Klassenziel nicht erreicht – Was tun, wenn Kinder sitzen bleiben?
In vielen Familien ist es nach wie vor ein echtes Drama: Wenn absehbar ist, dass das Kind das Schuljahr wiederholen muss, schwanken die Eltern zwischen Wut und dem Gefühl, versagt zu haben. Die Kinder sind frustriert und fühlen sich auch als Versager. Vorwürfe helfen in dieser Situation allerdings wenig.
Ob es einem Kind schadet oder vielleicht doch eher nützt, wenn es ein Schuljahr wiederholen muss, ist noch immer nicht eindeutig geklärt. Fakt ist, dass es gerade jetzt Unterstützung und Motivation braucht – und Eltern, die ihre Liebe nicht ganz offensichtlich davon abhängig machen, ob Sohn oder Tochter die nächste Klassenstufe erreicht hat oder nicht.
Sitzen bleiben als Chance?
Die Meinungen unterscheiden sich zu diesem Thema sehr. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Wiederholung eines Schuljahres sich negativ, aber auch positiv auf Leistung und Persönlichkeit des Kindes auswirken kann. Eine Studie, bei der im Jahr 2005 die Bildungskarrieren von 2.500 Schülern untersucht wurden, hat ergeben, dass 50% der Sitzengebliebenen sogar deutlich bessere Abschlüsse erreichten als ihre nicht sitzengebliebenen Klassenkameraden. Denn die Wiederholung einer Jahrgangsstufe kann eine echte Chance sein: Das Kind wechselt in einen anderen Klassenverband und hat einen Wissensvorsprung, der es ihm leichter macht, dem Stoff zu folgen und das im letzten Schuljahr Versäumte aufzuholen. Das Selbstbewusstsein und die Motivation werden gestärkt, wenn man plötzlich nicht mehr der schlechteste Schüler ist, sondern zu den Besten gehört. Trotz allem ist das Sitzenbleiben auch eine demotivierende und schmerzhafte Erfahrung und sollte wenn möglich vermieden werden. Individuelle Förderung und eine rechtzeitige Reaktion von Eltern und Lehrern auf schlechte Zensuren können dies in vielen Fällen verhindern.
Was braucht mein Kind jetzt?
Ein Kind, das das Schuljahr wiederholen muss, braucht in erster Linie Verständnis und das Gefühl, dass es trotz seines „Versagens“ noch geliebt wird. Es geht hier um Schulnoten, nicht um einen Charakterfehler. Das vergessen Eltern oft – weil sie sich hohe Ziele für ihr Kind erträumen, weil sie selbst glauben, versagt zu haben, weil es peinlich ist, wenn das eigene Kind ein Schuljahr sitzen geblieben ist. Neben dem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit in dieser Situation muss das Kind aber auch reflektieren: Woran liegt es, dass die Schulnoten so abgesackt sind? Dies ist eine zentrale Frage, die möglichst umfassend beantwortet werden sollte. Nehmen Sie Ihr Kind dabei aber auf keinen Fall ins Kreuzverhör, sondern fragen Sie nach seinen Gefühlen und was es selbst darüber denkt. Nicht immer liegt es tatsächlich am Lernstoff, dass die Leistungen so enorm abgefallen sind. Auch Probleme mit den Klassenkameraden, familiäre Schwierigkeiten oder aber auch eine Entwicklungsstörung können die Ursache sein.
Schließlich sollten Sie sich mit Ihrem Kind auch über die Zukunft unterhalten. In einen neuen Klassenverband einzutreten – und das auch noch als Wiederholer – ist nicht leicht und für Kinder häufig angstbesetzt. Entlastend wirkt meist die Information, dass viele Prominente (darunter vielleicht auch eines der Idole Ihres Kindes) selbst ein Schuljahr wiederholen mussten.
Damit sich das Sitzen bleiben nicht wiederholt
Wenn Sie die Ursachen im Gespräch mit Ihrem Kind oder auch den Lehrern ergründet haben, braucht es Strategien, damit sich dies nicht wiederholt. Gespräche mit den Lehrkräften sollten bei größeren Kindern in deren Beisein stattfinden. Eventuell kann sogar ein Schulwechsel die Lösung sein, zum Beispiel wenn Ihr Kind auf dem Gymnasium eindeutig überfordert ist. Eine Veränderung der Lerntechniken für das Üben zu Hause oder die Teilnahme an einer Hausaufgabengruppe kann ebenfalls eine Lösung sein. Bleibt Ihr Kind bereits in der ersten oder zweiten Klasse sitzen, liegt immer auch eine Entwicklungsstörung oder –verzögerung nahe. In diesem Fall sollten Sie Ihr Kind vom Arzt durchchecken lassen: Hört und sieht es gut, liegt eventuell eine Lernschwäche vor? Ist dies der Fall, kann durch gezielte Förderung und therapeutische Maßnahmen die Situation deutlich verbessert werden.
Wenn Ihr Kind mit dem gefürchteten „blauen Brief“ nach Hause kommt, sollten Sie vor allem Eines tun: Bleiben Sie gelassen und verschonen Sie Ihr Kind mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Eine Klasse zu wiederholen ist kein Weltuntergang.



















Ich denke, es ist in der tat gut sich bewusst zu machen, dass gerade in der Situation des "Sitzenbleiben" das Kind die Eltern und deren Beistand braucht. Denn natürlich ist die erste Reaktion eher geprägt von Enttäuschung, vielleicht auch ärger. Sowohl bei den Eltern, aber auch beim Kind. Nur sind es die Eltern, bei denen es gilt wieder Beherrschung zu finden.
Was mich ärgert ist allerdings, wie die Schulen teilweise damit umgehen. Eine Woche vor den Sommerferien erhalten wir die Nahricht, dass unser Sohn nicht versetzt wird - keine Chance mehr zu reagieren. Natürlich haben wir mitbekommen, dass die Noten nicht gut waren, aber die Ergebnisse der Zeugniskonverrenzen und vor allem der (mögliche positive) Einfluss mündlicher Noten war und ist uns nicht bekannt. Ich denke, dass gerade in Zeiten von G8 teilweise zu wenig Wert von den Schulen selbst auf das Thema Förderung gelegt wird. Wie man sich hier verhalten, was man einfordern oder verbessern könnte - das wären mal interessante Tipps für Eltern.
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