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29 März, 2016 - 23:30
 

Die Welt mit den Augen eines Kindes sehen – ein Blick zurück in die eigene Kindheit

Kinder sind für Erwachsene nicht immer leicht zu verstehen, selbst für die eigenen Eltern nicht. Ein Kind erlebt seine Umgebung anders als ein Erwachsener, nimmt Dinge anders wahr. Eigentlich verständlich, aber es ist dennoch für Eltern im Alltag nicht immer einfach nachzuvollziehen und dann daraus die Konsequenzen abzuleiten. Unser Autor versucht, sich an seine eigene Kindheit zu erinnern und dadurch auch die eigenen Kinder besser zu verstehen.

© RTimages - Fotolia.com

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kindheit? Was sind Ihre frühesten Kindheitserinnerungen? Denken Sie als Vater ab und zu daran, wie es war, als Sie selbst noch ein Kind waren?

Meine Mutter pflegte über verständnislose Nachbarn, die sich durch unser lebhaftes Spielen gestört fühlten, zu sagen „der war selbst nie ein Kind“. Ich bin mir sicher, je mehr wir uns an unsere eigenen Kindheitserlebnisse und -empfindungen erinnern, die uns ja auch zu dem gemacht haben, wer wir heute sind, desto besser werden wir unsere eigenen Kinder verstehen. Erlebnisse aus einer Kindheit sind immer sehr persönlich, aber ich werde in den nächsten Abschnitten einmal von den Gefühlen schreiben, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann.  Vielleicht haben Sie ja ähnliche Erinnerungen. Schreiben Sie uns im Kommentarfeld, woran Sie sich erinnern können.


Unendliche Weiten

Die ersten Erinnerungen an die Kindheit sind wohl bei jedem von uns eher verschwommen. Die erste klare Erinnerung ist bei mir ein Weihnachtsfest, bei dem ich vor einer riesigen Tür warten musste, bis die Eltern Baum, Kerzen und Geschenke hergerichtet hatten. Neben den Lichtern selbst erinnere ich mich, wie groß mir die Tür vorgekommen war. In meiner Erinnerung war sie so groß wie die Tore von Moria beim Herrn der Ringe - in Wirklichkeit war es die Flügeltür einer Altbauwohnung. Generell kann ich sagen, dass mir meine Umgebung als Kind unendlich groß vorgekommen ist – das Zimmer, das Haus, in dem wir lebten und sein Garten. Auch später in der Schulzeit war meine Welt klein, der Radius, in dem ich mich bewegt habe, begrenzt. Und das war okay.  Es war groß und abenteuerlich genug und ich habe mich trotzdem sicher gefühlt. Mir war das wichtig.


Verknüpfung von Orten und Gefühlen

Sicher gab es abenteuerlustigere Kinder als mich, aber ich fand es schön, wenn ich mich irgendwo auskannte, wenn wir von zu Hause weg waren. Häufig waren wir bei meiner Oma und dort kam neben den Ortskenntnissen auch noch eine besondere Geborgenheit hinzu, die dazu führte, dass ich mich dort extrem wohl fühlte. Sie nahm sich besonders viel Zeit für mich, erzählte Geschichten und spielte mit mir. Auch, wenn sie Vieles wiederholt hat, ich habe es geliebt. Ein Ausflug zu Oma war immer toll – ich wusste, was mich erwartet und das war schön!
Wir fuhren häufig in dieselben Orte in Urlaub. Heute fände ich das furchtbar langweilig. Als Kind war es aber ein gutes Gefühl, zu wissen, was einen erwartet. Man konnte Vorfreude aufbauen und von den Eltern Versprechen einholen, schöne Erlebnisse von früher zu wiederholen.


Die Eltern geben die Richtung vor

Überhaupt wurde das, was in meinem Leben passiert ist, von meinen Eltern bestimmt. Sie entschieden, wann es einen Ausflug gab und meist auch, wohin es ging. Ich wusste ja auch nicht, was es an Möglichkeiten dort draußen gab. Wenn etwas Besonderes in meiner Kindheit passiert ist, dann gaben meine Eltern den Anstoß. Aber das war ganz natürlich so und wurde nie in Frage gestellt. Sie waren mein Papa und meine Mama und wussten ja ohnehin alles. Sie gaben mir ihre Liebe und beschützten mich. Warum hätte ich an ihnen zweifeln sollen?


Wenn ich erst groß bin

Trotzdem gab es immer wieder Frustrationen, wenn ich etwas nicht durfte oder ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe. Häufig ging es bei den Diskussionen um die Bettgehzeiten. Einmal ging es soweit, dass ich zu Hause ausziehen wollte – ich war maximal sechs Jahre alt. Meine Spielzeugautos hatte ich bereits gepackt. Ich ließ mich jedoch überreden, doch noch zu bleiben.
Jedes mal, wenn ich mich ungerecht behandelt fühlte, sagte ich mir „wenn ich erst groß bin“. Ich hatte keine Ahnung, wie es sein würde, wenn ich wirklich erwachsen wäre. Nur, dass ich dann über mein Leben bestimmen könnte und sich alle Probleme von selbst lösen würden.


Mama, mir ist langweilig

Wenn ich an meine Kindheit denke, dann erinnere ich mich daran, dass mir häufig langweilig war. Ich war nicht gut darin, allein zu spielen und es gab damals keinen Kinderhort am Nachmittag, später keine Ganztagsschule, keine Playstation und auch noch kein echtes Kinderprogramm im Fernsehen. Echte Hobbies hatte ich auch keine und es war nicht üblich, dass die Eltern dahingehend etwas für ihre Kinder organisierten. Wenn Mama nicht mit mir gespielt hat, dann wurde der Tag richtig lang, zumal ich nicht sehr geduldig war. Die Langeweile legte sich bei mir in dem Moment, wo ich eigenständig das Haus verlassen und meine Freunde besuchen durfte. Heutzutage denke ich ab und zu – etwas Langeweile zu haben wäre doch wirklich erholsam …


Erinnerungen an besondere Erlebnisse

Ich erinnere mich an einige Erlebnisse aus meiner Kindheit, besondere Unternehmungen und Ereignisse, die mir im Gedächtnis geblieben sind: an einem Teich im Zoo gab es Enten, denen ich immer hinterhergerannt bin, an eine Kirschenernte, als wir von einem riesigen Baum leckere Kirschen gegessen haben, an einen Sommer, in dem es unglaublich viele Junikäfer gab, an das Drachensteigen mit meinem Papa und an Ausflüge in Museen, wo es Dinosaurierskelette und ausgestopfte Tiere gab, in Zoos, auf Ritterburgen und in eine Tropfsteinhöhle. Es waren immer Erwachsene dabei, meist meine Eltern, die die Unternehmungen organisiert und mir Dinge erklärt haben. Es waren im Nachhinein kleine Dinge – und ich erinnere mich nun Jahrzehnte später noch daran. Echte Erlebnisse also.

Woran sollen sich Ihre Kinder einmal erinnern? Es liegt auch an den Erlebnissen, die Sie Ihren Kindern bieten…



Schreiben Sie uns doch im Kommentarfeld, woran Sie sich noch aus Ihrer Kindheit erinnern können. Wie haben Sie Ihre Umgebung wahrgenommen? Wir sind gespannt.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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