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2 Dezember, 2012 - 11:26
 

Streiten - aber richtig

In jeder Beziehung gibt es Meinungsverschiedenheiten, Diskussionen und mitunter auch Streit. Das ist überall so, wo zwei Individuen mit verschiedenen Meinungen aufeinander treffen. In einer Partnerschaft können Diskussionen jedoch schnell eskalieren. Wie schafft man es, zu streiten, ohne dass die Beziehung Schaden nimmt? Denn schließlich ist die Fähigkeit, Konflikte lösen zu können, eine der Hauptvoraussetzungen für eine erfolgreiche Partnerschaft.

© Sergey Rusakov - Fotolia.com

Grundsätzlich ist eine Meinungsverschiedenheit ganz natürlich und sie kann auch produktiv sein. Partnerschaften sind jedoch immer auch emotional aufgeladen und in Beziehungen mit Kindern kommt häufig erschwerend auch noch der Faktor Stress hinzu. Außerdem können sich Mann und Frau, die zusammen leben, auch schwer aus dem Weg gehen.

Dies alles führt dazu, dass ein Streit innerhalb einer Beziehung von einer eher unwichtigen kleinen Diskussion zu einem großen Problem anwachsen kann. Eine gute Möglichkeit zu verhindern, dass eine Diskussion aus dem Ruder läuft ist, dass man ein paar Regeln beachtet und fair streitet.

 

Fair streiten - Ort, Zeit und Regeln festlegen

Wenn es eine echte Meinungsverschiedenheit zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin gibt, dann sollten Sie diese nicht auf die lange Bank schieben, sondern zeitnah ansprechen. Hat die Meinungsverschiedenheit Streitpotential, dann stoppen Sie die Diskussion an diesem Punkt und vereinbaren Sie mit Ihrer Partnerin, dass sie diesen Punkt in aller Ruhe ausdiskutieren sollten (und nicht zwischen Tür und Angel bzw. bei der Babyfütterung, der Fahrt zu den Schwiegereltern oder im Supermarkt). Vereinbahren Sie eine Zeit, zu der die Kinder sicher im Bett sind und schlafen, damit sie auch nichts von Ihrer Diskussion mitbekommen können. Kinder können Diskussionen nur sehr schlecht einordnen, jeder auch nur scheinbare Streit zwischen den Eltern verunsichert sie sehr. Setzen Sie sich an einem Tisch in einer ruhigen Ecke gegenüber und schalten sie den Fernseher aus. Schenken Sie dieser Diskussion Ihre ganze Aufmerksamkeit, Handy und Telefon sind für die Zeit des Gesprächs tabu.

Einigen Sie sich mit ihrer Partnerin auf folgende Regeln:

  • Es geht um das Thema, das zuvor vereinbart wurde - und nur dieses Thema.
  • Die Partner lassen sich ausreden.
  • Niemand wird laut.
  • Es gibt keine Vorwürfe, keine Beleidigungen, keine Drohungen, kein wenn ... dann.
  • Bitte auch keine Allgemeinsätze wie "immer", "nie", "ständig" etc. Das führt zu nichts. Verwenden Sie besser sogenannte Ich-Botschaften, zum Beispiel: "ich bin der Meinung", "ich fühle mich" oder "ich würde mir wünschen, dass".
  • Die Partner nehmen einander ernst, hören einander zu und sehen einander beim Gespräch an.
  • Beide Partner haben das Recht, eine Auszeit zu nehmen, wenn die Diskussion zu heftig wird oder zu nichts führt. Keine Vorwürfe deswegen.

 


Der Verlauf der Diskussion

Sie und ihre Partnerin stellen nacheinander ihre eigene Sichtweise der Dinge dar. Jeder Partner hat dazu eine Redezeit von 3-5 Minuten, während der er nicht unterbrochen wird. Bitte sehen Sie sich dabei an, hören Sie einander zu, widersprechen sie nicht und halten Sie sich auch in Bezug auf Kopfschütteln und andere abschätzige Gesten zurück.
Nachdem der erste Partner seine Position dargelegt hat, versucht der andere Partner die Punkte zusammenzufassen, um sicher zu gehen, dass er alles verstanden hat. Auch hier bitte keine Unterbrechung durch Partner eins. Anschließend darf Partner eins korrigieren, wenn es Mißverständnisse gab. Wenn man einander verstanden hat, darf Partner eins dann noch erklären, warum ihm dieser Punkt so wichtig ist, was seine dahinter liegenden Bedürfnisse sind. Auch hier versucht Partner zwei die Punkte so lange zusammenzufassen bis beide Gesprächspartner einander verstanden haben. Anschließend darf Partner zwei seine Sichtweise der Dinge vorbringen.

Nun, da Sie jeweils den Standpunkt des anderen verstanden haben, können Sie abschätzen, ob sie grundsätzlich einen ähnlichen Standpunkt haben und wissen, warum der andere die Meinung hat, die er vertritt. Meist ist dadurch schon viel gewonnen. Insbesondere Frauen fühlen sich häufig allein schon dadurch etwas besser, wenn man ihre Situation wahrnimmt und auch versteht.

Versuchen sie, aufeinander zuzugehen und einen Kompromiß zu finden. Klare Lösungen im Sinne von "Du hast recht und genau so machen wir das ab jetzt" sind eher selten. Ein Kompromiß kann sein, dass man Aufgaben anders verteilt oder einen anderen Ansatz wählt, vielleicht auch nur vorübergehend. Wenn sich nicht gleich ein Kompromiß finden lässt, so können beide Partner auch erst einmal auseinandergehen und sich darauf verständigen, dass sie sich die Sache durch den Kopf gehen lassen und dann noch einmal über das Thema sprechen.
Besteht Uneinigkeit über das Thema, so sollten Sie das gemeinsam feststellen. Der nächste Schritt wäre in diesem Fall, entweder getrennt voneinder oder mit einem unabhängigen Dritten (notfalls einem Paarberater) Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Da es sich um eine Partnerschaft handelt: geben Sie sich anschließend die Hand oder, besser noch, nehmen Sie einander in den Arm.

 

Ein paar Tipps zum Schluß

Ein Streit in einer Partnerschaft kann eine richtig üble und persönliche Sache sein. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, eine Lösung zu finden, bei der sich beide Partner einigermaßen gut fühlen. Die Diskussion muß auch so geführt werden, dass sich beide Partner anschießend noch in die Augen sehen können und idealerweise die Beziehung sogar noch stärker wird. Ein Streit in einer Beziehung sollte nie ein Machtkampf sein. Es sollte um die Lösung eines gemeinsamen Problems gehen. Wenn dies nicht gelingt, dann droht im schlimmsten Fall die Trennung. Nehmen Sie daher auch die Möglichkeit wahr, die Diskussion zu unterbrechen, wenn sie eskaliert. Führen Sie das Gespräch frühestens nach zwei Stunden fort. Dann haben sich die Gemüter meist ein wenig abgekühlt.

Auch, wenn diese Regeln auf den ersten Blick kompliziert erscheinen - sie helfen, dass eine Diskussion sachlich und lösungsorientiert anstatt auf der persönlichen Ebene geführt wird.

Wenn Paare es nicht schaffen, Probleme gemeinsam zu lösen, dann ist eine Trennung absehbar. Und die ist meist schmerzhaft und nervenaufreibend, teuer und mit Kindern darüber hinaus auch gar nicht einfach.

 

 

Hilfreiches zum Weiterlesen:

http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/partnerschaft/tid-10939/streitkultur-fairness-fuer-kampfhaehne_aid_314936.html

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de