аrtranq - Fotolia.com

Jack und Stanley waren dabei, als Hurrikan „Katrina“ New Orleans fast vollständig zerstörte. Beide verloren ihre Häuser, beide kamen mit Not, Elend und Tod in Berührung und mussten tatenlos zusehen, wie die Naturkatastrophe ihr Leben vollständig aus den Fugen geraten ließ. Jack hat sich davon nie wieder erholt, er leidet noch heute unter den Folgen von „Katrina“ und hat nicht wieder richtig Fuß fassen können. Der Hurrikan war für Jack nicht nur eine Katastrophe, sondern ein zerstörerischer Einschnitt in sein ganzes Leben, der noch heute nachwirkt.

Ganz anders lief es bei Stanley. Er hat fast Identisches erlebt wie Jack, doch heute geht es ihm wieder gut, sogar besser als je zuvor. Er hat sich etwas Neues aufgebaut und durch ein ungeheures Maß an Willenskraft die Katastrophe nicht nur überlebt, sondern ihr die kalte Schulter gezeigt. Wie kommt es, dass zwei Menschen so unterschiedlich auf ähnliche Krisen reagieren. Alleine die Kindheit kann als Erklärung nicht immer herhalten, weder bei Jack noch bei Stanley. Prominente Beispiele belegen das zusätzlich. Persönlichkeiten wie Hans-Olaf Henkel oder Gerhard Schröder beweisen das eindrucksvoll. Beide sind unter alles andere als optimalen Bedingungen aufgewachsen – sie waren Halbwaisen und lebten als Kinder teilweise von der Hand in den Mund -, es muss also eine andere Erklärung geben. Möglicherweise hilft das Fachgebiet der Resilienz weiter. 

 

Keine Zauberei, sondern der Glaube an sich selbst 

Welche Eigenschaften zeigen Menschen, die ein hohes Maß an Resilienz besitzen, in der Regel?

  • Menschen der Resilienz haben eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung. Was auf den ersten Blick klingt, als würden sie sich stark unter Druck setzen, meint das genaue Gegenteil, gemeint ist der Glaube an die Wirksamkeit ihrer Handlungen. 
  • Ihren Selbstwert koppeln sie nicht an Erfolge. Vielmehr schätzen sie sich realistisch ein und setzen sich Ziele, deren Erreichung keinen utopischen Charakter haben. 
  • Probleme oder Schwierigkeiten werden in erster Linie als Herausforderungen gesehen. Die Bewältigung gelingt leichter, denn in die Opferrolle begeben sich Menschen der Resilienz nicht oder nur kurz. Danach wird daraus aktives Verhalten, gepaart mit einem unbändigen Optimismus. 

Fehlt noch der Hinweis darauf, was Resilienz nicht bedeutet: Resilienz heißt weder, unverwundbar noch unangreifbar zu sein. Im Gegenteil, betroffene Menschen erkennen sehr wohl, wann sie an einem Punkt sind, der Hilfe verlangt. Sich diese Hilfe dann auch zu holen, ist Teil der Persönlichkeitsstruktur. 

 

Extreme Beispiele in der Forschung

Das Phänomen der Resilienz untersuchten die US-amerikanischen Psychologinnen Emmy Werner und Ruth Smith schon in den 1970 und 80er Jahren. Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, gingen sie dafür nach Hawaii, genauer: auf die Insel Kauai. Dort beobachteten sie 689 Kinder, die alle im Jahr 1955 geboren wurden. Nicht alle, aber einige dieser Kinder wuchsen unter erschwerten Bedingungen auf, zu denen ein geringes Maß an Bildung gehörte, aber auch Armut und psychische Erkrankungen der Eltern. Dass ein Teil der Kinder kriminelle Laufbahnen einschlug, war bei den schwierigen Rahmenbedingungen nicht verwunderlich. Doch ein anderer Teil der „Risikokinder“ konnte trotz ungünstiger Voraussetzungen der Kriminalität entkommen und entwickelte sich nicht nur gut, sondern ausgezeichnet. Auffällig für Werner und Smith war auch, dass erfolgreiche Kinder über gutes Aussehen verfügten, reichlich Temperament hatten und intelligent waren. Dabei spielte häufiges Lächeln eine wichtige Rolle, außerdem die Fähigkeit, eine gute Lesefähigkeit früh zu entwickeln und schnell Sprachfähigkeiten auszubauen. 

 

Mentoren sind wichtig

So unterschiedlich die untersuchten Kinder auch waren, jene mit Resilienz zeigten eine Gemeinsamkeit, die schon damals auffällig war und die es auch heute noch ist. Resiliente Menschen haben schon früh eine ihnen besonders wichtige Bezugsperson. Das müssen nicht Vater oder Mutter sein, auch ein Lehrer, Mentor oder guter Freund kann diese Rolle ausfüllen. Dabei geht es um Anteilnahme und um Unterstützung der Persönlichkeit, die heranwächst. So können auch Kinder mit beispielsweise depressiven Eltern als gesunde und erfolgreiche Menschen aus der Kindheit hervorgehen, so lange sie eine helfende Begleitung haben. 

 

Kann man Resilienz lernen?

Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene gilt: Vorhandene Resilienz schützt uns vor den gravierenden Folgen von Krisen. Die Frage liegt nahe, ob sie erlernbar ist. Das lässt sich so genau nicht sagen, bestimmte Fähigkeiten sind sicherlich vorhanden, andere nicht. Allerdings empfehlen Experten, schon bei der Erziehung Wert darauf zu legen, Kindern aufzuzeigen, was sie können und was sie schon alles erreicht haben, um so die Ressourcen zu schaffen, die später benötigt werden, um Krisensituationen unbeschadet zu überstehen. Auch die Mitgliedschaft in Vereinen kann helfen, Resilienz zu entwickeln, denn der Zusammenhalt und das Gemeinsame schaffen innere Kräfte und das Gefühl, nicht alleine zu sein. 

Jack, der an „Katrina“ zerbrach, hatte keinen Freund, der ihm in der Krise bei der Bewältigung half. Stanley hatte einen. Und bei aller Grausamkeit, die „Katrina“ damals mit sich gebracht hat – Stanley und seinen besten Freund hat sie noch näher zusammen rücken lassen.

 
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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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