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15 Oktober, 2016 - 23:12
 

Baby vorm Bauch – wie sexy ist Papa-Sein?

Waren Sie schon einmal mit Baby unterwegs und haben dabei festgestellt, wie schnell man dabei Frauen kennenlernt? Ganz neue Erfahrungen für viele junge Väter. Unser Autor berichtet von seinen Erlebnissen.

© Sandy Schulze - Fotolia.com

Ich war sechzehn und sie hieß Silke. Wir waren verliebt und die Sommerferien standen vor der Tür. Für mich hieß dies: sechs Wochen mit meinen Freunden zum Zelten nach Griechenland und für Silke Urlaub mit den Eltern in der Normandie. Natürlich wollten wir uns treu bleiben und freuten uns auf die Zeit nach den Ferien. Wir machten Pläne. Sechs Wochen dachte ich an sie, schrieb ihr Postkarten und fieberte dem Tag entgegen, an dem wir uns endlich wiedersehen würden.

Es war der erste Schultag, ich hatte mein Souvenir für Silke schön eingepackt und wartete auf sie am Haupteingang der Schule. Sie kam, sah mich und bog ab. Ich war verstört und lief ihr nach. Sie mied den Augenkontakt, stammelte etwas von ihr täte es leid und sie hätte das nicht gewollt, aber es sei eben passiert. Passiert war Tim. Achtzehn, Surfer, blonde Locken, muskulöser Körperbau und Zahnpastalächeln. Da konnte ich nicht gegen an. Ich war noch nie ein Alphamännchen. Ich war eher ein Betamännchen – um ehrlich zu sein: eher aus dem Mittelfeld der Liga für Beta-Männchen. Man muss wissen, wo man steht. So attraktiv wie Tim war ich nun eben nicht.


Mein kleiner Helfer

Aber keine Sorge, ich verfalle nicht in Selbstmitleid, denn seit einigen Monaten geht eine bemerkenswerte Wandlung mit mir vor. Es scheint als stünde ich kurz vor dem Aufstieg in die Liga der Alphamännchen. Noch nicht Uefa-Cup, aber solides Mittelfeld.
Der Grund für meine Wandlung heißt Noah, ist sechs Monate alt und wiegt gerade sieben Kilo. Letzteres ist wichtig zu erwähnen, weil es dafür sorgt, dass ich häufiger mal Rückenschmerzen habe. Ich trage meinen Sohn nämlich gerne im Gurt vor meinem Bauch und das hat scheinbar einen großen Einfluss auf meine Attraktivität.


Die Wirkung auf Frauen

Kurz vor Weihnachten begleitete ich meine Frau auf eine Design- und Modemesse. Wir strichen durch Gänge von selbstgehäkelten Handtaschen, handbemalten Seidentüchern und den obligatorischen Filzprodukten, als ich an einer Wand mit Gürtelschnallen stehenblieb. Da passierte es. „Ist der süß“, säuselte eine begeisterte Frauenstimme. Natürlich war mir klar, dass damit nicht ich gemeint war, sondern Noah. Mein Sohn, ganz Profi, lächelte wie ein Honigkuchenpferd. Es waren zwei junge Frauen, vielleicht Mitte zwanzig und sehr hübsch. Ich lächelte und wir kamen ins Gespräch. Zunächst nur über Noah aber dann auch über die Messe und uns. Nach zehn Minuten verabschiedeten sie sich mit den Worten: „Vielleicht sieht man sich ja mal wieder?“ und gingen. Ich blieb zurück und sah meinen Sohn an, der mittlerweile interessiert mit seinem Schnuller spielte. Da meine Frau sich noch im Gespräch mit einer Verkäuferin befand, ging ich weiter. Es dauerte keine zehn Minuten, bis ich erneut im Gespräch war. Wieder mit einer jungen Frau. Nachdem auch das Gespräch beendet war, wurde mir klar: Baby vorm Bauch hilft scheinbar beim flirten. Warum ich das glaube? Das letzte Mal dass ich ohne Baby vorm Bauch von einer Frau so angesprochen wurde liegt gut und gerne fünfzehn Jahre zurück. Vielleicht macht es mich sanft? Oder sind Männer, die sich um ihren Nachwuchs kümmern attraktiver für Frauen? Sind es die süßen Augen meines Sohnes die Frauen denken lassen: wenn der Sohn so niedlich ist, kann der Vater nicht verkehrt sein? Da ich mir die Frage nicht beantworten konnte, machte ich mich daran zu recherchieren und traf auf eine interessante Studie. Laut Cunningham, Barbee und Pike (1990), kann die Attraktivität von Männern auf Frauen auf eine Kombination aus kindlichen und reifen Merkmalen zurückgeführt werden. Ein Mann der also hohe Wangenknochen (männlich) und große Augen (kindlich) aufweist, ist attraktiv für Frauen.  Die Studie untersuchte zwar nur die Gesichtszüge von Männern und deren Wirkung auf Frauen, aber das schließt ja nicht aus, dass eventuell auch die Kombination aus erwachsenem Mann und Baby die gleiche Wirkung erzielt? Ich jedenfalls glaube daran und genieße meine neu gewonnene Anziehung auf das andere Geschlecht. Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich liebe meine Frau und habe keinerlei Absichten. Aber ein Augenzwinkern hier oder ein freundliches Lächeln dort können einem den Tag durchaus verschönern - und Noah macht es offensichtlich Spaß seine Wirkung auf Frauen voll auszukosten.


Bleibt nur die Frage, ob mir ein Baby vorm Bauch auch bei Silke geholfen hätte? Das werde ich wohl nie herausfinden. 


 

Christian Mörken, 39 Jahre, lebt als freier Autor, Redakteur und Texter mit seiner Frau Gabriela und seinem Sohn Noah Maximilian in Pfronten.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de