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15 Juli, 2016 - 09:57
 

Kinder gerecht behandeln – Geht das überhaupt?

Gerechtigkeit ist für den Großteil der Menschen ein hehres Ziel. Besonders Eltern kämpfen täglich damit, ihre Kinder gerecht zu behandeln. Gerecht heißt jedoch nicht immer unbedingt gleich – vielmehr ist Gerechtigkeit in der Erziehung das Erfordernis, jedes Kind mit seinen Bedürfnissen gleichermaßen zu respektieren.

© nyul - Fotolia.com

Ganz ehrlich: Es ist unmöglich, seine Kinder alle gleich zu behandeln – wie soll das auch gehen: Der achtjährige Max darf einen Film sehen, für den sein vierjähriger Bruder noch viel zu klein ist; Lea verabredet sich mit einer Freundin, ihre zwei Jahre jüngere Schwester bricht in Geheule aus, weil sie sich auch verabreden will – nur weiß sie gar nicht, mit wem. Mit solchen Situationen sind Eltern ständig konfrontiert und müssen hier eine ganz individuelle Art der gerechten Behandlung finden.


Mit Gleichmacherei wird man keinem Kind gerecht

Jedes Kind hat individuelle Bedürfnisse, die seinem Alter und seiner Persönlichkeit entsprechen. Das sollten Eltern wissen, wenn sich das eine Kind mal wieder beklagt, wie ungerecht es doch sei, dass das andere „mehr“ hätte: Mehr Schokolade, mehr Saft, mehr Stücke von der Mango. Hinter solchen Anschuldigungen stecken oft ganz andere Bedürfnisse und die müssen Sie als Eltern herausfinden. Keinesfalls sollten Sie sich rechtfertigen oder dem Kind beteuern, dass Sie die Kuchenstücke fast mit dem Lineal abgemessen haben, damit sie gleich groß sind. Es wird ohnehin nicht zufrieden sein. Besser ist, Sie fragen es einfach, ob es auch noch ein Stück Kuchen will. Damit nehmen Sie dem Gefühl, irgendwie benachteiligt worden zu sein, die Grundlage.

Fragen Sie Ihre Kinder, was sie brauchen. Gibt es zum Beispiel Fischstäbchen zum Mittag – für viele Kinder ein Leibgericht und für viel beschäftigte Eltern ein Segen – so fragen Sie jedes Kind, wie viel es möchte, statt jedem die gleiche Anzahl auf den Teller zu zählen. Was für Fischstäbchen gilt, gilt ebenso für Aufmerksamkeit: Verteilen Sie die nicht nach der Uhr, sondern nach dem Bedarf, den Sie spüren können oder den Ihr Kind formuliert. Das andere Kind, das im Moment warten muss, kann mit der Versicherung getröstet werden, dass ihm im Anschluss ebenso viel Aufmerksamkeit zuteil werden wird.


Wen hast du am liebsten?

Auch mit dieser Frage werden Eltern von Geschwisterkindern häufig konfrontiert. Die Standardantwort „ich habe euch alle gleich lieb“ wird die wenigsten Kinder zufrieden stellen. Gerade in dieser Situation wird klar, wie individuell Gerechtigkeit den Kindern gegenüber ist und wie sehr sie diese Individualität auch einfordern. Sie wollen nicht genauso wie irgendwer anders geliebt werden, sondern ganz persönlich und auf eine einzigartige Art und Weise. Dieses Gefühl vermitteln Sie Ihren Kindern, indem Sie für jedes einzelne ganz besonders liebenswerte Eigenschaften herausstellen. Oft lässt sich die Situation auch mit einem Scherz entschärfen oder sogar ritualisieren: Wenn Ihre Tochter zu Ihnen kommt und sagt: „Du bist nur mein Papa und nicht Robins!“ dann können Sie statt langwieriger Erklärungen auch regelmäßig folgende Antwort geben: „Ich bin nur dein Papa – und Robins!“ Daraus kann ein schönes Ritual werden, ohne dass es ständig Diskussionen und Erklärungen gibt.


Was Kinder für gerecht halten …

… wird in erster Linie von den Eltern festgelegt. Je mehr Wert die Eltern auf eine Gleichbehandlung aller Kinder legen, umso wichtiger wird es auch für diese und das kann ganz schön anstrengend werden. Schnell kann daraus ein Gerechtigkeitswahn werden, den die Kinder in allen Situationen an den Tag legen. Daraus entsteht eine Einteilung der Welt in gerecht und ungerecht, die oft übertrieben ist. Die Eltern geraten unter Druck, denn die Kinder sind in ihren Erwartungen schnell kompromiss- und grenzenlos. Sie fordern Gerechtigkeit unter allen Umständen und das lässt sich schlichtweg im Leben nicht umsetzen.


Was fühlen Sie wirklich?

Es gibt besonders unkomplizierte Kinder, die es einem leicht machen, sie zu lieben. Andere dagegen sind schwierig und unkooperativ und stellen durch ihr Verhalten selbst die Liebe der Eltern in Frage. Es ist kein Wunder, dass man – obwohl man natürlich beide Kinder sehr liebt – eines ein klein bisschen lieber hat. Einfach deswegen, weil es sich leichter lieben lässt, weil es weniger Streitereien und Diskussionen gibt. Haben Sie unter Ihren Kindern ein Lieblingskind? Wenn ja, sollten Sie aufmerksam darauf achten, dass Sie dieses Kind nicht übermäßig bevorzugen, denn das wäre dann wirklich ungerecht.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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