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10 Mai, 2010 - 12:41
 

Männer im Kreißsaal – Pro und Contra

Für immer mehr werdende Väter ist es selbstverständlich, bei der Geburt ihres Kindes dabei zu sein und ihre Partnerin zu unterstützen. Es gibt jedoch auch Männer, die sich strikt dagegen aussprechen und auch viele Frauen wollen die Anstrengungen der Geburt lieber ohne den Partner durchstehen. Warum wollen manche Paare die Geburt unbedingt zusammen erleben und manche auf keinen Fall?

© Iosif Szasz-Fabian - Fotolia.com

Der werdende Vater – Wichtige Unterstützung vor, während und nach der Geburt

Sobald bei einer Frau die Wehen einsetzen, wird sie gewissermaßen handlungsunfähig. Dieser Zustand steigert sich in dem Maß, in dem die Geburtseinleitung weiter voranschreitet. Für viele Frauen ist es enorm wichtig, in diesen Momenten einen Menschen an ihrer Seite zu wissen, auf den sie sich verlassen können, der das Richtige zum richtigen Zeitpunkt tut. Optimalerweise ist dies der Partner, der diese Aufgabe umso besser bewältigt, je mehr er sich mit dem Thema beschäftigt hat.

Kurz vor der Geburt, spätestens, wenn die Frau dann im Kreißsaal ist, übernimmt die Hebamme die Verantwortung und auch die Hauptaufgaben beim Geburtsvorgang. Trotz allem ist der Partner immer noch ein Halt, der der Frau Kraft geben kann. Dies kann bis zu dem Punkt gehen, dass der Mann mit der Frau mitatmet und hechelt, kann sich aber auch nur darauf beschränken, dass sie sich an ihm festhalten kann oder einfach das Gefühl seiner Gegenwart als Sicherheit spürt. Ist das Kind dann da, kann der Vater die Erstversorgung im Kreißsaal übernehmen – natürlich mit Hilfestellung durch die Hebamme oder eine Kinderkrankenschwester – während die Frau versorgt wird. Dies schafft von Anfang an eine starke Bindung des Vaters zum Kind und erspart dem Baby einen ersten Besuch auf der Säuglingsstation. Die Sicherheit, dass der Partner das Kind in den ersten Minuten versorgt, entspannt wiederum die Frau.

Neben all den praktischen Gründen kann das gemeinsame Geburtserlebnis die Partnerschaft und Zuneigung vertiefen. Viele Männer berichten davon, wie sehr die Partnerin dadurch in ihrer Achtung gestiegen ist. Eine Geburt ist eine unglaubliche Leistung, bei der die Frau jegliche emotionale Unterstützung gebrauchen kann.
 

Väter im Schock – zu weich für den Kreißsaal

Aber auch das gibt es: Männer, die kein Blut sehen können, Frauen, die nicht wollen, dass ihr Partner sie in dieser – zugegebenermaßen von Körperflüssigkeiten und Geschrei geprägten – Situation erlebt. Für manche Frauen ist der Partner eine Belastung: Sie sorgen sich mehr darum, ob der werdende Vater angesichts der Dinge, die er sieht, hört und riecht umkippen könnte als sich auf die Geburt zu konzentrieren. Das ist für keinen gut, weder für Gebärende, Kind noch für den zukünftigen Vater.

Wenn ein Mann bereits im Vorfeld wenig oder keine Bereitschaft zeigt, bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein, sollte sich die werdende Mutter vielleicht nach einer anderen Vertrauensperson umsehen, die die Geburt begleitet. Manche Männer bekommen auch ein sexuelles Problem, wenn sie die Geburt begleiten. Der Anblick der weiblichen Geschlechtsorgane im Moment der Geburt stört dann das sexuelle Begehren für die Partnerin.* Ein Kind zu haben ist schwer genug und wenn diese Möglichkeit besteht, sollte der Mann ebenfalls davon absehen, die Geburt zu begleiten.



Der goldene Mittelweg


Wenn keine einvernehmliche Meinung darüber herrscht, ob der Vater nun bei der Geburt dabei sein soll oder nicht, gibt es verschiedene Variationen für die Gestaltung der Geburt. Gerade dann, wenn Männer sich vor Blut ekeln oder Bedenken wegen der späteren sexuellen Beziehung zur Partnerin haben, kann folgendes Vorgehen sinnvoll sein: Der Mann begleitet die Einleitung der Geburt. Wenn sich die Presswehen ankündigen oder die Fruchtblase platzt, dann verlässt er den Kreißsaal. Falls die Frau Unterstützung bei der Geburt möchte, kann nun eine andere vertraute Person einspringen. Ist das Baby geboren, dann übernimmt wiederum der Vater die Erstversorgung und genießt die ersten Minuten mit Partnerin und Neugeborenem.

Als werdende Eltern sollten Sie dieses Thema frühzeitig ansprechen und offen darüber reden. Äußern Sie Sorgen, Bedenken und Wünsche und ermöglichen Sie Ihrer Partnerin das gleiche. Auch ein ausführliches Gespräch mit der betreuenden Hebamme und eine ausführliche Aufklärung über den Geburtsvorgang kann die Entscheidungsfindung unterstützen.



Michael Mittermeier erzählt in seinem Buch „Achtung Baby“ von einem Gespräch mit Sportmoderator Marcel Reif, der ihm riet: „Michael, ein Tipp, ich habe zwei Kinder, hör mir zu: Wenn das Kind kommt, bleib beim Kopf, geh nicht nach unten, egal, was passiert, bleib beim Kopf! … Herr Mittermeier, bleiben Sie beim Kopf! Sie tun sich nichts Gutes. Sie wollen das nicht sehen. Sie sind neugierig, aber Sie wollen das nicht sehen!“ (ebenda, S.108).
 



Zum Weiterlesen:

http://www.gesundheit.de/familie/schwangerschaft/geburt-und-kaiserschnitt/beifahrer-maenner-bei-der-geburt

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Elternschaft/s_1884.html


 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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