Skip to main content

Suche

16 November, 2011 - 12:22
 

Keine Kleinigkeit: Kinder, Kosten und Karriere

Sie sind uns das Liebste und Teuerste auf der Welt. Unsere Kinder. Und wir sind gern bereit, in die Zukunft des Nachwuchses zu investieren. Aber was kommt dabei eigentlich zusammen? Und fördert es die Karrierechancen, Kinder in die Welt zu setzen? Die Anerkennung ist uns sicher, wenn wir uns entscheiden, die Welt und die Rentenkassen mit Kindern zu bereichern. Aber von Anerkennung allein kann niemand leben.

© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Wer Kinder hat, weiß, dass sie teuer sind. Zahlreiche Modellrechnungen versuchen schon seit langem aufzuzeigen, was konkret zusammenkommt, wenn man ein Kind großzieht. Die Ansätze sind unterschiedlich, doch die Zahlen beachtlich. Das Statistische Bundesamt hat im Jahr 2008 eine Rechnung aufgestellt, nach der ein Kind im Schnitt rund 550 Euro im Monat kostet. Das waren allerdings die Zahlen aus dem Jahr 2003, inzwischen dürfte der tatsächliche Betrag also höher liegen. Nimmt man den Wert des Bundesamtes jedoch einmal als gegeben hin, kommt man auf insgesamt rund 120.000 Euro, bis das Kind die Volljährigkeit erreicht hat. Das allein ist jedoch keine problematische Zahl, wenn man bedenkt, dass es Menschen gibt, die in diesem Zeitraum die gleiche Summe für zwei oder drei Autos ausgeben. Aber was bekommt man für diese 120.000 Euro, oder besser: was hat das Kind letztlich davon?

 

120.000 Euro – ohne Extras

Die Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes mag seriös und wissenschaftlich einwandfrei sein. Sie berücksichtigt aber nur die Ausgaben für den täglichen Konsum. Nicht mit einbezogen sind Kosten für Vorsorge oder Versicherungen. Wer heutzutage gewissenhaft ist, sollte normalerweise direkt nach der Namensgebung des Neugeborenen eine Kapitallebensversicherung oder etwas Ähnliches für das Kind abschließen. Auch anfallende Kosten für ein späteres elternfinanziertes Studium fließen nicht in die Ergebnisse der staatlichen Modellrechnung ein. Mit 120.000 Euro ist also gerade einmal die Basis abgedeckt. Doch Kinder kosten nicht nur Geld, der Staat unterstützt Familien mit Kindern auch.

 

Staatliche Hilfen

Familien erhalten vom Staat grundsätzlich Kindergeld. Das ist einkommensunabhängig und kann sozusagen als Bonbon verstanden werden, das Eltern erhalten. Die Höhe des Kindergeldes richtet sich nach der Anzahl der Kinder im Haushalt. So gibt es für das zweite Kind mehr als für das Erste. Neben dem Kindergeld gibt es zahlreiche andere finanzielle Leistungen, die Eltern in Anspruch nehmen können, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

  • Elterngeld

  • Wohngeld
  • Mutterschaftsgeld.

  • Kinderfreibeträge für Betreuungs- und Erziehungsbedarf

  • Einkommensabhängige Kinderzuschläge

Wenn man das so liest, könnte man meinen, dass im Grunde von staatlicher Seite aus genug getan wird. Doch allein die Zahlen über Kinderarmut in Deutschland zeigen auf, dass es ganz offensichtlich ein Problem gibt, das durch staatliche Hilfe bisher nicht gelöst wurde.

 

Und die Karrierechancen mit Kindern?

Die promovierte Volkswirtin Christina Boll weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur dreifache Mutter, sondern auch eine Frau mit einer ausgezeichneten Karriere. Und Boll kann rechnen. Im Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut erforscht die Volkswirtin das Thema Erwerbstätigkeit und Familie und kommt zu eindrucksvollen Erkenntnissen. Bereits nach der Geburt ihres zweiten Sohnes stellte Boll fest, dass kinderlose Freundinnen beruflich und finanziell an ihr vorbeizogen. In ihrer Doktorarbeit kommt Boll zum Schluss, dass eine Frau, die mit 30 Jahren ein Kind bekommt, in den nächsten zehn Jahren auf rund 200.000 Euro Einkommen verzichten muss. Besonders überraschend, auch für die Volkswirtin selbst: sogar wenn Frauen bereits wieder voll im Arbeitsleben stehen, verdienen sie doch weniger als Kinderlose. Addiert man die Einkommenseinbußen und die Zahl vom Statistischen Bundesamt, kommt man also auf rund 320.000 Euro, die ein Kind direkt oder indirekt bis zur Volljährigkeit kostet. Dabei haben es Männer nicht unbedingt einfacher. Familien müssen sich im Klaren darüber sein, dass die Berufswelt Kinder zwar liebt. In der Regel aber erst, wenn sie als Fachkräfte zur Verfügung stehen.

 

Nicht zu früh und so früh wie möglich

Die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind gekommen ist, stellt sich wohl schon seit Ewigkeiten. Doch bezogen auf den wirtschaftlichen Aspekt rät Christina Boll Paaren zu einer gewissen Planung. Die Lohneinbußen schätzt sie unter bestimmten Umständen geringer ein, wenn man sich später für das Kind entscheidet und bereits eine berufliche und finanzielle Basis geschaffen hat. Zudem sollte die Pause nicht zu lange dauern, selbst ein schrittweiser Wiedereinstieg oder Teilzeitarbeit wirke sich positiv auf die Einkommensentwicklung aus. In der Quintessenz bedeutet das also, die Erstgeburt möglichst nicht zu früh zu planen, den Wiedereinstieg in den Beruf aber so schnell wie möglich zu realisieren. Das klingt nach einem präzisen Plan. Und genau hier wird es kompliziert, denn dieses exakte Planen ist eben nicht immer möglich. Und es kann ebenso sinnvoll sein, das erste Kind möglichst früh zu bekommen, da der wirtschaftliche Ausfall zu diesem Zeitpunkt noch nicht so sehr zu Buche schlägt.

Insgesamt kann man sich durchaus fragen, warum überhaupt Eltern, die wieder in den Beruf zurückkehren wollen, mit Nachteilen leben müssen. Sie tun etwas für die Gesellschaft, investieren in die Zukunft und sorgen für die nachfolgenden Generationen. Der Dank ist häufig ein Loch im Portemonnaie. Und Anerkennung. Aber für die kann man sich bekanntlich nichts kaufen. 

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion
randomness