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5 August, 2017 - 23:53
 

Kinder - die wahren Konservativen

Kinder mögen es gerne überschaubar, konstante Verhältnisse geben ihnen Sicherheit. Manch ein Kind beharrt so sehr darauf, dass sich nichts verändert, dass es regelrecht spießig wirkt. Dabei hat dieses Verhalten einen guten Grund.

© Valeriy Lebedev - Fotolia.com

Für eine glückliche Entwicklung brauchen Kinder generell drei Eckpfeiler: das Gefühl, gemocht zu werden, eigene Freiräume als Entwicklungsspielraum und eben die Gewissheit, dass Menschen und Situationen verlässlich und berechenbar sind. Leider ist vor allem die letzte Bedingung heutzutage oft nicht gegeben. Die Folge hiervon kann allgemeine Orientierungslosigkeit sein. Später fällt es oft schwer, Autorität und Grenzen anzuerkennen. 

 

Rituale als Inseln der Beständigkeit

Kinder lieben und brauchen Rituale, meist bestehen sie sogar vehement darauf. Immer wiederkehrende Abläufe zum Beispiel zur Schlafenszeit sind das beste Beispiel dafür, wie viel Ruhe und Sicherheit ein Kind dadurch erlangen kann. Im Grunde genommen mögen Kinder in allen ihren Tätigkeiten und im gesamten Tagesablauf den rituellen – also sich wiederholenden – Charakter. Die Gewissheit, dass Situationen und Zeitabläufe sich verlässlich gleich oder ähnlich gestalten, erlaubt Kindern, sich aufs Lernen und Entdecken zu konzentrieren und zwar mit der Gewissheit, dass die Dinge, die „unbeobachtet“ bleiben, derweil nicht aus dem Ruder laufen. Fehlt dieser Aspekt im Leben eines Kindes, ist es ständig verunsichert und immer in Wartestellung, was denn wohl als nächstes  Unvorhergesehenes passieren wird. Das führt zu permanenter Anspannung und Unsicherheit und stört vor allem die geistige und emotionale Entwicklung.

 

Beständige und starke Eltern – Grundvoraussetzung für glückliche Kinder

Kinder wollen starke Eltern und damit die Gewissheit, dass sie sich auf sie verlassen können. Eine laxe Erziehung und zu viel Entscheidungsspielraum fürs Kind, wie es häufig in der Erziehung stattfindet, erziehen keinen freien Geist, sondern einen unsicheren und nicht sehr entscheidungsfreudigen Menschen. Kinder können nicht beurteilen, was gut oder schlecht für sie ist – selbstverständlich müssen sie eigene Fehler machen, das aber in einem geschützten Rahmen, in dem sie ihre eigenen Fehler auch verstehen und nachvollziehen können, denn nur so entsteht ein Lern- und Entwicklungseffekt. 

 

Konservativ und aggressiv – Wenn Kinder die Dinge selbst in die Hand nehmen

Kinder fordern Stärke und Beständigkeit von ihren Eltern ein, immer wieder. Uns erscheint es oft aggressiv oder ungezogen, oder eben auch übermäßig konservativ, wie unsere Kinder sich verhalten. In Wirklichkeit „betteln“ sie förmlich nach den Grenzen, die sie benötigen, von den Eltern jedoch nicht erhalten. So treiben sie es immer bunter, in der Hoffnung, endlich auf den begrenzenden Punkt, auf das Stopp zu stoßen. Manche Kinder gehen hier auch den anderen Weg und stellen sich schon als Kleinkinder extrem konservativ dar: Da darf niemals ein anderer Weg in den Kindergarten gewählt werden und wehe, es fehlt ein Satz in der bekannten Gute-Nacht-Geschichte. Der Weg, den ein Kind einschlägt, kann variieren, die Botschaft an die Eltern bleibt immer gleich: Gib mir Halt und Sicherheit, sei stark und verlässlich. Entscheidend ist, dass die Eltern die Botschaft auch verstehen und sich durch das Verhalten oder die Äußerungen des Kindes nicht angegriffen fühlen. Eher sollten sie als Bedürfnis wahrgenommen werden.

 

Veränderungen sind auch gut – So lernen Kinder damit umzugehen

Kinder, die die Beständigkeit der Eltern und des Lebens von klein auf erlebt haben, kommen irgendwann ganz von selbst drauf, dass es Spaß machen kann, etwas Neues auszuprobieren. Bis sie soweit sind, sollten Eltern die Situation akzeptieren und soweit wie möglich Rücksicht auf das Sicherheitsbedürfnis des Kindes und seine konservative Haltung nehmen. Meist entwickelt sich die größere geistige Freiheit mit dem geistigen Horizont. Die Kinder lernen immer mehr kennen und nach und nach erfassen sie selbst die Möglichkeiten, die das Leben so bietet. Wenn es dann soweit ist, dass sie bereit für Experimente und Veränderungen sind, ist es für Eltern an der Zeit, loszulassen – immer mit der Botschaft, dass das Kind bei Niederlagen oder Fehlern Hilfestellung und Sicherheit bei den Eltern bekommt.

 

 
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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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