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14 November, 2017 - 09:53
 

Gestatten? Papa, der Bad Cop der Familie

Kinder lehnen sich gegen ihre Eltern und deren Regeln auf, das ist ganz normal. Wenn es aber hart auf hart kommt, dann muss jemand notfalls konsequent auf die Einhaltung der Regeln achten. Bei uns in der Familie ist Papa der „Bad Cop“, der die Bühne betritt, wenn die Kinder es zu weit treiben. Kein Job, um den er sich gerissen hat, aber irgendwer muss ihn ja tun.

© bulentevren - Fotolia.com

Man kennt es aus Film und Fernsehen: Wenn ein Verdächtiger in die Zange genommen wird, dann gibt es in der Regel einen netten und einen weniger netten Polizisten, welcher sich anfangs meist im Hintergrund hält. Dieser „Bad Cop“ verkörpert die Konsequenz, falls der Verdächtige auf die Idee kommen sollte, nicht mit den Ermittlungen zu kooperieren. Bei uns in der Familie bin ich dieser Bad Cop. Wenn ich ins Spiel komme wissen die Kinder, dass die Herumzickerei ein Ende hat und der Spaß aufhört.

Wenn unsere Kinder zeitig fertig werden müssen, wenn sie zickig, übermüdet oder einfach nur quengelig sind oder es höchste Zeit ist, ins Bett zu gehen, dann schlägt im Zweifel Papas Stunde. Unsere große Tochter (4) weiß, dass Dinge dann umgesetzt werden und auch unsere Kleine (15 Monate) hat gelernt, dass es aus Papas Armen kein Entkommen mehr gibt, wenn es Zeit zum Schlafen ist – es wird so lange gesungen, getragen und gewiegt, bis die Augen zufallen.

Besetze ich die Rolle des „Bad Cops“, der im Krisenfall einschreiten muss, gerne? Habe ich mich darum gerissen, dass ich derjenige bin, der notfalls auch unpopuläre Maßnahmen durchsetzen muss? Nein, es hat sich einfach so ergeben.


Wie Papa zum Mann für die „harten Fälle“ wurde

Die erste echte Erziehungsmaßnahme, die wir als Eltern durchzogen, war der Auszug unserer großen Tochter aus dem Elternschlafzimmer mit etwa 14 Monaten bei gleichzeitigem Einstellen des nächtlichen Stillens. Es war klar, dass meine Frau unser Kind bei diesem Umzug nicht trösten könnte, denn einem Kind, das man zur Beruhigung in den Arm nimmt, dann die Brust zu verweigern, das wäre dann wirklich widersprüchlich gewesen. Also fiel die Wahl – auch auf Rat der Kinderärztin - auf Papa, das Kind in der Übergangszeit nachts zu beruhigen. Das funktionierte weit besser als gedacht. Das große Ziel vor Augen kam ich auch nicht in Versuchung, unseren Plan abzubrechen und das Kind wieder ins Elternbett zu holen.

Auch später zeigte sich, dass ich bei der Durchsetzung unserer Pläne konsequenter war als meine Frau: ich bin stärker (und kann die Kinder daher länger herumtragen), habe mehr Geduld und stärkere Nerven – gerade bei Protest gebe ich deutlich seltener nach.

Anfangs hatte ich Befürchtungen, ob mich meine Kinder noch lieben, wenn ich derjenige bin, der im Zweifel für die unerfreulichen Dinge am Tag zuständig ist. Zum Glück hat sich schnell gezeigt, dass spätestens am nächsten Morgen jeder Zorn auf den Papa vergessen ist. Das hat mich sehr beruhigt. Es scheint, dass unsere Kinder entweder an einer Art der „Kinder-Demenz“ leiden oder einfach nicht nachtragend sind. Ja, es scheint mir sogar so zu sein, dass mich meine Große für das, was ich tue, besonders respektiert. Sie tritt mir gegenüber selten fordernd auf und fragt stattdessen höflich, wenn sie etwas möchte. Ich höre ihr aufmerksam zu und erfülle ihren Wunsch, wenn er angemessen ist, gerne. Daraufhin genießt sie in der Regel ihr Erfolgserlebnis etwas mehr als üblich und wir sind alle zufrieden.


Bei aller Konsequenz ist mir das „wie“ besonders wichtig

  • Ich bin hart in der Sache, aber liebevoll in dem, wie ich die Dinge tue. Zuckerbrot und Konsequenz sozusagen. Es wird bei mir beispielsweise nicht darüber diskutiert, ob es in den Kindergarten geht. Daheim zu bleiben ist keine Option. Aber wenn mein Kind fragt, ob es etwas mitnehmen darf oder wir nach dem Kindergarten etwas Bestimmtes tun, dann lasse ich mit mir reden.
  • Dabei darf das Kind ruhig das Gefühl haben, „gewonnen“ zu haben. Das ist mir egal. Wenn es mir verspricht, sich abends brav fertigzumachen und ins Bett zu gehen, falls ich ihm eine bestimmte Geschichte erzähle, dann sehr gerne. Überhaupt sollte bei aller Konsequenz das Ziel im Mittelpunkt stehen.
  • Ein Tipp: geben Sie Ihrem Kind immer nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl – „möchtest Du X oder Y“? Ansonsten sind kleine Kinder sehr schnell überfordert. „Möchtest Du eine Hose oder ein Kleid anziehen? Dieses oder jenes Kleid?“ So kommen Sie schnell zu einem Ergebnis.
  • Wenn das Kind etwas nicht möchte, dann zeigen sie ihm einen Ausweg auf. „Möchtest Du lieber XY“? Ich persönlich achte darauf, dass der Ausweg für mich immer „einfach“ ist – ein anderes Buch zum Vorlesen (das eventuell kürzer ist), ein anderes Spiel oder ein anderes Essen (das schnell zuzubereiten ist).
  • Wenn das Essen auf dem Tisch steht und das Kind nichts essen möchte, dann gebe ich ihm auch da einen Ausweg – aber einen, der mir keine Arbeit macht. Ein Joghurt, Nüsse, die aufgewärmten Reste von gestern. Zum einen möchte ich mir nicht zusätzliche Arbeit machen und das Kind auch nicht für seine Aufsässigkeit belohnen. Andererseits soll das Kind auch nicht ohne Essen ins Bett – und uns Eltern dann nachts hungrig wecken.
  • Bei Dingen, die bei Ihnen gar nicht gehen, sogenannten „roten Linien“ sollten Sie in jedem Fall konsequent bleiben. Aber vielleicht bieten Sie ja auch hier Ihrem Kind einen Deal an. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Filme vor dem Schlafengehen und kein Handy oder Tablet im Bett. Stattdessen bieten wir unseren Kindern ein Hörspiel an, das sie im Bett hören können. Ebenso gibt es bei uns keine Süßigkeiten am späten Abend. Allerdings lege ich gerne für den nächsten Tag etwas in die „Schatzkiste“ des Kindes, wenn es brav ins Bett gegangen ist.
  • Ich versuche, nie laut zu werden, aber klare Ansagen zu geben.
  • Bei all dem ist mir wichtig, dass ich meinem Kind stets zeige, dass ich es liebe. Ich spreche mit meinem Kind auf Augenhöhe. Wenn mein Kind übermüdet ist und in den Arm genommen werden will, dann mache ich das auch. Wenn mein Kind in einer solchen Stimmung ist, dann trage ich es liebevoll ins Badezimmer, um es für die Nacht fertigzumachen und kuschele selbstverständlich noch etwas mit ihm.
  • Wenn mein Kind gar nicht zugänglich ist, eventuell sogar aggressiv wird, dann gibt es bei uns als letztes Mittel die „1-2-3-Methode“. Vorher versuche ich alles andere – einen Deal, einen Wettbewerb, die Bitte um einen Gefallen, alles. Wenn ich bis drei zähle, dann weiß meine ältere Tochter, dass der Spaß endgültig vorbei ist. Notfalls klemme ich sie mir unter den Arm und bringe sie auch gegen ihren Willen ins Bad – und anschließend ohne Geschichte ins Bett.
  • Zu guter Letzt: was es bei uns nicht gibt ist die Drohung: „Warte, bis der Papa…“ Diese Ansage ist auch völlig daneben.


Ein schmutziger Job, aber irgendwer muss ihn eben tun

Wie gesagt, ich habe mich nicht darum gerissen, der „böse Cop“ zu sein. Aber wie sagt man? „Es ist ein schmutziger Job, aber irgendwer muss ihn eben tun“. Die Rolle hat auch ihre Vorteile: die Kinder gehorchen, wenn sie sollen, und wir schaffen meist die Dinge, die wir uns vornehmen – so kommen wir etwa morgens rechtzeitig und ohne Geschrei aus dem Haus in Richtung Kindergarten.

Die Einhaltung gewisser Regeln ist einfach wichtig – vor allem für die Kinder, die zum Beispiel ihren Nachtschlaf brauchen, aber auch für uns Eltern. Dazu benötigt man hin und wieder einen konsequenten „Bad Cop“, der auf deren Einhaltung achtet. Schade, aber das ist eben so.


Wie ist es bei Euch? Wer ist bei Euch für die Einhaltung der Familienregeln verantwortlich? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de