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17 November, 2017 - 08:51
 

Nach der Scheidung - das Leben neu aufbauen

Jede Beziehung ist einzigartig, mit Höhepunkten, Tiefpunkten, mit Ecken und Kanten, Launen und Eigenarten. Doch nicht jede Beziehung überlebt. Selbst wenn man sich ewige Treue und Liebe geschworen hat, kann die letzte Konsequenz sein, dass es in einer Ehe nicht gelingt, alle Krisen zu überstehen, alle Charaktereigenschaften des Partners anzunehmen. Wenn die Scheidung unausweichlich ist, kommt es darauf an, das Leben neu aufzubauen. Das ist nicht leicht. Aber es kann funktionieren.

© Jochen Mittenzwey - Fotolia.com

Es gibt sie, die unkomplizierten Scheidungen. Wenn sich beide Partner einig sind, wenn „keine schmutzige Wäsche gewaschen“ wird und auch das Geld kein Streitpunkt ist, kann es klappen. Selbst gute Freundschaften der ehemaligen Ehepartner sind denkbar. Aber dieser Idealzustand ist eher eine Ausnahme. Scheidungen gehen mit Verletzungen einher, Wunden aus der Vergangenheit der Beziehung brechen erneut auf, neue Verletzungen kommen hinzu. Oft bekriegen sich die Partner, die sich einmal geliebt haben, mit allen Mitteln. Zum einen, um die eigenen Verletzungen zu verarbeiten. Zum anderen, um sich die bestmögliche Ausgangssituation für einen Neuanfang zu schaffen. Doch völlig unabhängig davon ist das Leben nach der Scheidung vor allem eines: ein drastischer Gegensatz zur Zeit davor.

Die Frage nach dem Warum

Ob Sie Ihr Leben nach der Trennung reibungslos neu beginnen können, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Sicherlich ist es leichter, sich mit der neuen Lebenssituation zu arrangieren, wenn man gemeinsam festgestellt hat, dass die Ehe keine Zukunft hat. Gravierender sind andere Gründe, zum Beispiel fehlende Wertschätzung oder Untreue. Ein betrogener Partner wird es schwerer haben, mit dem Erlebten zurechtzukommen und sich das Leben neu aufzubauen. Aber letztlich ist es zweitrangig, ob es zu einer einvernehmlichen Trennung gekommen ist oder es eine einseitige Motivation gab. Es mag zu einfach klingen, aber einer der wichtigsten Punkte nach einer Scheidung ist der, an dem Sie aufhören, die Frage nach dem Warum zu stellen. Natürlich sind die Gründe wichtig, in vielen Fällen sogar von größter Bedeutung, um ein neues Leben zu gestalten. Irgendwann aber muss die Warum-Frage abgelöst werden durch die Frage nach dem Wie! Wer sich auch lange nach der Scheidung noch immer mit dem Warum „herumschlägt“, wird Probleme haben, die neue Lebenssituation zu akzeptieren. Ursachenforschung ist also wichtig, Lösungswege und neue Ziele zu finden, sollte aber Vorrang haben, sonst drehen Sie sich ab einem gewissen Punkt im Kreis. Es gibt nachgewiesene Fälle, in denen sich beispielsweise Frauen noch 15 Jahre nach der Scheidung als Opfer fühlen oder Männer 10 Jahre nach der Scheidung Vorwürfe gegen die Ex-Frau erheben. Läuft es so, läuft etwas schief.

Die Nächste, bitte

Studien zeigen ein Bild, das nicht wirklich überrascht. Männer und Frauen gehen unterschiedlich mit Scheidungen um. Gemeinsamkeiten gibt es jedoch bei Ängsten vor finanziellen Belastungen. Hier sind es sowohl Männer als auch Frauen, die sich sorgen. Um den Trennungsschmerz zu überwinden, neigen Frauen insgesamt eher dazu, erst einmal alleine zu bleiben und mit einem neuen Partner zu warten. Männer wählen nicht selten den umgekehrten Weg. Eine neue Freundin verspricht für viele Männer ein besseres Leben nach der Scheidung. Das kann durchaus auch so sein, allerdings ist es auch ein Mechanismus der Verdrängung. Unterstrichen wird diese Annahme durch Zahlen, die belegen, dass Beziehungen kurz nach der Scheidung nur selten lange halten.

Wie es geht

Erinnern Sie sich, was ein wichtiger Bestandteil Ihrer Ehe war? Häufig sind es gemeinsame Rituale. Ganz besonders, wenn die Ehe Kinder hervorgebracht hat, ist die Umstellung nach der Scheidung schwer. Während früher das gemeinsame Frühstück oder die Geschichte zum Einschlafen ganz selbstverständlich zum Leben gehörte, fällt all das auf einen Schlag weg. Doch es gibt Möglichkeiten, mit dieser neuen Situation umzugehen. Auch im Neuen kann Bekanntes Platz haben.

  • Führen Sie Rituale für sich ein. Dinge, die Ihnen helfen, sich auch kurze Zeit nach der Scheidung sicher zu fühlen. Rituale dienen viel mehr als Orientierungspunkte, als man zunächst annimmt.
  •  Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu Ihrem Kind. Telefonate, Treffen und Ausflüge sind wichtig, um weiterhin an der Entwicklung teilzunehmen.
  •  Sollten Sie alleinerziehender Vater sein, ermöglichen Sie Ihrer Ex-Frau regelmäßige Kontakte, selbst wenn Sie noch Schmerz empfinden. Je komplizierter sich der Umgang mit der Ex-Partnerin gestaltet, desto mehr leidet Ihr Kind.
  •  Finden Sie einen Weg zwischen Reflektion und Zerstreuung. Es ist sicherlich falsch, blauäugig über das Gewesene hinwegzugehen und „Wein, Weib und Gesang“ in den Vordergrund zu stellen. Das Leben als ständig grübelnder Einsiedler kann allerdings auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.
  •  Versuchen Sie, eine einseitige Täter-Opfer-Sichtweise zu vermeiden. Sie können sich ausschließlich als Opfer, aber auch als „böser“ Täter betrachten. Es ändert doch nichts daran, dass zu einer Trennung immer beide Partner gehören. Wer welche Verantwortung an der Scheidung trägt, mag eine Weile für Sie bedeutsam sein. Irgendwann aber bremsen Sie solche Gedanken aus und verhindern, dass Sie sich positiv mit dem beschäftigen, was die Zukunft bringt.

Ein Patentrezept gibt es letztlich nicht, wenn man sich scheiden lässt. Doch eines sollte klar sein: das Leben geht weiter, selbst wenn das noch so abgedroschen klingt. Ex-Partner oder Ex-Partnerinnen, die selbst 15 oder 20 Jahre nach der Scheidung noch immer Groll hegen, haben den Zeitpunkt verpasst, weiterzuleben. Im besten Fall sogar besser als vorher.

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