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26 März, 2017 - 09:46
 

Wenn das Baby zu früh kommt - Leben mit dem Frühchen

Laut Angaben der WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) liegt der Anteil an Frühgeburten in Deutschland bei ungefähr 8%. Das heißt, dass 60.000 Babys vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Die erste Zeit mit dem Frühchen ist eine Belastungsprobe für die ganze Familie.

© reflektastudios - Fotolia.com

Gründe für Frühgeburten

Dass ein Baby zu früh geboren wird, kann viele verschiedene Gründe haben. Häufig lösen Fruchtwasserinfektionen eine Frühgeburt durch vorzeitige Wehen und das Platzen der Fruchtblase aus. Weiterhin können bestimmte Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft die Geburt vorzeitig auslösen. Hauptgrund ist hier das sogenannte HELLP-Syndrom. Die Symptome der Erkrankung bestehen unter anderem aus Störungen der Leberfunktion und aus Bluthochdruck. Verschlechtert sich der Zustand von Mutter und Kind, kann eine frühzeitige Geburtseinleitung erforderlich werden.

Auch bei Mehrlingsgeburten ist die Häufigkeit von Frühgeburten deutlich erhöht. Grund dafür ist hier eine Unterversorgung der Embryos, manchmal auch einfach nur Platzmangel in der Gebärmutter. Darüber hinaus gibt es viele weitere Gründe, die eine Fehlgeburt auslösen können. Das können zum Beispiel seelische Belastungen oder auch ein unglücklicher Sturz sein. Oftmals sind die Gründe aber auch gar nicht nachvollziehbar. Ein häufiger Auslöser von Frühgeburten ist auch das Rauchen. Aktives und passives Rauchen während der Schwangerschaft beeinträchtigen die kindliche Entwicklung. Die Entwicklung der Atmungsorgane wird gestört und die Neigung zu Frühgeburten erhöht sich deutlich.


Risiken bei Frühchen

Eines der größten Probleme bei frühgeborenen Babys stellt die Unreife der Lunge dar. Wenn das Baby noch nicht richtig atmen kann, muss es künstlich beatmet werden. Weitere Probleme können durch Hirnblutungen bei sehr früh geborenen Babys (unter 32 Wochen) und durch die erhöhte Infektionsanfälligkeit entstehen. All diese Risiken machen einen Krankenhausaufenthalt nötig, der bis zu drei Monate dauern kann. Besonders die Gefahr von Hirnschäden durch eine Mangelversorgung mit Sauerstoff kann dadurch vermindert werden.


Prognosen – Wie stehen die Überlebenschancen bei zu früh geborenen Babys

Neue Behandlungsmethoden in der Geburtshilfe und Fortschritte in der Intensiv-Medizin für Frühgeborene haben die Überlebenschancen für Frühchen stark verbessert. Trotzdem gilt nach wie vor: Je unreifer das Kind auf die Welt kommt, desto geringer sind seine Chancen, da sich Komplikationen häufen können. Das gleiche gilt für eine gesunde Entwicklung ohne bleibende Schäden. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass ca. 60% aller Babys die nach der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche geboren werden überleben, Tendenz steigend. Die Schattenseite dabei ist allerdings, dass sich mit den steigenden Überlebenschancen sehr früh geborener Kinder auch die bleibenden Schäden wie Motorik- oder Schreib-/Leseschwächen häufen.


Mit dem Frühchen im Krankenhaus

Kinder, die als Frühgeburt auf die Welt kommen, brauchen eine intensive medizinische Erstversorgung. Nach der Geburt wird das Baby deshalb auf dem schnellsten Wege in die Frühgeborenen- oder Intensivstation gebracht und in den Brutkasten gelegt, in dem ähnliche Klimaverhältnisse wie im Mutterleib herrschen. Je nach Lungenreife ist der Brutkasten mit Sauerstoff angereichert oder das Baby wird intubiert und künstlich beatmet.

Damit sich Frühchen unter den gegebenen Umständen möglichst gut entwickeln ist der Körperkontakt mit den Eltern sehr wichtig. Dafür wurde das Verfahren der Kängurupflege entwickelt, bei der die Babys möglichst viel Zeit auf den Bauch eines Elternteils gelegt werden – notfalls noch mit künstlicher Beatmung. Um den Stress und die Schmerzen zu lindern, die durch die häufigen Blutentnahmen entstehen, werden die Babys währenddessen mit hochprozentiger Zuckerlösung versorgt. Das tröstet und verringert das Stress- und Schmerzpotential erheblich. Mittlerweile wird auch für eine möglichst ruhige Umgebung für Frühchen gesorgt, da der Licht- und Lärmpegel ebenfalls ein Stressfaktor ist.

Die Zeit im Krankenhaus ist extrem anstrengend. Ein Elternteil sollte möglichst immer vor Ort sein und sich so viel wie möglich um das Baby kümmern. Vor allem dann, wenn noch Geschwisterkinder da sind, ist das eine echte Belastungsprobe für die Beziehung und die ganze Familie. Sie sollten in dieser Zeit jede Unterstützung annehmen, die sich Ihnen bietet. Lassen Sie sich von Freunden und Familie helfen, damit Sie sich möglichst vollständig auf Ihr Baby im Krankenhaus einstellen können.


Ab nach Hause – den Zeitpunkt bestimmt Ihr Kind

Die Zeit, die Frühgeborene im Krankenhaus verbringen müssen, richtet sich nach der individuellen Entwicklung. Den Entlassungstermin bestimmt der behandelnde Arzt dann, wenn verschiedene Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Ihr Baby kann allein atmen und hat auch keine Aussetzer mehr.
  • Eventuelle Medikamente kann ihr Baby selbst schlucken.
  • Die Laborwerte sind stabil und unauffällig.
  • Wärmebettchen oder Inkubator sind nicht mehr nötig, da Ihr Baby seine Körperwärme selbst halten kann.
  • Die Nahrungsaufnahme erfolgt über die Mutterbrust oder das Fläschchen.
  • Die Geräteüberwachung ist nicht weiter nötig, da alle Lebensfunktionen stabil sind.

Die erste Zeit zuhause sollte möglichst ruhig sein. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Baby und das eigene Wohlbefinden und nehmen Sie nachwievor jede erdenklich Hilfe von außen in Anspruch. Denn jetzt ist die Zeit, in dem Sie durch Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit die Defizite Ihres Babys gut ausgleichen können. Wichtig ist jetzt auch, dass Sie die Arbeit aufteilen. Jedes Baby ist ein 24h-Job, das gilt für Frühchen umso mehr. Helfen und unterstützen Sie sich und sorgen Sie dafür, dass sowohl Sie als auch Ihre Partnerin immer mal wieder ein wenig Zeit zum Durchatmen haben.

 



Zum Weiterlesen:
http://www.fruehgeborene.de/
http://www.netdoktor.de/Gesund-Leben/Schwangerschaft+Geburt/Komplikationen/Fruehgeburt-3581.html

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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